Internationaler Weltfrauentag

Museum Friedland zeigt Ausstellung über geflohene Frauen im Durchgangslager

Drei Damen unterschiedlicher Altersgruppen stehen in einem Foyer vor einem kleinen Banner.
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Bei der Ausstellung „Frauen in Friedland“ im Museum Friedland: (von links) Kuratorin Ewa Kruppa mit Zeitzeugin Gisela Golsch und Museumsleiterin Dr. Anna Haut.

Von Vergewaltigung bis Ehrenmord gibt es viele Gründe für Frauen, ihr Heimatland zu verlassen. Eine Ausstellung soll auf geflohene Frauen im Lager Friedland aufmerksam machen.

Friedland – Vergewaltigung, Geschlechtsverstümmelung, häusliche Gewalt und Ehrenmord: All das sind Beispiele dafür, weshalb Frauen ihr Heimatland verlassen und unter anderem nach Deutschland fliehen, sagt Dr. Anna Haut, Leiterin des Museums Friedland.

Anlässlich des Weltfrauentags am heutigen Montag hat man sich dort etwas Besonderes einfallen lassen, um gezielt auf die Frauen aufmerksam zu machen, die im Grenzdurchgangslager Friedland seit dessen Öffnung 1945 Schutz gesucht haben: Ab Montag zeigt das Museum auf seiner Webseite eine Sonderausstellung unter dem Titel „Frauen in Friedland“.

In einer Bildergalerie und Interviews mit Zeitzeugen will man zum einen die Schicksale und Fluchtgründe der geflohenen Frauen näher aufzeigen.

Frauen haben höhere Verantwortung bei der Flucht als Männer

„Wir wollen die Biografien von ausgewählten geflüchteten Frauen greifbarer machen“, sagt Kuratorin Ewa Kruppa. Zum anderen soll die Arbeit der Helferinnen im Lager gewürdigt werden, die einen entscheidenden Beitrag bei dessen Aufbau geleistet hätten, wie Museumsleiterin Haut sagt.

„Migration wurde lange nur auf Männer ausgerichtet betrachtet“, erklärt sie, weshalb der Fokus bei der Ausstellung gezielt nur auf Frauen gelegt wird. Der Weltfrauentag sei daher bewusst als Datum ausgewählt worden, um die Ausstellung zu eröffnen.

Auch die laut Haut noch höhere Verantwortung für Frauen als für Männer hebt sie hervor: „Frauen fliehen häufiger gemeinsam mit Kindern und Angehörigen, um die sie sich kümmern müssen.“ Das Museum möchte „einen Bogen der Frauenflucht von damals zu heute spannen“, sagt Haut.

4,5 Millionen Geflohene haben Lager Friedland betreten

Denn als das Friedländer Grenzdurchgangslager nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 geöffnet wurde, waren es zunächst noch vor allem Kriegsgefangene, die dort aufgenommen wurden. In den Folgejahren kamen aber immer mehr Menschen aus aller Welt hinzu, darunter Geflüchtete aus Polen, Russland oder auch Vietnam.

Mehr als 4,5 Millionen geflohene Menschen hat das Lager in den vergangenen 76 Jahren insgesamt aufgenommen. Auch zurzeit befänden sich zwischen 200 und 300 Menschen dort, wie Haut sagt. Das geschehe aber unter coronakonformen Bedingungen, denn das Lager sei normalerweise für 800 Menschen ausgelegt.

Aufgrund der neuen Corona-Verordnungen kann die Ausstellung voraussichtlich ab Mittwoch auch direkt im Museum betrachtet werden, wie Sprecher Christian Blohm sagt. Unter welchen Bedingungen und ob Anmeldungen dafür nötig sein werden, werde zeitnah bekannt gegeben. Online zu sehen sein wird die Ausstellung auf museum-friedland.de.

Zeitzeugin: „Friedland ist für mich ein besonderer Ort“

Zu den insgesamt 4,5 Millionen Menschen, die das Friedländer Grenzlager seit seiner Öffnung 1945 betreten haben, zählt auch die heute 71-jährige Gisela Golsch.

Im Februar 1963 floh sie mit ihrer Familie aus Böseckendorf in der damaligen DDR nach Westdeutschland – „mit 13 Personen und bei 23 Grad Kälte“, wie sie sagt. Fünf Stunden brauchten sie mit einem Pferdeschlitten, um den verminten Grenzstreifen nach Friedland in der Nacht zu überqueren.

Golsch lebte sich daraufhin schnell in Westdeutschland ein, zog mit ihrer Familie nach Wollbrandshausen und anschließend nach Nörten-Hardenberg. 1970 kehrte sie nach abgeschlossener Ausbildung zur Erzieherin und als verheiratete Frau allerdings nach Friedland zurück – und übernahm im Alter von 21 Jahren die Leitung des katholischen Kindergartens.

Dort kümmerte sie sich sowohl um einheimische Kindern als auch diejenigen von Lagerbewohnern. „In dieser Zeit habe ich unheimlich gute Erfahrungen gemacht, aber auch einige schwere – darunter Schicksale von Geflohenen aus Polen und Russland“, sagt Golsch heute.

Nach 36 Jahren im Kindergarten ging Gisela Golsch, die einst Geflüchtete, 2006 in Rente. „Friedland ist für mich ein besonderer Ort“, betont sie auch 15 Jahre später noch. (Jan Trieselmann, Thomas Kopietz mit epd)

Internationaler Frauentag

Zum Internationalen Frauentag am Montag, 8. März, gehen Frauen weltweit für ihre Rechte an die Öffentlichkeit. Die Startinitiative kam aus der sozialistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung.

1910 beschloss die Sozialistische Internationale der Frauen in Kopenhagen, jedes Jahr mit einem Aktionstag den Kampf der Frauen für mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen voranzutreiben.

Bereits im März 1911 gingen rund eine Million Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straßen.

Erste Forderung war das Frauenwahlrecht, das in Deutschland 1918 durchgesetzt wurde. Die Frauen kämpften auch für kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn und legalen Schwangerschaftsabbruch.

Während des I. Weltkriegs und unter der NS-Diktatur war der „sozialistische“ Feiertag verboten. Die Nazis propagierten stattdessen den Muttertag.

Im Untergrund aber lebte der Frauentag weiter: Wer am 8. März rote Wäsche im Fenster auslüftete, gab damit ein politisches Statement ab.

Ab Ende der 60er-Jahre wurde er vor allem von der Frauen- und Friedensbewegung begangen. In der DDR entwickelte sich der 8. März zum „sozialistischen Muttertag“.

1977 starteten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag. Berlin führte ihn 2019 als gesetzlichen Feiertag ein, als einziges deutsches Bundesland. Die Grünen wollten vor drei Jahren einen Feiertag in Niedersachsen einführen – vergeblich. 

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