"Abschied, Ankunft, Neubeginn"

Museumseröffnung Friedland weckt Erinnerungen in Besuchern

Friedland. Einen Besucheransturm erlebte das neue Museum Friedland am ersten Öffnungstag. Vorgestellt wird in dem umgebauten Bahnhof die Geschichte des Grenzdurchgangslagers, über das seit seiner Öffnung 1945 über vier Millionen Menschen in die Bundesrepublik kamen.

Eingebettet waren die beiden ersten Öffnungstage in ein zweitägiges Bürgerfest am Samstag und Sonntag. Viele Besucher haben ganz persönliche Erinnerungen an das Grenzdurchgangslager, die beim Museumsbesuch wieder lebendig wurden.

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Gisela Sölter aus Landolfshausen, die mit ihrem Mann Heinz Sölter zu den ersten Besuchern des Museums zählte, verbindet mit dem Grenzdurchgangslager ganz viel Familiengeschichte. Sie stammt aus Gleiwitz in Oberschlesien, das heute zu Polen gehört. Ihr Vater kam nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft über Friedland in den Westen.

„Das war für mich der Zylinder-Vati, weil er auf dem Foto von der Hochzeit mit meiner Mutter einen Zylinder trug. Ich kannte ihn gar nicht, weil er zu uns erst 1948 zurückkam. Er war kurz nach meiner Geburt schon eingezogen worden.“ Die Folgen für das damals acht Jahre alte Mädchen waren nicht ohne: „Wenn er mir etwas sagte, habe ich erst meine Mutter angeguckt. Erst wenn sie nickte, habe ich es gemacht.“

Viele der im Museum gezeigten Flüchtlingsfotos erinnern sie an die Bilder von Flüchtlingen, die heute im Fernsehen zu sehen sind.

Brigitte Lotze (Jahrgang 1943) aus Witzenhausen, die aus dem damaligen Elbing in Westpreußen stammt, blieb zunächst in Friedland. „Ich habe von 1959 bis 1965 in einem Bauunternehmen in Friedland gearbeitet“, sagte sie, als sie die Schautafeln las. Ihre Familie wurde über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes zusammengeführt.

Nur einen einzigen Tag hielt sich Reinhard Haase in Friedland auf. „Ich habe im Juni 1989 in Friedland eine Fahrkarte nach Gießen bekommen. Für mich bedeutete Friedland Hoffnung.“ Der aus Heiligenstadt in der damaligen DDR stammende Mann hatte eine Besuchserlaubnis für den Westen erhalten und war fünf Monate vor dem Fall der Mauer im Westen geblieben. Er ließ sich später in Niedernjesa bei Göttingen nieder, kehrte aber 2008 nach Heiligenstadt zurück, wo er heute noch lebt.

Für Harald Hahn (Jahrgang 1941), der in Elkershausen wohnt, das nur durch die Autobahn A 7 von Friedland getrennt ist, gehört das Grenzdurchgangslager schon immer dazu. „Die Friedländer respektieren das Lager, halten aber Abstand.“

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Allerdings sind die Bewohner des Lagers auch nur vorübergehend da, bevor sie auf andere Standorte verteilt werden. Von ihnen waren nur wenige am ersten Öffnungstag des Museums zu sehen. „Wir haben zurzeit unter 400 Bewohner“, sagte der Leiter des Grenzdurchganglagers, Heinrich Hörnschemeyer. „Die Schließung der Balkanroute hat sich bei uns sofort ausgewirkt.“ (zhp)

Rubriklistenbild: © zhp

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