Bei Sperrung bei Autobahn 38

Laster missachten Verbot und donnern durch Dorf bei Friedland

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Der Schwerverkehr ignoriert die Gewichtsbegrenzung: Wenn die Autobahn 38 dicht ist, donnern Lastwagen durch Reckershausen und über die Leinebrücke des Ortes.

Reckershausen. Die Einwohner von Reckershausen und mehreren Ortschaften entlang der Autobahn 38 klagen über massive Probleme.

Bei Sperrungen der wichtigen Ost-West-Route werden sie vom Schwerverkehr überrollt. In dieser Woche kam es zu großen Problemen, als wegen technischer Schwierigkeiten der Heidkopftunnel für mehr als 36 Stunden gesperrt worden war.

Massiv betroffen ist unter anderem die Ortschaft Reckershausen, wissen Ortsbürgermeisterin Heike Hildmann und Ortsratsmitglied Hans-Dieter Baaske. „Bei uns klappern die Gläser in den Schränken, wenn die Lkw mit mindestens Tempo 50 bei erlaubten 30 durch die Ortschaft donnern“, sagen die beiden Ortsratsmitglieder. Außerdem ist die Ortsdurchfahrt bereits an vielen Stellen kaputt, und die Leinebrücke ist für die Belastung durch den Schwerverkehr nicht ausgelegt. Im Ortsrat wird über das Thema schon seit mehreren Jahren diskutiert. „Es gibt bereits einen Friedländer Ratsbeschluss, dass die zuständigen Behörden für Entlastung sorgen“, sagt Hildmann. Vom Umleitungsverkehr ebenfalls betroffen sind Friedland, Groß Schneen, Hohengandern und Hebenshausen in der Gemeinde Neu-Eichenberg.

Bislang ist nichts passiert

Passiert ist in Reckershausen bislang noch nichts. Die Folge: Wenn die Autobahn gesperrt ist, donnern die Laster über die Dörfer und suchen sich einen Weg entlang der Autobahn 38. Dabei kümmern sich die Trucker insbesondere nicht um die Beschilderung, die die Nutzung der Kreisstraße 24 zwischen Marzhausen und Reckershausen für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen verbietet.

Hildmann: „Das Navi leitet die Leute über Reckershausen“, hat sie als Grund für den starken Verkehr bei Sperrung des Heidkopftunnels bzw. der Autobahn 38 ausgemacht. Der andere Grund ist aus Sicht von Ortsratsmitglied Baaske die irreführende Beschilderung im Bereich der Anschlussstelle Friedland. Baaske bemängelt, dass dort Heiligenstadt und Nordhausen/Leipzig nicht ausgeschildert sind, wenn man von der Autobahn 38 abfährt.

„Viele verfahren sich dann und fahren dann, bevor sie wieder auf die A 38 Richtung Göttingen fahren, lieber in Richtung Reckershausen“, sagt Ortsbürgermeisterin Hildmann.

Weiteres Problem: Auf der schmalen Kreisstraße Richtung Reckershausen, die aus Sicht des Ortsrates seit Jahren „in einem erbärmlichen Zustand“ ist und nur notdürftig geflickt wird, gibt es praktisch keine Wendemöglichkeit für Lastwagen.

Ein weiterer Engpass ist die Einmündung von der Kreisstraße 24 auf die Landesstraße 566 Richtung Kirchgandern bzw. Groß Schneen. Der Verkehr staut sich zurück und blockiert die gesamte Ortschaft.

Das sagt die Polizei: Beamte schickten Lkw-Fahrer zurück

„Nach dem Hinweis eines Reckershäuser Bürgers, dass Lastwagen über 7,5 Tonnen die Kreisstraße 24 bei Reckershausen trotz Verbots befuhren, wurde der Streckenabschnitt unverzüglich und mehrfach durch Beamte der Polizeistation Friedland kontrolliert beziehungsweise überwacht“, sagt die Polizei.

Dabei wurde laut Polizei festgestellt, dass etwa vier Lastwagen pro Stunde auf dem besagten Streckenabschnitt von Hessen aus kommend unterwegs waren. Alle Fahrer wurden von der Polizei wieder zurückgeschickt.

Bei den festgestellten Lastwagen handelte es laut Polizei sich fast ausschließlich um polnische oder tschechische Fahrzeuge. Eine Lösung für künftige Fälle dieser Art ist aus Sicht der Göttinger Polizei schwierig: „Bisher konnten durch die beteiligten Institutionen noch keine geeigneten Maßnahmen gefunden werden, um das Lkw-Problem auf diesem Streckenabschnitt bei einer Sperrung der Autobahn 38 zu lösen“, so die Beamten. Bei einer Verkehrsschau am Mittwoch, 22. März, soll über das Thema erneut gesprochen werden.

Vorschlag: Weitere Anschlussstelle für A 38

Aus Reckershausen kommt der Vorschlag, eine zusätzliche Bedarfs-Autobahn-Anschlussstelle an der Autobahn 38 zwischen der Ortschaft und Kirchgandern zu bauen.

Hintergrund: Die Brücke der Bundesstraße 80 über die Bahnlinie Neu-Eichenberg-Kassel soll erneuert werden – allerdings möglicherweise ohne den Bau einer Behelfsbrücke, haben die Ortsratsmitglieder aus Reckershausen gehört. „Das bedeutet für uns, dass wir vom Verkehr überrollt werden, weil die normale Umleitung im Fall einer Sperrung der Autobahn 38 dicht ist. Wir rechnen mit dem Chaos“, sagt Ortsbürgermeisterin Heike Hildmann aus Reckershausen.

Der Vorteil einer Bedarfs-Autobahnauf- und abfahrt der Autobahn 38 zwischen Reckershausen und Niedergandern: Von dieser Abfahrt könnte der Verkehr bei einer Sperrung der Autobahn 38 auf kürzestem Wege über die Umgehungsstraße Kirchgandern, die Bundesstraße 80 und weiter zur Auffahrt Arenshausen der Autobahn 38 geführt werden. „Dadurch würden die Bundesstraße 80 und 27 und die betroffenen Ortsschaften deutlich entlastet“, sagt Ortsbürgermeister Heike Hildmann aus Reckershausen. Sie hat gehört, dass ein Teil der dafür benötigten Grundstücke auch schon im Bundesbesitz sind.

Diese Variante mit einer neuen Anschlussstelle wurde nach Informationen von Hildmann inzwischen auch von der zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim in Erwägung gezogen. „Das wäre unsere Rettung, wenn die B 80-Brücke über die Eisenbahn gesperrt wird“, sagt Heike Hildmann.

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