300 Menschen kamen in die Mehrzweckhalle

Bürger-Info zum Lager Friedland: Menschen machen ihrem Unmut Luft

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Bürgerfragestunde zum Thema Flüchtlinge Friedland: Einige Bürger nutzten die Chance, um Fragen zu stellen und ihrem Unmut Luft zu machen.

Friedland. Das Grenzdurchgangslager Friedland ist hoffnungslos überfüllt. Am Dienstagabend ging es in einer Bürger-Info um die damit verbundenen Sorgen und Nöte – auch der Bürger.

Mehr als 300 Menschen kamen in die Mehrzweckhalle. Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs, der schon vor Wochen beklagt hatte, dass die Grenze der Belastbarkeit überschritten sei, äußerte sein Unverständnis darüber, dass kein Vertreter der für das Erstaufnahmelager Friedland zuständigen Landesregierung erschienen sei.

Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer berichtete, dass in dem Lager, das für 750 Flüchtlinge ausgerichtet ist, nun 3500 Menschen betreut werden, für die es keine Unterrichts- oder Gemeinschaftsräume gibt. Sie müssen auch in den Verwaltungsräumen, auf Fluren oder in Zelten schlafen und sowohl bei der Essensausgabe als auch bei Behördengängen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Die meisten Flüchtlinge freuen sich zwar darüber, endlich in Sicherheit zu sein, sind aber nach langer Anreise oft angespannt und nicht gerade glücklich über die beengten Verhältnisse“, beschrieb er die Grundstimmung im Lager.

„Ein Kuh, die man melkt, kann man auch kaputt melken“, sagte Ortsbürgermeister Wilfried Henze. Dass die Stimmung in seinem 1800-Einwohner-Dorf bei der enormen Zahl von Flüchtlingen nicht die beste ist, sei verständlich. „Wir möchten wieder normale Verhältnisse, dann steht die Bevölkerung auch wieder uneingeschränkt hinter dem Lager.“

„So kann es nicht weitergehen“ lautete der Grundkonsens der Runde. Antworten auf die Frage, was zu tun ist, konnte aber niemand wirklich geben. Und nachdem sich die Besucher eine Stunde lang diszipliniert die von vielen als „Talkshow“ empfundene Gesprächsrunde angehört hatten, machten sie schließlich ihrem Unmut Luft. „Die Art und Weise, wie angesichts der Situation mit den Flüchtlingen umgegangen werden muss, entspricht nicht dem, wie wir uns das vorstellen und es uns wünschen“, forderte etwa Reinhard Dickehut „umgehend Hilfe für Entlastung“.

Andere beschrieben ihre Angst vor Krankheiten: „Im Supermarkt fassen Flüchtlinge, die noch nicht medizinisch untersucht wurden, Gemüse an, das ich dann in meinen Salat schnippele.“ Manche berichteten über Probleme mit Dreck und Kot im Gebüsch. Wieder andere beklagten sich über geplünderte Obstbäume. Zwei Frauen äußerten ihre Angst um die eigene Sicherheit und die ihrer Kinder.

Einen schweren Stand hatte Axel Kerschnitzki. Auf den Vorwurf, die Polizei sei nie zu erreichen, wenn man sie brauche, musste der Leiter der Dienststelle Friedland eingestehen, dass nachts nur ein Streifenwagen verfügbar ist. Der ist für drei Gemeinden inklusive dem Lager zuständig.

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