Ursache ist unklar

Erhöhte Zahl von Krebs-Fällen in einer Gemeinde im Kreis Göttingen

Luftbild von Groß Schneen: Über Häufung von Krebsfällen in dieser Ortschaft war bereits 2012 diskutiert worden.
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Luftbild von Groß Schneen: Über Häufung von Krebsfällen in dieser Ortschaft war bereits 2012 diskutiert worden. (Archivfoto)

In einer Gemeinde im Kreis Göttingen wurde eine statistische Häufung von bestimmten Krebserkrankungen festgestellt. Das berichtet das Gesundheitsamt.

Friedland – Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) hat im Rahmen des routinemäßig durchgeführten Krebs-Monitorings eine statistische Häufung von bestimmten Krebserkrankungen in der Gemeinde Friedland im Landkreis Göttingen festgestellt. Das berichtet das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen.

Von 2008 bis 2018 wurden 54 Fälle registriert, statistisch wären 33 Fälle zu erwarten gewesen. Es ist unklar, ob diese Häufung ein zufälliges Ereignis ist oder ob es einen „spezifischen auslösenden Faktor“ gibt.

54 Krebsfälle in der Gemeinde Friedland: Betroffene sind meist über 70

Im Monitoring-Zeitraum traten statistisch auffällig viele neu diagnostizierte Non-Hodgkin-Lymphome auf, zu denen auch Multiple Myelome und Chronisch Lymphatische Leukämien gezählt werden. Die erhöhte Krebshäufigkeit zeigt sich sowohl für Männer als auch für Frauen. Alle Betroffenen erkrankten im Alter über 40 Jahren. Mehr als die Hälfte der Erkrankten war bei der Erstdiagnose älter als 70 Jahre.

Das Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen wurde vom EKN über diese statistische Auffälligkeit informiert.

Erhöhte Häufigkeit bei Krebsfällen in einer Gemeinde im Kreis Göttingen: Nächste Schritte

Dr. Eckart Mayr, Leiter des Gesundheitsamts, betont: „Jetzt gilt es, in enger Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und dem EKN die nächsten Schritte zu planen, um eventuell Hinweise auf mögliche gemeinsame Ursachen dieser ungewöhnlichen Häufung zu erhalten.“

Im Fokus stehe dabei, die Möglichkeit etwaiger aktueller gesundheitlicher Gefahren für die Menschen vor Ort abzuschätzen. „Um herauszufinden, ob die Häufungen in Zusammenhang mit einem speziellen Auslöser stehen, sind weitere Recherchen der genaueren Umstände notwendig.“

Kreis Göttingen (Niedersachsen): Suche nach Auslöser für erhöhte Anzahl von Krebsfällen

Die Suche nach einem gemeinsamen Auslöser entspreche dabei der berühmten Suche nach der Nadel im Heu–haufen, verbildlicht Dr. Mayr, wobei hier erschwerend hinzukomme, dass die Nadel vielleicht gar nicht existiere.

Das Gesundheitsamt bereitet bereits eine Befragung der Betroffenen vor, um mögliche Gemeinsamkeiten bei den Betroffenen zu erfragen. „Die Teilnahme an der Befragung wird selbstverständlich freiwillig sein und natürlich werden die Informationen vertraulich behandelt“, unterstreicht Dr. Mayr. Die Gemeinde Friedland wird die Thematik in ihrer Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 24. Juni, aufgreifen und über den Sachstand berichten.

Erhöhte Häufigkeit bei Krebsfällen: Gemeinde Friedland im Kreis Göttingen ist informiert

„Bezogen auf Niedersachsen kommt es häufiger zu solchen Auffälligkeiten, für unsere Gemeinde ist es natürlich eine ungewöhnliche Situation“, sagt Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs. Deshalb sei es erfreulich, dass das EKN die Gemeinde von Anfang gut einbinde. „Jetzt heißt es, das Thema besonnen, sorgfältig und verantwortungsvoll anzugehen.“

Bernhilde Deitermann vom Krebsregister erklärt: „In Niedersachsen erkranken jedes Jahr etwa 49.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor und fast 23.000 Menschen versterben an einer Krebserkrankung. Seit Anfang 2014 führen wir zusätzlich zu den routinemäßig erstellten Jahresstatistiken ein gemeindebezogenes Monitoring durch. Ziel ist es, auf Basis der Auswertung von Daten auf Gemeindeebene Krebshäufungen zu identifizieren.“

Krebsfälle in Niedersachsen - jedes Jahr erkrankten 49.000 Menschen

Es werden ausschließlich die Diagnosegruppe der akuten Leukämien sowie die Diagnosengruppe der Non-Hodgkin-Lymphomen, einschließlich der Multiplen Myelome und der chronisch lymphatischen Leukämie betrachtet. Darüber hinaus dienen die Krebsdaten der Gesundheitsberichterstattung sowie Gesundheitsplanung und -forschung.

Weitere Infos gibt es unter krebsregister-niedersachsen.de sowie unter goe.de/krebsmonitoring. Direkt betroffenen Bürger aus der Gemeinde Friedland können sich bei Fragen montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr unter der Rufnummer 0551/400-4813 an das Göttinger Gesundheitsamt wenden. An neuen Krebs-Therapieansätzen arbeitet die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der AOK Niedersachsen  (Bernd Schlegel)

Hintergrund: Im Jahr 2012 sorgte eine erhöhte Zahl von Krebsfällen in Groß Schneen bereits für Unruhe

Non-Hodgkin-Lymphome stellen Deutscher Krebsgesellschaft keine einheitliche Erkrankung dar, sondern bilden vielmehr eine äußerst komplexe Gruppe von Krebserkrankungen, die von Zellen des lymphatischen Systems ausgehen und als ein Hauptmerkmal Lymphknotenschwellungen hervorrufen.

Da sich im gesamten Körper Lymphgewebe befindet, können Non-Hodgkin-Lymphome überall im Körper entstehen.

Die Lymphknoten sind bei Non-Hodgkin-Lymphomen am häufigsten betroffen, aber auch andere Organe wie Lunge, Leber, Knochenmark und Milz können – vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien – befallen sein. In seltenen Fällen können Non-Hodgkin-Lymphome auch primär an inneren Organen, meist in der Magenwand oder an der Haut, entstehen, wo sie sich als flächige Rötungen oder als geschwürartige Veränderungen bemerkbar machen, so die Krebsgesellschaft.

Zahlreiche Krebsfälle in der Gemeinde Friedland sorgten schon im Jahr 2012 für Unruhe. Damals waren insbesondere Betroffene im Bereich Groß Schneen befragt worden. (bsc)

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