Das Göttinger IWF wird nun abgewickelt – Zukunft des Archiv weiter ungewiss

Im Filminstitut geht das Licht aus

Vor dem Aus: Das Göttinger Filminstitut wird nun abgewickelt. Für die Mitarbeiter werden neue Jobs gesucht. Fotos: rink/pid

GÖTTINGEN. Die Tage des Göttinger Instituts Wissen und Medien gGmbH (IWF) sind gezählt: 54 Jahre nach seiner Gründung wird das IWF zum 31. Dezember den Geschäftsbetrieb einstellen. Dort sind aktuell noch 48 Mitarbeiter beschäftigt. Zudem lagert im Gebäude eine der weltweit größten Sammlungen an wissenschaftlichen Filmen.

Die Abwicklung des Instituts am Nonnenstieg übernimmt ein Experte aus Baden-Württemberg, der sich auf die Sanierung und das Interimsmanagement von in Not geratenen mittelständischen Firmen spezialisiert hat.

Der Unternehmensberater Horst Scherer ist seit Anfang des Monats entsprechend einem Beschluss der Gesellschafterversammlung als Interims-Geschäftsführer eingesetzt, ab Januar dann als Liquidator. Die Abwicklung des Instituts sei eine „sehr komplexe Aufgabe“, meint der Diplom-Kaufmann.

Gesellschafter der IWF Wissen und Medien gGmbH sind die zehn Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Grundsätzlich gehe es darum, einen gerechten Ausgleich für die Betroffenen zu finden. Schwierig könne es werden, für die IWF-Mitarbeiter neue Jobs zu finden. Diese seien auf ein besonderes Marktsegment spezialisiert, erläutert Scherer. Er habe sich darum bemüht, die Stellengesuche breit zu streuen und einschlägige Personalberatungsfirmen kontaktiert. Drei frühere IWF-Mitarbeiter hätten eine neue Stelle gefunden.

Ungeklärt ist auch noch, wo das Filmarchiv der Einrichtung verbleiben wird. Zu den Schätzen der Einrichtung gehören zahlreiche Filme der weltberühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt sowie Aufnahmen mit den Nobelpreisträgern Otto Hahn und Werner Heisenberg.

Der Liquidationsbeschluss der Gesellschafterversammlung sehe vor, dass weiterhin eine wissenschaftliche Nutzung aller Medien ermöglicht werden solle, erläutert Scherer. Wie dies konkret aussehen könne, stehe noch nicht fest. Hierbei seien auch komplizierte urheberrechtliche Fragen zu klären. Auch die künftige Nutzung des Gebäudes und des insgesamt 20 000 Quadratmeter großen Geländes sei noch ungeklärt.

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hat der Landesregierung vorgeworfen, ihre Zusagen für das IWF nicht eingehalten zu haben. Wissenschaftsministerium Johanna Wanka müsse endlich Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen.

Von Heidi Niemann

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