Grenzdurchgangslager: Mehr Platz, mehr Begegnungen

Museum Friedland wird für 13 Millionen um Dokumentations-Zentrum erweitert

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Das künftige Dokumentationszentrum im Modell: Es soll direkt an der Bahnstrecke entstehen.

Friedland. Das Grenzdurchgangslager wird bis 2022 um ein Dokumentationszentrum erweitert. Gezeigt werden sollen Papiere, Fotos und Zeitzeugeninterviews; Begegnungen sollen ermöglicht werden. 

Mehr als vier Millionen Menschen haben seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg das Grenzdurchgangslager Friedland, bekannt als das „Tor zur Freiheit“, durchlaufen. Dessen Geschichte wird seit zweieinhalb Jahren in einem Museum lebendig, das bis Mitte 2022 um ein Dokumentationszentrum erweitert wird.

Das Projekt ist der zweite Bauabschnitt für das Museum, das seit März 2016 im Bahnhofsgebäude für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Berliner Arbeitsgemeinschaft Dichter Architekturgesellschaft, bbz Landschaftsarchitekten und Fischer Ausstellungsgestaltung sollen das Projekt umsetzen. Das Team hat einen europaweiten Wettbewerb für das Besucher-, Medien- und Dokumentationszentrum gewonnen. Ihre Idee soll voraussichtlich ab Mitte 2020 realisiert werden.

Kostenrahmen könnte passen

Wettbewerbsbetreuer Dieter Schmitz betonte, dass sich die Jury einmütig für das Berliner Team entschieden habe: Zu einem lässt sich der Entwurf nach Überzeugung der Experten zu wirtschaftlichen Bedingungen umsetzen – will heißen, dass der gewählte Kostenrahmen von 13 Millionen Euro passen könnte.

Außerdem schaffe der Neubau die notwendige Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Grenzdurchgangslager. Auch von außen soll der Neubau mit schwarzem Dach und weiß gestrichenem Holz ein Hingucker werden.

Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs dankte allen 27 Teams, die ihre Ideen bei dem Wettbewerb eingereicht hatten. Und brachte es auf den Punkt: „Wir können stolz auf den Siegerentwurf sein.“

Raum für Sonderausstellungen

In dem künftigen Zentrum sollen Papiere, Fotos und Zeitzeugeninterviews zugänglich gemacht werden, was bislang nicht so möglich ist. Kernstück ist ein Raum für eine Erweiterung der Ausstellungsfläche sowie für Sonderausstellungen. Außerdem werden eine Bibliothek sowie eine Cafeteria zum neuen Angebot gehören. Außerdem sollen die Themen Flüchtlingslager sowie Flucht und Vertreibung den Besuchern näher gebracht werden. Eine weitere Funktion des Neubaus, der nördlich des Bahnhofs direkt an den Gleisen entstehen soll: Das zweistöckige Gebäude, das 80 Meter lang und zwölf Meter breit werden soll, ist als offener Begegnungsort für Bewohner aus dem Grenzdurchgangslager sowie Gäste und Einwohner von Friedland vorgesehen.

Schon jetzt geht in Friedland der Blick über den zweiten Bauabschnitt hinaus: In einem letzten Schritt soll auf dem Vorplatz der St. Norbert-Kirche eine Akademie für Schüler und Studenten entstehen und damit einen internationalen Jugendaustausch ermöglichen. Einen Zeitplan dafür gibt es noch nicht.

Siegerentwürfe werden bis Mitte September ausgestellt

Die Siegerentwürfe für das Dokumentationszentrum werden bis Mitte September im Museum Friedland ausgestellt. Besucher haben die Möglichkeit, Anmerkungen zu den Entwürfen zu machen.

Weitere Infos zum Museum Friedland gibt es hier.

Lager Friedland wurde an den Grenzen von drei Besatzungszonen gegründet

Das Museum Friedland beschäftigt sich mit der Geschichte und der Gegenwart des Grenzdurchgangslagers. Es wurde am 20. September 1945 auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht zur Durchschleusung und ersten Betreuung von Evakuierten und Flüchtlingen eingerichtet.

Es lag genau an den Grenzen der britischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone. Die Flüchtlinge waren zunächst provisorisch in den Viehställen des Versuchsgutes Friedland der Universität Göttingen untergebracht. Binnen kürzester Zeit wurden auf dem jetzigen Gelände des Grenzdurchgangslagers Blechbaracken errichtet, die sogenannten Nissenhütten, von denen eine noch heute besichtigt werden kann. Noch immer durchlaufen tausende Migranten jedes Jahr das Lager Friedland. Es ist unter anderem die zentrale Aufnahmestelle für Spätaussiedler.

Weitere Infos zum Grenzdurchgangslager gibt es hier.

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