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Festival „Jazz ohne Gleichen“: Blick auf die jüdischen Wurzeln

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Von: Michael Caspar

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Sängerin Mirjam van Dam mit Pianist Ed Boekee, Kontrabassist Klaas van Donkersgoed und Saxophonist Peter Peuker.
Interpretiert jüdische Jazz-Klassiker: Sängerin Mirjam van Dam mit Pianist Ed Boekee, Kontrabassist Klaas van Donkersgoed und Saxophonist Peter Peuker. © Michael Caspar

Das Festival „Jazz ohne Gleichen“ in Rittmarshausen (Landkreis Göttingen) widmet sich den Anfängen der Musik.

Rittmarshausen – Die jüdischen Wurzeln des Jazz waren Schwerpunkt des Festivals Jazz ohne Gleichen, das am Wochenende im Gleichener Ortsteil Rittmarshausen stattfand.

„Warum machst du als Weiße schwarze Musik?“, wird die studierte Jazz-Sängerin Mirjam van Dam immer wieder vorwurfsvoll gefragt. Davon berichtete die jüdische Niederländerin beim Festival-Symposium in der Kulturscheune

Am Rittmarshäuser Thie. Van Dams Antwort: „Weil Juden in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Jazz der Afroamerikaner in New York maßgeblich mitgeprägt haben.“

Jazz-Festival in Gleichen: Juden prägten in den 20er- und 30er-Jahren den Jazz maßgeblich

„Die jüdischen Jazzmusiker stammten aus Osteuropa, waren zum Teil vor Pogromen nach Amerika geflohen“, führte van Dam aus. In den USA erlebten sie erneut Diskriminierung. Daher konnten sich viele von ihnen mit den Nachfahren versklavter Afrikaner identifizieren, die ebenfalls unter Ausgrenzung litten.

Eine gute Basis für die Zusammenarbeit, ergänzte der Amsterdamer Kulturexperte Gary Feingold bei dem Gespräch, das Dr. Dietmar Sedlaczek, der Leiter der Gedenkstätte KZ Moringen, moderierte. In Moringen saßen im Dritten Reich Jugendliche ein, deren Vergehen im Hören von Swing bestand.

Van Dam trug beim Konzert ihres Quintetts am nächsten Tag einige der Stücke mit ausdrucksstarker Stimme vor. Die jüdischen Musiker nutzten Melodien aus dem jüdischen Gottesdienst, berichtete sie.

Das spricht Al Jolson im Kino-Film „The Jazz Singer“ an, mit dem 1927 die Ära des Tonfilms begann. Benny Goodman interpretierte Ende der 1930er Jahre den jiddischen Song „Bey mir bist du scheyn“. Broadwaykomponist George Gershwin versuchte den Jazz 1924 mit seiner Rhapsody in Blue auf ein höheres Niveau zu heben.

Gelungener Auftakt des Jazz-Festivals in der St. Marienkirche

Eindrucksvoll gestaltete sich am Vorabend der musikalische Auftakt zum Festival in der evangelischen St. Marienkirche gegenüber der Kulturscheune. Dort ließ Generalmusikdirektor Stefan Hardt aus Frankfurt/Oder die Orgel swingen, improvisierte gemeinsam mit Saxophonist Warnfried Altmann, einem Urgestein der einstigen DDR-Jazz-Szene, und dem Percussionisten Hermann Naehring.

Der Klangwerker aus Brandenburg hatte eine eindrucksvolle Batterie an Gongs aufgebaut, ließ mit seiner japanischen Trommel das Gotteshaus beben. Die drei erkundeten gemeinsam unter anderem Choräle von Johann Sebastian Bach.

Daran schlossen am Sonntag Pianist Markus Burger und Saxophonist Jan von Klewitz an, die das Auswärtige Amts für Auftritte in aller Welt engagiert. Neben Bach interpretierten sie auch ein Marienlied, eine Arie aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo von 1711 oder Paul Newtons Amazing Grace

Zum Tanzen riss die Göttinger Studierendenband UniRoyal das Publikum mit, mit deren Auftritt das Festival endete. Verstärkung erhielten sie vom Vibraphonisten Chris Olesch, Gitarristen Kai Wenas und von der Sängerin Hanna Carlson. (Michael Caspar)

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