Fragen und Antworten: Diskussion um Verkaufsfläche für Möbelriesen in Göttingen

Hier sollen die beiden Möbelhäuser an der Autobahn 7 bei Göttingen entstehen: Auf der anderen Seite der wichtigen Fernstraße in der Kauf-Park zu finden. Archivfoto: Rampfel

Göttingen. Spannung verspricht die nächste Sitzung des Göttinger Bauausschusses am Donnerstag, 7. April. Dabei soll über die Größe der innenstadtrelevanten Verkaufsflächen der beiden geplanten Möbelhäuser an der Bundesstraße 3 beraten werden.

?Warum ist das Thema so wichtig?

!An der Dransfelder Straße wollen sich die Möbelmärkte XXXL und Poco ansiedeln - Gesamtverkaufsfläche 33 000 Quadratmeter (etwa vier Fußballfelder). Möbelhändler in der Region Südniedersachsen befürchten, dass sie bei dieser großen Konkurrenz - insbesondere durch das Großunternehmen XXXL - in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten könnten.

?Was schlägt die Verwaltung vor?

!Bislang ist das „innenstadtrelevante Sortiment“ außerhalb von Innenstadt, Lutteranger und Kauf-Park auf 800 Quadratmeter Verkaufsfläche beschränkt. Die Verwaltung schlägt vor, am neuen Standort 3300 Quadratmeter, knapp ein halbes Fußballfeld, zuzulassen. Dort könnten dann Wohneinrichtungsartikel und Heimtextilien verkauft werden.

?Warum ist der Verkauf von Artikeln aus dem Innenstadt-Sortimente für große Möbelhäuser so wichtig?

!Neben Möbeln werden auch immer mehr andere Produkte verkauft. Sie sind inzwischen zu einem wichtigen Umsatzbringer geworden und praktisch unverzichtbar.

?Wie positioniert sich die SPD zu dem Thema?

!Die Sozialdemokraten, die zusammen mit den Grünen die Mehrheit im Rat haben, sprechen sich auf eine Begrenzung der zentrumsrelevanten Sortimente auf 1950 Quadratmeter aus. „Wir sprechen uns weiterhin für ein Möbelhaus im Westen der Stadt am bisher schon vorgeschlagenen Standort aus“, sagt Ratsmitglied und Bauausschussvorsitzender Christian Henze. „Den breit formulierten Befürchtungen der im Einzugsgebiet liegenden Mittelzentren soll damit Rechnung getragen werden“, ergänzt Fraktionschef Frank-Peter Arndt mit Blick auf den SPD-Vorschlag. Es gibt aber auch kritische Stimmen in den Reihen der SPD. Die Frage ist, ob diese Stimmen laut werden?

?Gibt es schon Äußerungen von der CDU?

!Ja. CDU-Ratsmitglied Hans Otto Arnold verweist auf das 2005 verabschiedete Einzelhandelskonzept, das mit kleinen Änderungen bis heute besteht. Es tariert nach Ansicht des stellvertretenden Bauausschussvorsitzenden die drei Hauptstandorte Innenstadt, Lutteranger und Kauf-Park gut gegeneinander aus. Die Politik sei in all den Jahren nicht umgefallen. „Würde das aber nun nach elf Jahren tatsächlich tun - wenn jetzt die ,Lex XXXL‘ eine Mehrheit fände.“

?Was sagen die Piraten zu dem Thema?

!Die Piratenpartei setzt sich dafür ein, die Fläche für innenstadtrelevantes Sortiment bei 800 Quadratmetern zu belassen. „Der lokale Einzelhandel in der Innenstadt muss gegen die Konkurrenz von Großkonzernen geschützt werden. Für jeden beliebigen Großmarkt Ausnahmen zu beschließen setzt das falsche Zeichen“, sagen die Piraten, die gegen die XXXL-Ansiedlung sind.

?Wie äußert sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu der Thematik?

!Die IHK hält es für nicht zulässig und auch unfair, wenn eine Ausnahme allein für einen Standort geschaffen werden soll. „Bereits angesiedelte Unternehmen mussten sich den bestehenden Regeln ebenfalls unterwerfen und wurden dabei teils sehr restriktiv behandelt“, heißt es in einer Stellungnahme. Außerdem kritisiert die Kammer, dass umliegende Kommunen und weitere Träger öffentlicher Belange nur unzureichend beteiligt wurden. Fazit der Kammer: „Die Dimensionierung des Gesamtprojektes müsse aus Sicht der IHK noch einmal überdacht werden.“

?Warum muss sich der Ausschuss mit der Angelegenheit befassen?

!Er bereitet das Thema für die endgültige Beschlussfassung im Rat vor. Dort werden die einzelnen Argumente abgewogen. Die öffentliche Sitzung beginnt am 7. April um 16.15 Uhr im Sitzungssaal 118 des Neuen Rathauses in Göttingen.

?Wie soll es anschließend weitergehen?

!Nach dem derzeitigen Fahrplan der Stadtverwaltung soll der Rat in seiner Sitzung am Freitag, 15. April, über das Einzelhandelskonzept abschließend entscheiden. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 16 Uhr im Ratssaal im Neuen Rathaus.

Hintergrund: Innenstadtrelevante Sortimente

Zu den innenstadtrelevanten Sortimenten gehören beispielsweise Elektrokleingeräte und Zubehör, Glas, Porzellan, Feinkeramik, Haushaltswaren, Schneidwaren und Bestecke, Kunstgewerbe, Bilder, Bilderrahmen, Wohneinrichtungsartikel sowie Antiquitäten.

Ein weiterer Bereich sind Heimtextilien, Dekostoffe, Gardinen sowie Haus-, Bett- und Tischwäsche. (bsc)

Von Bernd Schlegel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.