Flutschfinger und der Tempel des Todes: Ralf Schmitz begeistert

Auf Opfersuche: Ralf Schmitz im Gespräch mit Zuschauern bei seiner Live-Show „Schmitzenklasse“ in der ausverkauften Stadthalle Göttingen. Foto: Eriksen

Göttingen. Witzig waren die vorbereiteten Szenen der neuen Live-Show von Ralf Schmitz schon, der jetzt in der Göttinger Stadthalle zu Gast war. Die Show heißt doppeldeutig „Schmitzenklasse“. Zum einen ist der Titel nach seiner eigenen Auslegung, ohne störende Bescheidenheit, die Steigerung von „Spitzenklasse“. Zum anderen weist er auf das durchgehende Thema Schule und Unterricht früher und heute hin.

Die größte Stärke des Comedians liegt im Improvisieren. Eine Kunst ist es auch, die richtigen Zuschauer als Partner auszusuchen. Der 42-Jährige hat während seiner jahrelangen Live-Tourneen einen Blick dafür entwickelt und nutzte Geplänkel zwischen den ersten Reihen, um seine „Opfer“ zu finden.

Zweitens erfasst er blitzschnell jede Eigenheit oder Unsicherheit der Ausgewählten – wie den Knoblauch-Atem einer Frau – und nutzt sie bis zum Ende der Show. Erstaunlich, wie viele Details und Namen er behält und wie er sie immer wieder geistesgegenwärtig einzubauen versteht. Dabei spricht er manchmal rasend schnell. Hinzu kommt sein ansteckendes Lachen.

Etwas Schadenfreude mischte sich in das Gelächter des Publikums in der ausverkauften Stadthalle. Man war froh, nicht selbst auf der Bühne zu stehen und die Steilvorlagen zu Späßen und Kalauern zu liefern. Aber auch, wenn Schmitz seine Darsteller manchmal ein wenig auslieferte, man konnte es ihm bei seinem spitzbübischen Charme nicht übel nehmen.

Der Draht zu den Besuchern, von denen etliche mehrere Stunden Anfahrt auf sich genommen hatten, war vom ersten Sprung des Künstlers auf die Bühne da. Der Kontakt wurde noch ausgebaut, wenn er sich etwas zurufen ließ, wie einen Titel für einen Action-Film. Schmitz entschied sich für „Flutschfinger und der Tempel des Todes“. Zwei Männer sollten mit agieren, durften aber nur jeweils zwei zufällig ausgesuchte Sätze sagen. Schnell zeigte sich, wie schwer es ist, keine spontanen Äußerungen zu machen. Schmitz tat so, als würde er die Geduld verlieren, schimpfte gestenreich, und die Halle tobte vor Lachen.

Wohltuend entspannt, obwohl das Durch-den-Kakao-Ziehen nicht fehlte, war das Interview mit einem Ehepaar. Daraus wurde ein Aus-dem-Stand-Musical zu Live-Piano-Begleitung, und der Comedian brillierte stimmlich. Zum Brüllen war die Zugabe, als der geniale Improvisations-Profi eine Puppe mimte.

Anscheinend kennt Ralf Schmitz keine Müdigkeit. Die Pause abgerechnet, war er volle zwei Stunden auf der Bühne und am Mikro, hoch konzentriert und schlagfertig. Trotzdem nahm er sich nach einer kleinen Verschnaufpause Zeit, im Foyer die lange Schlange von Zuschauern abzuarbeiten, die ein signiertes Starfoto begehrten. Fazit: Einfach ein vergnüglicher Abend.

Von Anne-Lise Eriksen

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