7200 Neuankömmlinge 2018

Erneut mehr Spätaussiedler im Grenzdurchgangslager Friedland

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Spätaussiedler im Lager Friedland: Sie werden dort zentral für ganz Deutschland aufgenommen.

Der Zuzug von deutschstämmigen Aussiedlern in die Bundesrepublik hält an. Bis zum Jahresende werden nach Angaben der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen voraussichtlich rund 7200 Menschen aus Ländern der früheren Sowjetunion im Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen eingetroffen sein.

Damit würde die Zahl im sechsten Jahr in Folge steigen. Grund dafür sind nach Behördenangaben Erleichterungen beim Familiennachzug. 2017 waren in Friedland 7134 Aussiedler registriert worden.

Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten kommen jedoch relativ wenige Deutschstämmige in die Bundesrepublik. Im Rekordjahr 1990 waren knapp 400 000 Menschen in Friedland registriert worden. Danach war die Zahl der Aussiedler gut 20 Jahre lang gefallen. 2012 hatte sie mit rund 1800 einen Tiefstand erreicht. Seither hat sich die Zahl kontinuierlich wieder erhöht.

2018 seien vorwiegend junge Familien mit Kindern angekommen, sagte eine Sprecherin der Landesaufnahmebehörde. Die Menschen kommen vor allem aus Russland, der Ukraine und Kasachstan. Für 2019 rechnet die Behörde mit ähnlich vielen Aussiedlern wie in diesem Jahr. Alleine in Kasachstan leben nach Schätzungen noch etwa 160 000 Deutsche. Der auf das Thema spezialisierte Göttinger Historiker Alfred Eisfeld hatte vor einiger Zeit erklärt, viele von ihnen sähen dort für sich keine Perspektive.

Das Grenzdurchgangslager Friedland ist die bundesweit einzige Aufnahmeeinrichtung für Aussiedler. Das Lager hat rund 800 Betten, knapp ein Drittel davon sind für Aussiedler vorgesehen.

Nur zu einem Viertel belegt

Das Lager ist aktuell aber nur zu gut einem Viertel belegt. Am 19. Dezember waren dort 189 Menschen untergebracht, teilte die Landesaufnahmebehörde in Braunschweig auf Anfrage mit. Davon waren 137 Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, 51 Flüchtlinge und ein jüdischer Zuwanderer. Im gesamten Jahr 2018 lebten den Angaben zufolge 10 300 Personen zeitweise in der Einrichtung, mehrheitlich Spätaussiedler.

Als 2015 Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war das für bis zu 700 Bewohner ausgelegte Lager noch fünffach überbelegt. Auch Flure und Gemeinschaftsräume waren damals mit Betten vollgestellt. Teilweise mussten auch externe Räumlichkeiten genutzt werden, um Geflüchtete unterzubringen.

4,5 Millionen Menschen passierten Tor zur Freiheit

Das Lager Friedland wurde im September 1945 auf Anordnung der britischen Armee als erste Anlaufstelle für Flüchtlinge und Vertriebene in Deutschland eingerichtet. In den folgenden Jahrzehnten kamen neben den heimkehrenden deutschen Kriegsgefangenen auch Spätaussiedler sowie Flüchtlinge im Lager an. 2011 wurde Friedland eine der Erstaufnahme-Stellen des Landes Niedersachsen für Asylsuchende. Flüchtlinge aus sogenannten humanitären Aufnahmeprogrammen werden ebenfalls in dieser Einrichtung registriert und dann auf andere Bundesländer verteilt. Das Grenzdurchgangslager nimmt zudem alle in die Bundesrepublik einreisenden Spätaussiedler und jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen UdSSR auf. Insgesamt haben bislang rund 4,5 Millionen Menschen das oft sogenannte Tor zur Freiheit passiert. Mehrere Hilfswerke wie die evangelische Innere Mission und der katholische Caritas-Verband helfen bei der Betreuung der neu Ankommenden. (ana/epd/lni)

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