Flüchtlinge: Stadt benötigt fünf weitere Unterkünfte

Blaupause für weitere Flüchtlingswohnheime: Das Projekt auf den Zietenterrassen, das jetzt nach und nach bezogen wird, könnte in Göttingen vervielfacht werden. Foto: Geier

Göttingen. Die nun nicht an das Goethe-Institut verkaufte ehemalige Voigt-Schule beschert der Stadt Göttingen weitere Plätze für Flüchtlinge: „Wir werden die Voigt-Schule voll belegen“, sagte Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck am Dienstagabend im Ausschuss für Soziales.

Das bedeutet in Zahlen: Zu den 91 dort bereits untergebrachten Flüchlingen kommen weitere 100 hinzu.

Unter dem Strich bleiben laut Schlapeit-Beck dennoch 400 Plätze, die bis Januar 2016 fehlen werden. Die Stadt bemühe sich deshalb intensiv um das Anmieten von Gewerbe-Immobilien, außerdem prüfe man auch die Belegung eigener Gebäude. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hat vorsorglich schon einmal einen Verkaufsstopp für städtische Immobilien angeordnet.

Ziel sei es, zügig weitere Gebäude zu finden, vor allem auch, um Sporthallen nicht als Notunterkünfte belegen zu müssen, sagte Schlapeit-Beck. Gleichwohl habe man Hallen für eine Notfallbelegung überprüft. Auch die Ausstattung wie Betten und Matratzen sei vorhanden. „Die Sporthallenbelegung wäre der Notanker.“

Für Schlapeit-Beck bieten solche Massenunterkünfte zu wenig Intimsphäre für die dort lebenden Menschen. Auch sei es aus gesundheitlichen Gründen nicht optimal, was sich schon bei der Turnhallenbelegung in den 90er-Jahren während des Balkankrieges gezeigt hat.

Nicht hinnehmbar ist für die Sozialdezernentin, dass Leerstände, wie zum Beispiel 50 Wohnungen eines Immobilienfonds in Grone, nicht angeboten werden. Der Eigentümer weigere sich, an Asylbewerber ohne geklärten Aufenthaltsstatus zu vermieten. „Das Risiko würden wir als Stadt tragen, indem wir Zwischenmieter wären.“

Nach Gesprächen will die Immobilienfonds-Gesellschaft nun wohl zehn von 50 Wohnungen vermieten. „Ich habe aber noch keine Zusage auf dem Tisch“, sagte Schlapeit-Beck am Mittwoch der HNA.

Der Blick der Sozialdezernentin geht bereits über den Januar hinaus: Der Zufluss von Flüchtlingen werde 2016 gleich bleiben. „Wir werden versuchen, Standorte zu finden, um das Projekt Zietenterrassen zu duplizieren. Das ginge schnell, weil die Planungszeit kurz wäre.“ Man benötige mittelfristig fünf Standorte, also den Bau von fünf weiteren Unterkünften, die je etwa 200 Personen fassen würden – wie in dem temporären Neubau auf den Zietenterrassen, der 4,5 Millionen Euro kostete, sich aber durch die Mietzahlungen laut Schlapeit-Beck wirtschaftlich rechne. Dauerhafte Zuschüsse von Land und Bund wären enorm wichtig, so auch ein Baukostenzuschuss.

Zufrieden ist man mit der Lösung IWF-Gebäude, wo am 19. Oktober 150 Flüchtlinge einziehen. Eine Schar von ehrenamtlichen Helfern steht in dem Viertel bereit. Etwa 100 verfolgten die Ausschusssitzung, viele wollen sich in die Betreuung einbringen.

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