Forscher entdecken fossile fleischfressende Pflanze

Eingeschlossen in Bernstein: Ein Forscherteam unter Beteiligung der Universität Göttingen hat diese fossile fleischfressende Pflanze entdeckt. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Ein Forscherteam der Universitäten Göttingen, Bielefeld und der Botanischen Staatssammlung München hat die weltweit ersten fossilen Klebfallen einer fleischfressenden Pflanze entdeckt.

Damit schließt sich eine Wissenslücke. Bei der Entdeckung handelt es sich um zwei mit Drüsen bedeckte Blättchen, die in einem Stück Baltischen Bernsteins eingeschlossen sind. Sie stammen aus einem Tagebau bei Kaliningrad in Russland und sind etwa 35 bis 47 Millionen Jahre alt. Bisher beschränkte sich der fossile Nachweis karnivorer Pflanzen auf Samen und Pollen von Sonnentaugewächsen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ erschienen.

Doktorandin Eva-Maria Sadowski

Baltischer Bernstein gehört zu den weltweit größten Bernsteinlagerstätten und enthält neben vielen tierischen Einschlüssen auch pflanzliche Fossilien. Diese aus der Epoche des Eozän stammenden Pflanzenfossilien untersucht die Doktorandin Eva-Maria Sadowski von der Abteilung Geobiologie der Universität Göttingen, um die Pflanzenwelt der damaligen Zeit zu rekonstruieren. Dabei entdeckte sie zwei karnivore Pflanzenblättchen.

„Auffällig sind die mehrzelligen Drüsen mit langem Stiel, die sogenannten Tentakeln, die die Blattunterseite und die Blattränder der Fossilien bedecken“, erläutert Eva-Maria Sadowski. Diese Tentakeln und weitere Details entsprechen den Klebfallen der fleischfressenden Taupflanze Roridula, die heute nur an wenigen Stellen in Südafrika vorkommt. Die hohe Effektivität der Klebfallen von Roridula geht auf die unterschiedlichen Längen ihrer Tentakeln zurück, die sich in Größenklassen aufteilen lassen.

Prof. Dr. Alexander Schmidt

Die fossilen Klebfallen geben einen Einblick in die evolutionäre Geschichte karnivorer Pflanzen. Ursprünglich wurde angenommen, dass die Vorfahren von Roridula vor etwa 90 Millionen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent entstanden sind und sich dort durch das Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinents isoliert entwickelten. „Durch den neuen Fossilfund konnten wir nachweisen, dass die Vorfahren heutiger Roridula-Pflanzen noch bis vor 35 Millionen Jahren auf der Nordhemisphäre vorkamen und nicht auf Südafrika beschränkt waren“, sagt Professor Dr. Alexander Schmidt. Er ist Paläontologe an die Uni Göttingen und Leiter der Studie. (bsc)

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