Göttinger Forscher untersuchen, wie sich Gruppen in eine Richtung bewegen

Wie Fische im Schwarm

Experiment: Um die Bewegung von Gruppen zu untersuchen, entwickelten die Forscher ein computergestütztes Spiel. Foto: Uni Göttingen/nh
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Experiment: Um die Bewegung von Gruppen zu untersuchen, entwickelten die Forscher ein computergestütztes Spiel. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Erkenntnisse von Göttinger Forschern könnten Sicherheits- und Rettungspersonal helfen, größere Ansammlungen von Menschen in eine gewünschte Richtung zu leiten. Die Wissenschaftler des Courant Forschungszentrums „Evolution des Sozialverhaltens“ haben untersucht, wie Individuen ihre Bewegungen als Gruppe auf ein räumliches Ziel hin koordinieren.

Dabei stellten sie fest, dass Regeln des Schwarmverhaltens auch auf Menschen anwendbar sind. So bilden Tiere durch äußere Umwelteinflüsse Ansammlungen und bewegen sich in die gleiche Richtung.

Einfache Regeln

Komplexes menschliches Verhalten wie Führung und Koordination in einer Gruppe folgt ebenfalls einfachen Regeln, so die Göttinger Forscher. Für diese Regeln müssen keine höheren Denkleistungen vorausgesetzt werden, sondern lediglich eine wechselseitige Wahrnehmung lokaler Bewegungen.

Experiment

Die Wissenschaftler des Courant Forschungszentrums entwickelten ein computergestütztes Spiel, um Gruppenkoordination auf einem virtuellen Spielfeld unter extrem reduzierten Kommunikationsbedingungen zu untersuchen. Die Gruppenmitglieder konnten sich lediglich durch ihr Bewegungsverhalten wechselseitig abstimmen.

Dennoch gelang es ihnen – auch unter ausschließlich lokalen Sichtverhältnissen – sich als Gruppe auf ein Ziel hin auszurichten. Minderheiten mit speziellen Informationen konnten Mehrheiten sogar zu diesen Zielen führen, wenn sie als erste starteten und ihre Bewegungen gleichzeitig und einheitlich ausführten. Die Fähigkeit, Gruppenverhalten über Bewegung zu koordinieren, kann auf Umgebungen übertragen werden, in denen die direkte Kommunikation und Sichtradien beschränkt sind.

Massen dirigieren

„So könnte Sicherheitspersonal für Not-, Rettungs- und Sportszenarien trainiert werden, solch einfache Bewegungsmuster wie unmittelbares und einheitliches Agieren anzuwenden, um größere Massen von Menschen zu Ausgängen und Sicherheitsbereichen zu führen“, sagt Prof. Dr. Margarete Boos, Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift PLoS Computational Biology erschienen. (shx)

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