Selbstverteidigungs-Workshop

Frauen befreien sich aus dem Würgegriff

So halten sich Frauen Angreifer vom Leibe: Eine Teilnehmerin des Selbstverteidigungs-Workshops in Billingshausen wehrt einen „Angriff“ des Eurotrainers Martin Wietschorke ab. Foto: Lawrenz

Billingshausen. „Vereine helfen Vereinen“ - das haben Schützenverein Billingshausen und Modern Self Defence Organization (MSDO) Northeim bewiesen. Die Einnahmen aus einem Selbstverteidigungs-Workshop für Frauen kommen dem Billingshäuser Schützenhaus zugute.

„Es geht um die Erhaltung des Schützenhauses“, erklärt Bernd Hospes vom Vorstand der Schützen. Denn dort liege vieles im Argen. Feste konnten in dem Traditionshaus schon lange nicht mehr gefeiert werden.

Als Mitglied der Selbstverteidigungs-Truppe hatte Hospes die Idee zu dem Workshop. Dass Vereine Vereinen helfen können, war für die acht Trainer der entscheidende Antrieb. Sie verzichteten auf ihr Honorar von insgesamt rund 550 Euro. Damit der Bitrag nicht geschmälert wird, spendete der Vorstand des Schützenvereins die Verpflegung für den Workshop. Wenn für das schon teilsanierte Dach weitere Mittel erforderlich sind, soll das Geld dort eingesetzt werden. Auch innen soll das Haus weiter aufgepeppt werden, sagt der Vorsitzende der Billingshäuser Schützen, Ingo Mey. Immerhin sei der Verein schon so weit, dass er das Schützenhaus vermietet könne: Im November wird dort ein Geburtstag gefeiert.

In der Selbstverteidigung gehe es darum, sich aus einer unschönen Situation zu befreien, stellt Martin Wietschorke als Eurotrainer für Selbstverteidigung klar. Dazu gibt der Großmeister mit dem zehnten Dan den Frauen einen kurzen Abriss über die rechtlichen Gegebenheiten. „Halbherzigkeit ist nicht zielführend. Alles was ihr macht, müsst ihr auch wollen.“ Ohne Muskelkater werde der Kurs nicht ausgehen, warnt er die 19 Frauen von der Teenagerin bis zur Mitfünfzigerin.

Blick ist geschärft 

Schon nach einer Stunde ist ihr Blick geschärft. Immer sicherer fixieren sie ihren Trainer, immer entschlossener werden ihre Schritte, gezielter ihre Schläge. An den Schultern des Gegners könne man erkennen, welche Seite zuerst angreife, gibt Wietschorke einen wichtigen Tipp. „Die Augen verraten uns, wann es losgeht.“ Schritt für Schritt lernen die Frauen, wie sie sich aus dem Würgegriff befreien oder sich retten, wenn sie schon am Boden liegen. Weil die Trainer mit Tiefschutz gewappnet sind, können die Kämpferinnen drastisch werden. Von anfänglicher Zurückhaltung ist bald nicht mehr viel zu spüren.

Für die Kampfkünstler genau richtig, betont Wietschorke: Denn wenn Frauen sich verteidigen wollen, müssen sie schnell sein. (zul)

Hintergrund 

Modern Self Defence (MSD) zählt nicht zu den Kampfsportarten, sondern ist ein reines Selbstverteidigungssystem, das darauf zielt, einen Angreifer schnellstmöglich außer Gefecht zu setzen. Der Northeimer Eurotrainer Martin Wietschorke war federführend bei der Entwicklung des Systems Es bedient sich aller möglichen Kampfstile wie Judo, Ju-Jutsu, Kick- und Thaiboxen. Die wirkungsvollsten Techniken wurden neu kombiniert, um auf Angriffe effektiv reagieren zu können. Eines der wichtigsten Ziele von MSD ist, dem Schüler ein gestärktes Selbstwertgefühl und sicheres Auftreten zu vermitteln. Das Selbstverteidigungssystem wird unter anderem bei Behörden, in der Bundeswehr und in Vereinen gelehrt. (zul)

Von Ute Lawrenz

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