Wo fremde Pflanzen gedeihen - Göttinger Biologen beobachten die Flora

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Blühende Herkulesstauden, auch als Riesen-Bärenklau bekannt: Diese Pflanze stammt aus dem Kaukasus und wurde wegen ihrem wirtschaftlichen Nutzen in Deutschland verbreitet.

Göttingen. Herkulesstaude und japanischer Staudenknöterich sind nur zwei der mindestens 13.168 Pflanzenarten, die sich durch den Menschen außerhalb ihres Lebensraumes verbreiten.

Etwa jede 30. Pflanze auf der Welt ist durch den Menschen auf einen anderen Kontinent eingeschleppt wurden.

Die wissenschaftliche Erhebung gibt nun erstmalig eine Übersicht über die vom Menschen verursachte Ausbreitung von Pflanzenarten auf andere Kontinente. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der amerikanischen Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Während des vierjährigen Forschungsprojekts sammelten die Biologen regionale Listen von eingeführten Pflanzen auf der ganzen Welt und führten sie in einer globalen Datenbank „GloNAF“ (Global Naturalized Alien Flora) zusammen. An dem Projekt sind auch Prof. Dr. Holger Kreft und Dr. Patrick Weigelt von der Free Floater-Nachwuchsgruppe Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen beteiligt.

„Die große Zahl eingebürgerter Pflanzenarten auf Inseln ist besonders besorgniserregend, weil sie dort wegen vieler freier Nischen leichtes Spiel haben und die endemischen Arten zunehmend verdrängen“, berichtet Prof. Kreft. Die Göttinger Wissenschaftler forschen zur biologischen Vielfalt von Pflanzen auf Inseln und haben zu der Studie Daten zu zahlreichen Inselfloren beigetragen.

Die Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln decken rund 83 Prozent der Landoberfläche der Erde ab. „Mit dieser Datengrundlage können wir nun beginnen, stärker Fragen nach den biologischen Zusammenhängen zu stellen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Mark van Kleunen. Diese Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung ein weltweites Phänomen geworden ist - mit oftmals unabsehbaren Auswirkungen auf heimische Arten, aber auch auf Land- und Forstwirtschaft. Diese Daten könnten auch dazu genutzt werden, um Vorhersagen zu treffen, welche Arten in welchen Gebieten dominant werden könnten.

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