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Bündnis kritisiert inhaltliche Ausrichtung des Heimkehrer-Denkmals im Landkreis Göttingen

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Von: Thomas Kopietz

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Monumental: Das 1967 errichtete Heimkehrerdenkmal in Friedland erinnert an die getöteten Deutschen im 2. Weltkrieg und die bis 1955 zurückgekehrten Kriegsgefangenen – nicht an die Opfer des Nationalsozialismus.
Monumental: Das 1967 errichtete Heimkehrerdenkmal in Friedland erinnert an die getöteten Deutschen im 2. Weltkrieg und die bis 1955 zurückgekehrten Kriegsgefangenen – nicht an die Opfer des Nationalsozialismus. © Thomas Kopietz

Das Heimkehrer-Denkmal bei Friedland stand wegen einer Kundgebung und Gegendemo ungewollt im Mittelpunkt. Nun kritisiert das Bündnis „Friedland ist bunt“ Denkmal und Inschriften.

Friedland/Moringen – Vergangenen Samstag (20.08.2022) stand Friedland (Landkreis Göttingen) und das Heimkehrer-Denkmal hoch oben auf dem Hügel und über dem Ort im Mittelpunkt. Ungewollterweise, denn die als rechtsextrem und nationalkonservativ eingeschätzte Vereinigung „Aufbruch Heimat“ hatte wie alljährlich zur Kundgebung aufgerufen. 16 Teilnehmer waren dabei.

Das Bündnis „Friedland ist bunt“ aktivierte gut 200 Bürger und Politiker zur Gegendemo. Wenige Tage nach dem Rechten-Treffen üben Bündnis-Sprecher Kritik – auch an dem Denkmal und Inschriften.

„Inhaltliche Ausrichtung“ steht in der Kritik

Im Fokus der Kritiker steht die „inhaltlichen Ausrichtung“ des Heimkehrer-Denkmals in Friedland. „Die Inschriften auf der Gedenkstätte verschwiegen den Ursprung und die Verantwortung für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und benennen die eigentlichen Opfer des Nationalsozialismus nicht.“ Damit sei die Gedenkstätte „durchaus anschlussfähig für rechtsextreme Ideologien“.

Das vom Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands beauftragte Denkmal auf dem Hagenberg in Friedland wurde 1967 eingeweiht. Es besteht aus vier 28 Meter hohen, stelenartigen Betonsegmenten und Tafeln mit den Inschriften. Die Anregung zum Bau kam vom ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU).

Erinnern an deutsche Tote, Gefangene und Vertriebenen des Zweites Weltkriegs

Die Beton-Stelen erinnern ausschließlich an die deutschen Toten, Gefangenen und Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs. Das nahe gelegene Grenzdurchgangslager Friedland hatte nach Kriegsendende vorübergehend Hunderttausende ehemalige Kriegsgefangene und wohnungslose Menschen aufgenommen.

Heute ist es eine zentrale Aufnahmestätte des Landes Niedersachsen für Spätaussiedler, Flüchtlinge und Asylsuchende.

„Wir sehen den klaren Bedarf an der Aufarbeitung der Aussage des Denkmals“, sagt Renate Schmalfuß vom Bündnis. „Wir hoffen, in Zukunft dazu mit verschiedenen Akteuren ins Gespräch kommen zu können“.

Denkmal soll „öffentlich sichtbare Kontextualisierung“ erfahren

„Das Heimkehrer-Denkmal in Friedland ist ein symbolisch aufgeladener Ort“, sagt denn auch der Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, Dietmar Sedlaczek. Es sei in den 1950er Jahren geplant worden, „in einer Zeit, als sich die Mehrheit der Deutschen für vieles interessiert hat, aber nicht für eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Opfer von Holocaust und Konzentrationslagern sucht man hier vergeblich“.

Sedlaczek forderte die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, „dafür Sorge zu tragen, dass das Heimkehrer-Denkmal endlich eine „öffentlich sichtbare Kontextualisierung“ erfährt. (Thomas Kopietz/epd)

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