Nachlass

Fotos dokumentieren die Friedländer Lagergeschichte

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Übergabe: Dr. Christian Paul (links) überrechte den fotografischen Nachlass seines Vaters Fritz an Restauratorin Ewa Kruppa und Museumsdirektor Klaus Engemann. 

Friedland – Das Museum Friedland ist um eine Attraktion reichen. Dr. Christian Paul überreichte den Museumsverantwortlichen den fotografischen Nachlass seines Vaters Fritz, der in diesem Monat 100 Jahre alt geworden wäre.

Fritz Paul war freier Bildjournalist und prägte mit seinen Fotografien jahrzehntelang wie kein anderer die Wahrnehmung des Grenzdurchgangslagers Friedland in den Medien. Der erste Kontakt zum Lager kam bereits 1946 zustande.

Als Angestellter in einem Göttinger Fotofachgeschäft fertigte Paul Repros an, die von Privatpersonen, Flüchtlingen, Vertriebenen und Heimkehrern sowie dem Deutschen Roten Kreuz in Auftrag gegeben wurden. Ab 1948 bis in die 1970er Jahre dokumentierte er dann das Geschehen in Friedland. Zu seinen Motiven zählten unter anderem Lageransichten, Porträts von Kindern und Heimkehrern, Ankunftsszenen von Aussiedlern am Bahnhof sowie Szenen aus dem Lagerleben. Ebenso fotografierte er bedeutende Ereignisse wie den Besuch Konrad Adenauers im Jahr 1954, die „Heimkehr der Zehntausend“ 1955 und die Weihe der St. Norbert-Kirche 1955 sowie die Grundsteinlegung und Einweihung der Gedächtnisstätte auf dem Hagenberg in den Jahren 1966/67.

Fritz Paul arbeitete als freier Bildjournalist für die lokale Göttinger Presse sowie für diverse Nachrichtenagenturen. Von 1954 bis 1966 arbeitete er überdies als Fotograf für das Deutsche Theater.

Für seine Fotoserie anlässlich des „Kasseler Treffens“ am 21. Mai 1970 zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und Willi Stoph, dem Vorsitzenden des DDR-Ministerrats, wurde Paul vom Verband der Journalisten in Niedersachsen mit dem Preis für Bilderserien ausgezeichnet und erlangte damit überregionale Anerkennung.

„Die Arbeit von Fritz Paul zeichnet sich durch seinen sensiblen Blick für die Geschehnisse und deren Bedeutung in Friedland aus“, betonte Museumsrestauratorin Ewa Kruppa. Sein fotografischer Blick habe nicht nach sensationellen Motiven gesucht, sondern die Realität abgebildet, wie sie sich ihm darstellte. „Sein Engagement war laut Zeitzeugen geprägt von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl“, so Kruppa.

„Fritz Paul gehörte einer Generation von Fotojournalisten an, die den Bildjournalismus der Nachkriegszeit in Deutschland prägten“, ergänzte Museumsleiter Klaus Engemann. Nicht zuletzt deshalb freue er sich sehr über die Schenkung des Nachlasses, der rund 6000 Negative umfasst und die bisherige Sammlung von Paul-Fotos vervollständigt. „Es ist wichtig, dass solche historisch bedeutenden Fotos für die Nachwelt erhalten bleiben und aufgearbeitet werden“, so Engemann. Der Nachlass werde nun gesichtet, dokumentiert und anschließend der Öffentlichkeit präsentiert.

Einen ersten Eindruck von der Arbeit des 1998 verstorbenen Fotografen können sich Interessierte bereits am morgigen Samstag, 26. Oktober, bei einer Führung „auf den Spuren von Fritz Paul“ mit Restauratorin Ewa Kruppa machen. Treffpunkt ist um 15 Uhr das Museum Friedland.  per

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