Flüchtlinge aus Tunesien bekommen in Friedland erste Eindrücke von Deutschland

Flüchtlinge aus Libyen in Friedland: Zwischen Wüste und Berlin

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Zuversichtlicher Blick in die Zukunft: Familie Osman mit (von links) Vater Abubaker Ali (54), Sohn Muhsin (11), Mutter Saada Haji (40), Sohn Mohamed (21), dahinter Nesthäkchen Aayah (6), vorn Alaa (7), dahinter Asma (23), rechts Ahmed (19).

Göttingen. Sein halbes Leben lang hat der gebürtige Somalier Abubaker Ali Osman (54) in Libyen gelebt und gearbeitet. Dort hat er seine Frau Saada Haji Abdirahman (40) geheiratet, dort sind alle sechs Kinder des Paares zur Welt gekommen. Doch wegen des Bürgerkrieges musste die Familie fliehen.

Über Tunesien kam sie vorige Woche ins Grenzdurchgangslager Friedland. Dort bekommen die Osmans erste Eindrücke von ihrer neuen Heimat.

Familie Osman gehört zu 172 afrikanischen Resettlement-Flüchtlingen aus Libyen, die nach Friedland kamen. Nächste Woche werden sie auf mehrere Bundesländer verteilt. Osmans ziehen in die Hauptstadt Berlin.

Obwohl die achtköpfige Familie in Friedland mit zwei spärlich möblierten Zimmer vorlieb nehmen muss, ist sie glücklich, dem Flüchtlingslager Choucha in der tunesischen Wüste entronnen zu sein. Dort lebten die Osmans seit August 2011: „Das waren sehr schlimme Verhältnisse“, klagt der Familienvater.

In Friedland dagegen sei alles gut. Die Flüchtlinge bekommen Deutschunterricht, erste Informationen über das Leben in Deutschland und „sehr gutes Essen“, wie sie loben. Der kalte deutschen Winter steht ihnen allerdings noch bevor...

Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Hannover war Abubaker Ali Osman schwer beeindruckt von einer kleinen Geste: „Der Minister hat meiner Frau die Tasche getragen.“

Studium in Libyen

Nachdem sie bis zum Bürgerkrieg in Libyen ein gutes Leben hatten, hoffen Osmans, dass sie jetzt in Deutschland schnell zurecht kommen. Vater Abubaker Ali ist Ingenieur und war Dozent an der Universität von El Juffra 650 Kilometer südlich von Tripolis. Die älteste Tochter Asma (23) studierte Medizin, ihr Bruder Mohamed (21) Bauingenieurwesen und der 19-jährige Ahmed Elektroingenieurwesen. Die jüngeren Geschwister Muhsin (11), Alaa (7) und Aayah (6) gehen noch zur Schule.

Jetzt freut sich Familie Osman auf Berlin und beschreibt ihre Wünsche an die Zukunft: „Wir wollen die Sprache lernen und unser Studium beenden. Wir hoffen auf ein gutes Leben in Deutschland.“

Hintergrund: Resettlement-Flüchtlinge in Friedland

Deutschland hat sich im Rahmen des EU-Resettlement-Programms verpflichtet, von 2012 bis 2014 jährlich 300 Flüchtlinge aus humanitären Gründen dauerhaft aufzunehmen. Die ersten 172 Personen kamen am 3. September nach Friedland.

Die Flüchtlinge, unter ihnen 40 Kinder, stammen aus Somalia, Eritrea, Äthiopien, aus dem Sudan und weiteren afrikanischen Ländern. Sie lebten in Libyen, mussten im Bürgerkrieg aber nach Tunesien flüchten, wo sie im Lager Choucha untergebracht waren. Nach zwei Wochen in Friedland werden sie auf mehrere Bundesländer verteilt. 28 bleiben in Niedersachsen.

Im Oktober erwartet Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer in Friedland 100 weitere Resettlement-Flüchtlinge aus dem Irak. (p)

Von Christoph Papenheim

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