Bis zu 100 Personen beteiligt, 90 Polizisten im Einsatz

Polizeigroßeinsatz in Flüchtlingslager in Friedland

Friedland. Ein ungewollter Kuss eines Irakers auf die Wange einer verheirateten Afghanin hat am Montagabend einen Großeinsatz der Polizei in Friedland ausgelöst.

Etwa 90 Polizisten mussten dort eine Schlägerei verhindern.

Der Kuss geschah gegen 18 Uhr in einem Friedländer Supermarkt. Einige Zeit später trafen die 28-jährige Frau aus Afghanistan und ihr Mann im Lager auf den 52-jährigen Iraker. Dann eskalierte die Lage. Beamte der Bereitschaftspolizei, die im Lager waren, hatten die offensichtlich bevorstehende Auseinandersetzung zwischen den Flüchtlingsgruppen erkannt. Die Beamten handelten sofort und verhinderten ein Aufeinandertreffen der beiden sich gegenüberstehenden Gruppen, noch bevor es zu einer Schlägerei kam.

Aktualisiert:  15.07 Uhr

Die Menschenmenge war schnell von 30 auf bis 100 Personen angewachsen. Um die rivalisierenden Gruppen zu trennen, musste auch vom Polizeistock Gebrauch gemacht werden. Über die Lage- und Führungszentrale der Polizeidirektion Göttingen wurden sofort weitere Funkstreifenwagenbesatzungen nach Friedland geschickt. Dadurch gelang es den Einsatzkräften, die beiden Flüchtlingsgruppen zu trennen. Zu Übergriffen auf die Beamten kam es trotz der ziemlich aufgeheizten Stimmung nicht.

Die Polizei setzte Dolmetscher ein, um die Menge zu beruhigen. Außerdem gab es Lautsprecherdurchsagen. Weiterhin wurden einzelne Flüchtlinge gezielt angesprochen. Gegen 22 Uhr hatte sich die Lage schließlich entspannt. Ein Teil der Polizeibeamten konnte daraufhin das Lager verlassen. Einige Beamte blieben aber noch bis zum Morgen vor Ort.

Die 28-jährige Afghanin musste wegen eines nicht näher beschriebenen, plötzlich auftretenden Krankheitsfalles mit dem Rettungswagen in die Krankenstation des Lagers Friedland gebracht werden. Die Ermittlungen dazu dauern an. Laut Polizei habe es sich dabei nicht um eine konkrete Folge der Auseinandersetzung gehandelt.

Der mutmaßliche Verursacher des Streits wurde von der Polizei nach Göttingen gebracht und mit einem Dolmetscher vernommen. Der 52-jährige Iraker wurde anschließend in eine andere Unterkunft verlegt, um eine erneute Eskalation zu verhindern. Die Beamten nahmen außerdem einen unter Alkoholeinfluss stehenden Flüchtling in Gewahrsam, der durch sein Verhalten die aggressive Stimmung noch zusätzlich angeheizt hatte. Auch er wurde im Laufe der Nacht in eine andere Unterkunft gebracht.

Es wurden insgesamt vier Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung eingeleitet.

Insgesamt waren am Montag etwa 90 Beamte der Polizei aus Friedland und Göttingen, der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, der Bereitschaftspolizei aus Göttingen und Braunschweig sowie Polizeibeamte aus Kassel im Einsatz.

Erst vor kurzem hatte es wegen einer Massenschlägerei im Flüchtlingszeltlager in Calden einen Großeinsatz der Polizei gegeben.

Informations- und Fragestunde in Friedland 

Die aktuellen Ereignisse werden sicherlich auch bei einer Informations- und Fragestunde am heutigen Dienstag in Friedland zur Sprache kommen. Dazu hatte die Gemeinde ihre Bürger bereits vor einiger Zeit eingeladen. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Friedland. Dabei soll über die aktuelle Situation im Grenzdurchgangslager sowie über die Frage, wie es weitergeht, informiert werden. Dazu werden Vertreter von Bundes- und Landesebene erwartet, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Mehrfach Auseinandersetzungen im Lager Friedland 

Mehrfach gab es in den vergangenen Wochen und Monaten Auseinandersetzungen im Grenzdurchgangslager Friedland:

2. September:  In einem Gebäude kommt es zu einer Schlägerei zwischen einem 22-Jährigen und einem weiteren Flüchtlingen. Beim anschließenden Einsatz werden drei Mitarbeiter des Grenzdurchgangslagers verletzt.

28. August: In einem Zelt kommt es zu einem handfesten Streit um die Beleuchtung. Zwei der Beteiligten gehen offenbar mit Stuhlbeinen aufeinander los. Bei dem Handgemenge wird niemand verletzt.

16. August: Bei der Ausgabe des Mittagessens kommt es zu einer handfesten Auseinandersetzung. Etwa 50 Flüchtlinge haben offenbar die Befürchtung, nichts mehr zu Essen zu bekommen. Bei ihnen kippt die Stimmung: Daraufhin knicken sie Äste von Bäumen ab. Außerdem wird mindestens ein Sonnenschirm ergriffen. Es kommt zu gegenseitigen Angriffen. Dabei wird eine 18-Jährige aus Eritrea verletzt. Sie erleidet eine Platzwunde über dem linken Auge.

Hier ist das Grenzdurchgangslager in Friedland

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Rubriklistenbild: © Jelinek

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