Friedland: Die Belastungsgrenze ist immer noch überschritten

Neujahrsempfang in Friedland: Bürgermeister Andreas Friedrichs begrüßt ein Kind mit Küsschen. Foto: Schröter

Friedland. Großer Andrang herrschte am Sonntag beim Neujahrsempfang der Gemeinde Friedland, deren Mehrzweckhalle komplett gefüllt war.

„Ich bin wirklich beeindruckt und auch wieder ein wenig stolz, dass so viele Menschen den Weg hier nach Friedland gefunden haben“, freute sich Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs, der wie üblich auch zahlreiche Hände von Vertretern aus Politik, Wirtschaft sowie von Vereinen und Verbänden zu schütteln hatte. „Ihr Besuch ist für mich immer auch ein deutliches Zeichen dafür, dass es ein gutes Miteinander hier in der Gemeinde und zudem viele partnerschaftliche Kontakte nach Göttingen, Thüringen und Hessen gibt“, sagte er.

Wie nicht anders zu erwarten bildete der Flüchtlingszustrom nach Europa eines der zentralen Themen in Friedrichs Jahresrückblick. Was die Gemeinde Friedland und das dortige Grenzdurchgangslager angehe, sei die zumutbare Belastungsgrenze 2015 überschritten worden und sei es noch immer. „Mitte des Jahres hatten wir einen Zustand erreicht, der deutlich zu lange auf der falschen Seite dieser Belastungsgrenze lag“, meinte Friedrichs. Wenn Einrichtungen wie das Grenzdurchgangslager, die für maximal 700 Menschen ausgelegt und eingebettet in eine Ortschaft mit 1200 Einwohnern sind, mit über 3500 Flüchtlingen belegt seien, habe jedem klar sein müssen, in welchen Druckverhältnissen alle beteiligten Personen und Institutionen gelebt hätten.

Bürgerpreis für zehn verdiente Menschen: Unter den Geehrten ist Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer (dritter von rechts). Ganz rechts Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs. Foto: Schröter

Mit der Umsetzung des Museumsprojektes, dessen erster Bauabschnitt am 19. und 20. März dieses Jahres eröffnet wird, komme sogar noch eine weitere Belastung auf das Grenzdurchgangslager zu. „Wenn ich alle dort beteiligten Strukturen und Funktionäre nicht persönlich kennen würde, hätte ich große Sorgen, dass sie mit diesem weiteren Schritt überfordert sind“, meinte der Bürgermeister. „Doch eins weiß ich genau: Diese Menschen und Strukturen in und um Friedland sind einmalig und zum Teil auch schon über 70 Jahre im Zusammenspiel erprobt.“ Sie würden von „ganz unglaublichen Persönlichkeiten“ geführt und hätten ebenso unglaubliche Mitarbeiter. „Kurz gesagt, sie sind ein absoluter Glücksfall für die Gemeinde Friedland und die gesamte Region.“

Andrang bei Neujahrsempfang in Friedland

Bürgerpreis 2015

Weil das so ist, zeichnete Friedrichs zehn von ihnen mit dem Bürgerpreis 2015 aus. Zu den Geehrten zählten neben Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer und Friedlands Ortsbürgermeister Wilfried Henze Vertreter der Caritasstelle und der Inneren Mission im Grenzdurchgangslager, der Friedlandhilfe, des DRK Suchdienstes, der beiden Kirchen, der Polizei sowie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und des Bundesverwaltungsamtes.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.