Marshall-Verstärker: Kleines Museum für starke Gitarren-Sounds

Da stimmt der Sound: Siegbert Merker hat ein Museum für Gitarrenverstärker und Lautsprecherboxen der legendären Marke Marshall. Foto: Schröter

Reckershausen. Im Örtchen Reckershausen bei Friedland führt Siegbert Merker ein Museum für Gitarrenverstärker und Lautsprecher von Marshall. Eines von zwei Marshall-Museen weltweit.

Wenn Landwirtschaftsmeister Siegbert Merker, den alle nur Sigi nennen und der mit seiner langen Mähne und dem grauen Dreitagebart wie ein echter Rock-Musiker rüberkommt, von seinen Schätzchen erzählt, leuchten die Augen. „Mit ihrem warmen und crunchigen Sound sind die Marshall-Röhrenverstärker genau das, was echte Rock-Gitarristen immer schon haben wollten“, sagt er.

Aber wie kommt man denn nun eigentlich auf die Idee, Verstärker einer bestimmten Marke zu sammeln und eine alte Scheune so umzubauen, dass man sie dort würdig präsentiert kann? „Ich habe mir mit 13 Jahren, als Rockmusik noch als Krach verschrien war, von meinem Konfirmationsgeld heimlich die erste E-Gitarre und einen billigen Verstärker gekauft“, erzählt Merker.

Einen echten Marshall, wie ihn Jimmy Hendrix oder The Who bespielten, konnte er sich nicht leisten. „Meinen ersten Gitarrenunterricht nahm ich, als ich schon über 30 war“, erzählt der 53-Jährige. Als er dann so richtig Blut geleckt hatte und auch in einer Band spielte, hatten Transistorgeräte die Röhrenverstärker längst abgelöst. Jetzt hatte Sigi das Geld für einen Marshall. Und er kaufte günstig auf, was bald wieder Sammlerwert bekommen sollte.

Als sich in seiner Wohnung dann immer mehr Verstärker, Boxen und Gitarren häuften, entschloss sich Merker, seine für die Landwirtschaft nicht mehr benötigte und mit Gerümpel von Freunden voll gestellte Scheune zu sanieren. Das Ergebnis ist ein großer, heller und vielfach gegliederter Raum. Perfekt gegen Kälte von außen und Musik von innen gedämmt und vollgestellt mit 76 Verstärkern und 103 Boxen von Marshall. Schaltet man sie ein und stöpselt eine Gitarre dran, verbreiten sie ihren brutalen und rockigen Sound - ganz wie in den späten 1960ern, 1970ern, frühen 1980ern.

Selbst offizielle Marshall-Vertreter bewundern Merkers Sammlung und stellten für das Museum einen Satz Geräte zur Verfügung, wie sie heute gebaut werden. „Hier ist die komplette Geschichte der Verstärker von 1964 bis heute zu sehen und zu hören“, sagt Sigi Merker stolz. Leben kann er bei nicht einmal 200 Besuchern pro Jahr aber nicht davon.

„Ich mache das aber sowieso nur, weil es mir Spaß macht und weil ich Musik liebe“, sagt er. Wer die Sammlung von Siegbert Merker sehen will, kann sich bei ihm anmelden und gegen einen kleinen Obolus dort auch E-Gitarre spielen, Instrumente sind vorhanden. (per)

Kontakt: Siegbert Merker, Tel. 0151/26351773. 

Besonderes Exemplar: Löcher in der Bespannung

Siegbert Merker hat auch ein besonders seltenes Marshall-Exemplar in seiner Sammlung in Reckershausen. Er besitzt eine Box, die Firmengründer Jim Marshall in den 1960er Jahren eigenhändig für „The Who“ gebaut hatte und die bei einem der finalen Ausbrüche von Gitarrist Pete Townshend zwei Löcher in der Bespannung davongetragen hat.

Der Musiker war unter anderem dafür berühmt, am Ende eines Auftritts Verstärker und Lautsprecher auf offener Bühne zu zerschlagen. Neben dem seltenen Stück ist im Museum ein Schwarz-Weiß-Foto der legendären Szene zu sehen. Ein absolutes Muss für jeden Who-Fan.

Viele bekannte Bands schwörten und schwören auf die britische Marke Marshall. „Eine der bekanntesten war sicherlich The Who“, sagt Sigi. (per)

 

Hintergrund: Die Marke Marshall

Marshall Amplification, 1962 gegründet, gehört zu den bedeutendsten Herstellern von Gitarrenverstärkern. Das britische Unternehmen stellt laut Online-Lexikon Wikipedia aber auch Lautsprecherboxen, Bassverstärker, Gitarreneffektgeräte und weitere gitarren- und bassspezifische Produkte her.

Marshall ist heute der weltweit führende Hersteller von Gitarrenverstärkern. Die Entwicklung und Fertigung erfolgt in England. Einsteigermodelle werden in China und Südkorea gebaut. (bsc)

www.marshallamps.de

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