Noch keine Bauanträge gestellt

Flüchtlingsheim: Streit um Gelände auf Zietenterrassen droht

Zietenterrassen: In dem Wohngebiet auf dem ehemaligen Kasernengelände im Göttinger Südosten, will sich die HAWK erweitern (Mitte: bereits bestehendes Gebäude). Die Stadt will hier zeitweise Flüchtlingsunterkünfte bauen. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Bau der geplanten Sammelunterkunft für Flüchtlinge auf den Zietenterrassen birgt Konfliktpotenzial.

Das Gelände will die dort angesiedelte Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) für Erweiterungsbauten nutzen. Die Gemeinschaftsunterkunft für 200 Flüchtlinge (wir berichteten) soll nach den Plänen der Stadt auf dem ehemaligen Kasernen-Exerzierplatz zwischen dem ASC-Sportzentrum und der HAWK-Fakultät Naturwissenschaft und Technik entstehen.

Die HAWK plant dort und unmittelbar gegenüber ihres Hauptsitzes den Bau von Gebäuden für die neuen Studiengänge Gesundheitswesen, die mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) angeboten werden sollen. Außerdem möchte sich das Fraunhofer-Anwendungszentrum erweitern - ebenfalls auf dem Gelände, das für die Flüchtlingsbauten vorgesehen ist.

Prof. Wolfgang Viöl

Bauanträge für die neuen Gebäude sind bislang noch nicht gestellt worden, wie HAWK-Vize-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Viöl sagt. Erst müsse die Finanzierung geklärt sein. Er zeigte sich über das Vorhaben, Unterkünfte für Flüchtlinge bauen zu wollen, irritiert. Schließlich sei ihm von der Stadt signalisiert worden, dass die freie Fläche neben dem HAWK-Standort für Erweiterungen im Hochschul- und Forschungsbereich reserviert sei.

„Uns sind die HAWK-Pläne bekannt“, sagt Oberbürgermeister Rolf-Georg-Köhler (SPD) auf Anfrage. Es habe zu Zeiten seines Vorgängers Gespräche und eine interne Prüfung durch mehrere Fachbereiche gegeben. „ Wir sind dankbar für die Entwicklung des HAWK-Standortes und wollen diese keinesfalls behindern.“

Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) räumte ein, dass die HAWK vorab nicht über das Vorhaben städtische Flüchtlingsunterkünfte informiert wurde. Auch aus ihrer Sicht gibt es mit den Erweiterungsplänen der Hochschule keine Probleme. Für die Flüchtlingsunterkunft werde nur ein Teil des Geländes benötigt. Auf dem übrigen Areal könne die HAWK schon jetzt bauen, so Schlapeit-Beck.

„Wir werden nah an das ASC-Grundstück heranrücken“, ergänzt Köhler. Wie viel Platz letztlich benötigt wird, das sei noch unklar. „Das hängt von der Geschosszahl, der Höhe der Gebäude ab“, sagt Köhler. „Die Flüchtlingsunterkünfte werden auch nur temporär dort stehen.“ Dagmar Schlapeit-Beck spricht von maximal zehn Jahren. Danach stünde die Fläche komplett für die Hochschul-Erweiterung zur Verfügung.

Aus Sicht von Wolfgang Viöl ist dieses Vorgehen der Stadt aber keine optimale Lösung. „Es behindert die Fortentwicklung der Hochschule ganz massiv.“ Um einen guten Standort für Forschung und Lehre zu haben, werde die gesamte Fläche benötigt.

Die ersten Studierenden sollen dort laut Wolfgang Viöl ab dem Wintersemester 2016/17 in den neuen Gebäuden ausgebildet werden.

Für die nächste Woche ist ein Treffen von Vertretern der Hochschulleitung und der Stadt Göttingen geplant.

Hintergrund: Hier sollen die Flüchtlinge untergebracht werden

Die Stadt Göttingen geht davon aus, dass sie 2015 etwa 1000 Flüchtlingen aufnehmen muss. Derzeit sind es etwa 500 im Jahr. Deshalb soll es noch weitere Standorte für Flüchtlingsunterkünfte geben:

• An der Großen Breite sollen zwei Büroetagen zu einem Wohnheim umgebaut werden. Das Projekt ist wohl im Januar abgeschlossen.

• Fünf Flüchtlingsfamilien sollen in der ehemaligen Kindertagesstätte am Maschmühlenweg ein Heim finden.

• In der ehemaligen Voigt-Schule sollen vorübergehend 26 Männer im Erdgeschoss untergebracht werden.

• Sammelunterkünfte soll es auf den Zietenterrassen, an der Jheringstraße sowie - wenn möglich - im ehemaligen Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg entstehen.

• Gespräche gab es mit der Stadt Goslar, die Interesse an der Unterbringung von Flüchtlingen signalisiert hatte. Dort will man maximal zehn Familien aufnehmen. Allerdings muss dazu ein Vertrag mit dem dem Landkreis Goslar geschlossen werden.

• Zudem sollen Flüchtlinge in Wohnungen des Bauvereins in Hann. Münden ziehen. Dazu ist eine Vereinbarung in Vorbereitung.

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