Forscherinnen-Duo: Sind Affen so zielgerichtet wie Menschen?

Psychologin, Humboldt-Preisträgerin: Alexandra Freund.

Göttingen. Ticken Affen wie Menschen, wenn es um die Verfolgung von Zielen und daraus resultierenden sozialen Veränderungen geht? Dieser Frage und der Rolle des Alters dabei gehen zwei Forscherinnen in einem Projekt des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) Göttingen nach, das jetzt startet.

Die Professorinnen kennen sich und wollen nun ihre Erfahrungen zusammenbringen: Alexandra Freund, Humboldt-Preisträgerin 2015 aus Zürich, als Expertin für die Entwicklungspsychologie des Menschen, und Julia Fischer, die bekannte Verhaltens- und Affen-Forscherin sowie Buchautorin aus Göttingen.

Im Fokus steht die Theorie, das Menschen ihre Entwicklung aktiv durch die Auswahl und das Verfolgen von Zielen beeinflussen, sei es kurzfristig, wie bei dem Bestehen von Prüfungen oder langfristig durch den Hausbau und die Familiengründung. Vom Erreichen oder Scheitern der Zielvorgaben hängt wiederum auch die Entwicklung der sozialen Bindungen wie Partner- und Freundschaften ab.

Wie Alexandra Freund betont, ist das Setzen persönlicher Ziele bei Menschen davon abhängig, welche Ressourcen zur Verfügung stehen. Zeit und Gesundheit, also auch das Alter, spielen dabei eine wichtige Rolle. Junge Menschen seien daher mehr auf Gewinnmaximierung, Menschen mittleren Alters auf die Sicherung des Erreichten und Ältere eher auf starke Sozialbindungen und das Vermeiden von Verlusten aus, sagt Alexandra Freund. „Menschen mit Anfang 20 sind körperlich leistungsfähiger, weniger ausgelastet und haben eine andere Zeitperspektive als ältere Menschen und daher andere Zielvorstellungen.“

Julia Fischer möchte erfahren, ob auch Affen abhängig vom Alter Ziele verfolgen und welche Auswirkungen daraus für das Sozialverhalten resultieren: „Wir wollen untersuchen, ob Affen, ähnlich wie Menschen, zwischen dem Gewinn beim Erreichen eines Zieles und der Verlustminderung unterscheiden.“

Wenn Freunds Beobachtungen beim Menschen auch auf Affen zutreffen sollten, dann müssten ältere Tiere sich eher darauf konzentrieren, Ressourcen wie den sozialen Status in der Gruppe zu erhalten. Das würde sich laut Fischer auch auf die Auswahl der sozialen Partner auswirken.

Aufschluss darüber sollen die Verhaltensstudien im Feld geben. Beobachtet werden die Guinea-Paviane in der Freilandstation des DPZ im Senegal und die Berberaffen im südfranzösischen Affenpark in Rocamadour.

In einem Jahr wissen Alexandra Freund und Julia Fischer mehr, dann sollen erste Ergebnisse darüber vorliegen, ob Ziele im Leben von Affen eine ähnlich bedeutende Rolle wie beim Menschen spielen.

Von Thomas Kopietz

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