Historisches Colloquium gibt Stellungnahme zum Verhalten des Studentenwerks

Forderung: Mehr selbstverwaltete Wohnprojekte für Studierende

Selbstverwaltetes Studentenwohnheim mit Tradition: Das Historische Colloquium in Göttingen im Kreuzbergring 81. Foto: Kopietz

Göttingen. Das Historische Colloquium beobachtet mit Sorge die Entwicklung rund um die selbstverwalteten Wohnhäuser des Studentenwerks Göttingen und der Humboldtallee 9 und fordert das Studentenwerk zu einem Umdenken und zu Verhandlungen auf.

Das Studentenwerk wolle den Kollektivmietvertrag der Dachgeschoss-Wohngemeinschaft der Humboldtallee 9 in Einzelmietverträge umwandeln, ohne dies mit der Hausgemeinschaft abzustimmen. „Dieses Vorgehen ist zutiefst fragwürdig“, teilt die namentlich nicht bekannte Vorsitzende des Historischen Colloquiums mit. „Aus unserer Sicht versucht das Studentenwerk so bestehende, funktionierende Strukturen zu zerstören.“

Verein gründen

„Seit mehreren Jahren müssen wir leider immer wieder zusehen, wie selbstverwaltete Wohnräume durch das Studentenwerk bedroht werden.“ Viele selbstverwaltete studentische Wohnhäuser seien ein Zeugnis von Wohnraumkämpfen der 70er und 80er- Jahre in Göttingen und wurden erst daraufhin durch das Studentenwerk übernommen, um langfristig Wohnraum für Studierende zu erhalten. Aus Sicht des Historischen Colloquiums steht das Studentenwerk daher auch historisch in der Pflicht, selbstverwaltete Projekte zu unterstützen. Den Vorschlag der Humboldtallee 9, einen Verein zu gründen und dadurch die Hausstruktur zu erhalten, halten wir für den besten Weg“, heißt es in einer Stellungnahme.

Leider passiere das Gegenteil: Gemeinschaftlich gelebte Selbstverwaltung werde, wie in der Humboldtallee 9, zugunsten von anonymen Wohnformen zurückgedrängt. „Wir fordern das Studentenwerk auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kommen.“

Der Versuch des Studentenwerks, Erasmus-Studierende gegen die funktionierende Wohngemeinschaft auszuspielen, sei einem studentischen Austausch wenig förderlich. Eine wirkliche Lösung des Wohnraummangels bestehe nur in der Schaffung von neuem.

Stichwort: Historisches Colloquium

Das Historische Colloquium in Göttingen ist besonderes Haus. Es gehört zu den deutschlandweit ersten selbstverwalteten studentischen Wohnprojekten.

Seit mehr als 60 Jahren fördert das HC am Kreuzbergring 81 studentisches, selbstverwaltetes Wohnen und Leben sowie studentische BildungSelbstverwaltung, die Suche nach Freiheit und etwas Neuem standen im Vordergrund der Bemühungen, als 1951 das seinerzeit einzigartige studentische Wohnprojekt gegründet wurde.

Im Göttinger Verlag „Die Werkstatt“ ist ein Buch zum Thema erschienen: Das Historische Colloquium in Göttingen: „Die Geschichte eines selbstverwalteten studentischen Wohnprojektes seit 1952“, 128 Seiten, 11,90 Euro: Die Erzählungen ehemaliger Bewohner aus fünf Jahrzehnten zeigen die Entwicklung von studentischem Wohnen und -Leben und bieten Einblicke in die unterschiedliche Umsetzung von Selbstverwaltung.

Dabei geht es um die Entstehung und Entwicklung des Hauses, den Alltag im Haus und an der Uni, um die politischen Positionen zwischen strikter Abgrenzung von autoritären und rechtsextremen Konzepten in den ersten Jahren über die Studentenbewegung bis zur autonomen Bewegung der 80er und 90er Jahre. (tko/mtg)

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