Wachsender Zustrom

Container für Flüchtlinge: Im Lager Friedland werden die Betten knapp

Nur für den Notfall: Friedlands Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer vor einem Zeit, in dem aber niemand übernachten musste. Jetzt werden Container aufgestellt. Archivfoto: Schlegel

Friedland. Vor 15 Jahren formierte sich in Südniedersachsen eine große Protestbewegung. Bürger und Politiker aller Couleur protestierten gegen Pläne des Bundesinnenministeriums, das geschichts- und symbolträchtige Grenzdurchgangslager Friedland wegen mangelnder Auslastung zu schließen.

Der Protest hatte Erfolg, das Lager Friedland blieb als „Tor zur Freiheit“ erhalten. Heute kann von mangelnder Auslastung nicht mehr die Rede sein, im Gegenteil: Wegen des stark gestiegenen Zustroms von Asylbewerbern und Flüchtlingen sind die Plätze in den Unterkünften knapp geworden.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden bereits mehr Menschen im Lager aufgenommen als im gesamten Jahr 2013, insgesamt waren es 7058. Um weitere Betten aufstellen zu können, hat die Verwaltung jetzt Container geordert.

Derzeit sind im Lager Friedland etwa 850 Menschen untergebracht, zu ihnen gehören 600 Asylsuchende, 150 syrische Kontingentflüchtlinge und 100 Spätaussiedler. „Das Lager ist mehr als gut gefüllt“, sagt Lagerleiter Heinrich Hörnschemeyer. Um weitere Kapazitäten zu schaffen, wurden inzwischen mehrere Unterrichtsräume geräumt, die bislang für Sprach- und Integrationskurse genutzt wurden. Vor einigen Wochen wurden außerdem mehrere Zelte aufgestellt, die allerdings nur für den Notfall gedacht waren. Hörnschemeyer ist froh, dass bislang niemand in diesem verregneten Sommer im Zelt übernachten musste: „Da auch im Herbst kein Rückgang zu erwarten ist, bauen wir anstelle der Zelte jetzt Container auf.“

Deutlich zugenommen hat vor allem die Zahl der Asylbewerber. Bis Ende Juli wurden 2700 Asylsuchende in Friedland betreut, 700 mehr als im Vorjahr. Die meisten stammten aus Syrien, erläutert Hörnschemeyer. Weitere Herkunftsländer seien Eritrea, Irak, Afghanistan, Libanon und Pakistan.

Auch bei den Aussiedlerzahlen ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Bis Ende Juli trafen mehr als 2900 Spätaussiedler in Friedland ein, fast dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Insgesamt rechnen wir in diesem Jahr mit über 5000 Aussiedlern“, sagt der Lagerleiter. 2013 waren es lediglich 2500 gewesen. Grund für den Anstieg sei eine Änderung des Bundesvertriebenengesetzes. Eine neue Härtefallregelung erleichtert die nachträgliche Einbeziehung von Familienangehörigen.

Vorige Woche trafen außerdem 153 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien in Friedland ein, Anfang September wird eine weitere Gruppe erwartet. Sie gehören zu einem Kontingent von insgesamt 20.000 Flüchtlingen aus Syrien und den Anrainerstaaten, denen Deutschland aus humanitären Gründen eine vorübergehende Aufnahme gewährt.

Von Heidi Niemann

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