Studentin übersetzt Arztbriefe

Friedländerin übersetzt, was der Arzt sagt

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Arbeitsplatz: Von zuhause aus greift Medizinstudentin Nicole Lübeck auf die Befunde zu. 

Friedland. Nicole Lübeck, Medizinstudentin aus Friedland, übersetzt für Patienten im Internet schwer verständliche Arztbriefe in verständliches Deutsch.

Wenn ein Arzt „Tumor“ sagt, dabei aber lediglich „Schwellung“ meint, ist sein Patient wohl gedanklich schnell bei einer Krebserkrankung. Ein schwerwiegendes Missverständnis. Das Internetportal „Was hab’ ich?“ will die Kommunikation zwischen Ärzten und ihren Patienten verbessern und verunsicherte Patienten nicht Doktor Google überlassen. Dabei hilft auch Medizinstudentin Nicole Lübeck aus Friedland, als eine von derzeit hunderten Ehrenamtlichen, mit.

Unter der Internetadressewww.washabich.de können Patienten unverständliche Befunde ihrer Ärzte einreichen und Sie von Medizinern oder Medizinstudenten kostenfrei übersetzen lassen. Für Lübeck, die kurz vor ihrem neunten Fachsemester in Medizin an der Uni Göttingen steht, ist die Mitarbeit bei „Was hab’ ich?“ Ehrenamt und Weiterbildung zugleich.

Eigene Erfahrungen gemacht

Seit eineinhalb Jahren hat Lübeck mit den Folgen eines Fahrradunfalls zu kämpfen und musste seitdem selbst viel Zeit in Krankenhäusern verbringen, als Patientin. „Viele Patienten verstehen die Ärzte einfach nicht“, sagt sie. Die Gründe sind unterschiedlich. Oft seien Patienten sehr aufgeregt, wichtige Fragen würden erst im Nachhinein auftreten. Deshalb fänden die Gespräche nicht auf Augenhöhe statt.

„Wenn dann bei Google einzelne Begriffe gesucht werden, steigt die Verunsicherung noch weiter.“ Aus einem HWI, einem Harnwegsinfekt, also einer Blasenentzündung, werde so schnell ein Hinterwandinfarkt. Ein Herzinfarkt.

Grundlagenwissen erklären

Zwischen einer halben und neun Stunden sitzt Lübeck an der Übersetzung eines Befunds. Weil das Vorwissen der Patienten unklar ist, wird schonmal weit ausgeholt und medizinische Grundlagen ausführlich erklärt. „Dadurch lerne ich selber viel oder kann Dinge wiederholen“, sagt die Studentin. Was keinesfalls gefragt sei: Beratung oder irgendeine Form der Einschätzung des Befundes. Das müssen die behandelnden Ärzte machen. Denn die Einsendung der Befunde geschieht völlig anonym, höchstens Alter und Geschlecht werden dem Übersetzer mitgeteilt.

Die Übersetzer arbeiten meist von zuhause aus, über eine Webseite haben sie Zugang zu allen Befunden, die gerade übersetzt werden müssen. 22 Stück hat Lübeck seit Dezember bereits übersetzt. Kommt sie mal nicht weiter, kann sie im Hintergrund bei Fachärzten nachfragen. Die dankbaren Rückmeldungen der Patienten motivieren die junge Studentin zusätzlich.

In den Unis werde besonders Wert auf lateinische Fachbegriffe gelegt, „was ja auch wichtig für den Austausch mit anderen Medizinern ist“, sagt Lübeck. Die Fachsprache sei prägnanter. Doch Patienten müssten verstehen, warum bestimmte Dinge gemacht werden, das verbessere den Therapieverlauf – da ist sich Lübeck sicher. • Übersetzt werden können medizinische Befunde bis maximal zwei DIN-A4-Seiten. 

Tipps für den Arztbesuch

Damit Patienten gar nicht erst mit unverständlichen Befunden alleingelassen werden, bietet das Portal auch ein Sammlung mit Tipps für den Arztbesuch an. Wir zeigen Ihnen ein paar Beispiele:

Vor dem Arztbesuch: Was ist das Ziel?

Überlegen Sie sich im Voraus, welche Fragen Sie mit ihrem Arzt abklären möchten. So können Sie die Zeit mit dem Arzt effektiv nutzen. Wenn Sie sich unsicher fühlen, lassen Sie sich von einer Vertrauensperson begleiten – das kann Missverständnissen vorbeugen.

Während des Arzttermins: Nachfragen!

In der Broschüre steht: „Wenn Sie aus Zurückhaltung nicht nachfragen, gehen Ihnen möglicherweise wichtige Informationen verloren.“ Machen Sie sich Notizen wichtiger Informationen oder wiederholen Sie die Aussagen des Arztes. Klären Sie alle notwendigen weiteren Schritte, bevor Sie das Arztzimmer verlassen.

Wieder zu Hause: Was ändert sich?

Müssen Sie Ihren Medikamentenplan verändern? Brauchen Sie mehr Bewegung? Wenn nötig: Ändern Sie Ihr Leben – fangen Sie jetzt an. Die Broschüre „Der Nächste, bitte!“ mit Arztbesuch-Tipps kann im Internet heruntergeladen werden: www.washabich.de/arztbesuch

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