Flüchtlingsunterkunft Wollershausen: Wohnen auf dem Dorf

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Das ehemaligen Mädchen- und Frauenwohnheim in Wollershausen: Hier sind die Flüchtlinge untergebracht. 

Wollershausen. In einer Wohnanlage im 400-Seelen-Ort Wollershausen bei Gieboldehausen sind etwa 120 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten untergebracht.

Zwei Gebäude

Sie wohnen in zwei Gebäuden: Dem ehemaligen Mädchen- und Frauenwohnheim (etwa 90) sowie in einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude (etwa 30), das bereits vorher bewohnt und ausgebaut war.

Wasserschloss

Das eigentliche Wasserschloss Wollershausen, das auch ein beliebtes Fotomotiv ist, wird derzeit nicht genutzt. Das ist aber in Planung. In diesem Jahr soll gemeinsam mit der Gemeinde sowie Tourismusverbänden ein Nutzungskonzept erarbeitet werden. Konkrete Pläne gibt es bislang noch nicht.

Vier-Hektar-Gelände

Das fast vier Hektar große Gelände am Ortsrand von Wollershausen gehört der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachen (GAB), einer hundertprozentigen Tochter des Landkreises Göttingen.

Betreuungsteam

Zum Betreuungsteam gehören unter anderem sechs Dolmetscher, zwei Krankenschwestern sowie vier Reinigungskräfte, ein Fahrdienst und Hausmeister sowie Gärtner. Hinzu kommen zwei Sprachtrainer sowie ein Sporttrainer, die auch an anderen Standorten der GAB tätig sind.

Blick in eines der Zimmer in Wollershausen: Hier wohnen die Geflüchteten. 

Behördengänge

Für Fahrten, insbesondere Behördengänge und Ärztebesuchen, gibt für es Touren nach Duderstadt und Gieboldehausen einen Kleinbus. Allerdings kann der Fahrdienst nicht jede Tour übernehmen.

Thema Einkaufen

Außerdem wird versucht, das Thema Einkaufen anderweitig zu regeln. Da es in Wollershausen mit seinen wenigen Einwohnern selbst keinen Tante-Emma-Laden gibt, stoppt dienstags und donnerstags jeweils am späten Nachmittag ein rollender Supermarkt direkt an der Unterkunft. „Der rollende Laden bleibt so lange, wie die Flüchtlinge einkaufen“, sagt Standortleiter Peter Niebuer.

Abgelegene Lage

Ein weiteres Problem ist die abgelegene Lage Wollershausens: Deshalb gibt es den Fahrdienst. Außerdem erhalten etwa Bewohner, die an Qualifizierungsmaßnahmen (zum Beispiel Integrations- und Sprachkurse) teilnehmen, Monatskarten für den Busverkehr. Diese Angebote zur Weiterbildung sollen ausgebaut werden, damit mit möglichst viele Flüchtlinge in Genuss dieser Kurse kommen.

Kontakt zu Vereinen

Außerdem gibt es engen Kontakt zu den örtlichen Vereinen in Wollershausen. So findet zweimal in der Woche ein Jugend-Fußballtraining in der Turnhalle der Wohnanlage statt, an dem auch Flüchtlingskinder teilnehmen. „Erfolgsrezept für eine Flüchtlingsunterkunft ist die Einbindung im Dorf und das funktioniert in Wollershausen“, sagt Niebuer.

Lotsen-Schulung

Er rät Freiwilligen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen, eine Integrationslotsen-Schulung beim Landkreis zu besuchen. 

Kein schnelles Netz in Wollershausen

Damit die Flüchtlinge Kontakt mit ihrer Heimat halten können, wurde im Herbst ein Vertrag mit der Telekom geschlossen. Damit soll auch im Hauptgebäude freies drahtloses Internet zur Verfügung stehen.

Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude gibt es nach Angaben der GAB seit mehr als einem Jahr, seit dem Start als Notunterkunft, einen Freifunk-Router. Nur der bietet oft leider keine so schnelle Verbindung. Hintergrund: Wollershausen gehört zu den Orten, die noch kein schnelles Internet haben.

Zudem wurden in allen Wohnküchen Fernseher installiert. Diese können das Programm eines arabischen Fernsehsatelliten (Arab-Sat) empfangen. Damit können die meisten gewünschten Programme der Flüchtlinge empfangen werden.

Unterkunft wird von der GAB betrieben

Die gemeinnützige Gesellschaft GAB, die die Unterkunft in Wollershausen betreibt, hat mehr als 100 Mitarbeiter.

Neben der Flüchtlingsbetreuung bietet die gemeinnützige GmbH Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose, Jugendliche und junge Erwachsene an. Außerdem sind mehrere Sozialarbeiter der GAB an Haupt- und Grundschulen tätig. Standorte sind in Göttingen, Hann. Münden, Duderstadt und Wollershausen. Geschäftsführerin ist Magdalene Günther aus Bovenden. (bsc)

Kontakt: GAB, Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen gGmbH, Bahnhofsallee 5, 37083 Göttingen, Tel. 0551/7896500.

www.gab-suedniedersachsen.de

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