Flüchtlinge: Landkreis Göttingen ist an Belastungsgrenze

Mehr als 3500 Flüchtlinge sind zurzeit in Friedland untergebracht: Das Grenzdurchgangslager ist eigentlich nur für etwa 700 Menschen konzipiert. Foto: dpa

Landkreis Göttingen. Der Landkreis Göttingen ist bei der Belastung durch Flüchtlinge an der Grenze. Deshalb fordert Landrat Bernhard Reuter, dass nun andere Regionen Niedersachsens verstärkt Asylsuchende aufnehmen.

Im südlichsten Landkreis hat das Land etwa 5500 Flüchtlinge untergebracht, davon 3500 bis 4000 allein in Friedland. Damit ist die Region besonders stark belastet. Ein Gegenbeispiel: Im Nordwesten Niedersachsens gibt es derzeit noch keine einzige Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Hinzu kommen über 350 Flüchtlinge, für deren Unterbringung der Landkreis zuständig ist. Sie wohnen in der Regel in angemieteten Wohnungen.

Wegen der vielen Flüchtlinge, die in Friedland und dessen Außenstellen untergebracht sind, bekommt der Landkreis eine „Ermäßigung“ bei der Zuweisung von Asylbewerbern durch das Land Niedersachsen. Landrat Reuter machte bei einer Veranstaltung für Kommunalpolitiker in Dransfeld am Mittwoch deutlich, dass sich diese Situation auch ändern könne. Deshalb will der Landkreis einen Wohnungspool aufbauen, um Flüchtlinge schnell unterbringen zu können.

Dabei sollen Gemeinschaftshäuser und Turnhallen für die Flüchtlingsunterbringung gar nicht beziehungsweise nur im äußersten Notfall genutzt werden. Nur so könne man die Akzeptanz von Flüchtlingen in der Bevölkerung sichern, ist sich Reuter sicher. Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik sagt Reuter: „So kann es nicht weitergehen.“

Und zur Situation im Grenzdurchgangslager sagte Reuter: „Das Problem ist nicht der einzelne Flüchtling, sondern es sind in Friedland einfach zu viele.“

Bürgermeister Friedrichs: "Die Stimmung wird schlechter"

Der Flüchtlingsansturm sorgt für Probleme in Südniedersachsen - besonders in Friedland. Hier ein Überblick über die aktuelle Situation im Landkreis Göttingen.

Friedland: Angesichts von 3500 bis 4000 Flüchtlingen im Grenzdurchgangslager sagt Bürgermeister Andreas Friedrichs: „Die Stimmung wird schlechter.“ Grundsätzlich lobt der Friedländer Verwaltungschef die Arbeit der offenen Einrichtung. Er weist aber auch auf die fünffache Überlegung hin. Dies führe unter anderem zu langen Wartezeiten beim Essen. Viele Flüchtlinge müssen in Fluren oder unter Treppen schlafen. In der Bevölkerung gibt es laut Friedrichs Angst, dass sich an der Situation nichts ändert.

Rosdorf: In der Nachbargemeinde von Göttingen sind aktuell 200 Flüchtlinge in einer ehemaligen Schule untergebracht, berichtet Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg. Zunächst waren es 400 Flüchtlinge. Inzwischen wird die Turnhalle nicht mehr zur Unterbringung genutzt, die Zahl der Flüchtlinge wurde halbiert. Die verbliebenen Asylbewerber haben dadurch mehr Privatsphäre.

Hann. Münden: In der Drei-Flüsse-Stadt sind derzeit 130 minderjährige Flüchtlinge untergebracht. „Wir versuchen alles, damit sie unsere Kultur, unsere Werte und unsere Normen kennenlernen“, macht Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener deutlich. Aus seiner Sicht bereichern die jungen Leute das Stadtbild in Hann. Münden. Etwa zehn ganz junge Flüchtlinge bekommen schon bald eine spezielle Unterbringung: Sie sollen in eine Pension in den Ortsteil Laubach ziehen und dort intensiv betreut werden.

Duderstadt: 530 Flüchtlinge sind im Hotel Rosenthaler Hof bei Duderstadt untergebracht, davon allein 150 in der ehemaligen Tennishalle. Aber: Sie kann nicht richtig beheizt werden und kommt deshalb für eine Unterbringung über die Wintermonate nicht in Betracht, sagt Annelore von Hof, Erste Stadträtin von Duderstadt. Bis der Winter kommt, muss eine neue Lösung gefunden werden. Um die Sicherheit von spielenden Kindern am ehemaligen Hotel zu erhöhen, wurden zwei Warnschilder aufgestellt. Dort gilt zudem ein Tempolimit von 70 km/h. Von Hof: „Tempo 50 war bei der Straßenbehörde nicht durchsetzbar.“ Demnächst kommen noch unbegleitete junge Flüchtlinge ins Eichsfeld.

Adelebsen: 280 Flüchtlinge haben eine Unterkunft in der früheren Haupt- und Realschule gefunden, die im Sommer ihre Pforten geschlossen hatte. Hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Versorgung. Allerdings müssen die Flüchtlinge etwa fünf Monate auf ihre Entscheidung im Asylverfahren warten, so Bürgermeister Holger Frase. Das sorgt für Langeweile. Abwechslung kommt von Vereinen und Verbänden. Sie organisieren Freizeitangebote.

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