Siebter Michelin-Stern in Folge

Michelin-Stern für die „Genießer Stube“ in Friedland um Küchenchef Daniel Raub

Genießer Stube-Küchenchef Daniel Raub hält den diesjährigen Michelin-Stern in den Händen. Im Hintergrund ist die Auszeichnung aus dem vergangenen Jahr zu sehen.
+
Küchenchef Daniel Raub freut sich über die diesjährige Auszeichnung mit dem Michelin-Stern. Es ist der siebte in Folge.

Anfang März erhielten Küchenchef Daniel Raub und sein Team von der „Genießer Stube“ in Friedland erneut den begehrten Michelin-Stern. Aber wer ist eigentlich der Mann hinter dem anhaltenden Erfolg?

Friedland - 1981 in Göttingen geboren, wuchs Daniel Raub in Friedland auf, wo sein Großvater bereits 1967 das Hotel-Restaurant Biewald eröffnet hatte und es später zusammen mit Raubs Eltern führte. „Zu meinen Großeltern und speziell zu meinem Großvater hatte ich immer ein großartiges Verhältnis“, sagt der inzwischen 39-Jährige, der schon als Kind einen Teil seiner Freizeit als „helfende Hand“ im Landhaus Biewald verbrachte.

„Ich hatte Spaß daran, an den Wochenenden zu Kellnern“, erinnert sich Raub zurück. Dennoch sei damals noch nicht abzusehen gewesen, dass er selbst einmal Koch werden würde. „Vielmehr hatte ich als Jugendlicher den Wunsch, Förster oder Landwirt zu werden“, sagt er.

Entscheidung fiel durch Praktikum

Aber es kam dann doch ganz anders. „Mit 15 Jahren war mir klar, dass ich nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung beginnen und zuhause raus wollte“, sagt Daniel Raub. Nach einem einwöchigen Schülerpraktikum im Hotel Hohen Haus, einem Sternelokal im Hessischen Herleshausen, bekam Raub direkt eine Ausbildungsstelle angeboten. Ein Jahr vor seinem Schulabschluss unterzeichnete er den Ausbildungsvertrag und sein Ehrgeiz für den Kochberuf war endgültig geweckt.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre, in der Daniel Raub die Arbeit mit qualitativ hochwertigen Produkten kennen und schätzen lernte, absolvierte er im Repräsentationscasino der Bundeswehr in Bonn seinen Wehrdienst und durfte dort schon einige hochrangige Gäste bekochen.

Es folgten Anstellungen bei Drei-Sterne-Koch Dieter Müller im Schlosshotel Lehrbach in Bergisch Gladbach sowie im Hotel Königshof in Bonn, wo er als 23-Jähriger direkt stellvertretender Küchenchef wurde. Nach bestandenem Küchenmeisterlehrgang folgte noch ein kurzes Zwischenspiel im Bonner Hotel Wald-Café – Raubs erste Anstellung als Küchenchef. Als er jedoch feststellte, dass die Arbeit dort seinen eigenen Ansprüchen nicht genügte, kehrte er zurück in den elterlichen Betrieb nach Friedland.

Insolvenz

Dort angekommen, lief dann aber erstmal alles ganz anders als erwartet. Nachdem Raubs Großvater schon Jahre zuvor aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft aussteigen musste und die Geschäftsführung an seinen Schwiegersohn übergeben hatte, geriet der Betrieb in finanzielle Schieflage. 2011 standen die Insolvenzverwalter vor der Tür.

An Daniel Raub hatte das nicht gelegen, hatte er sich doch als Koch einen sehr guten Namen gemacht. Noch keine 30 Jahre alt, hätte er sicher schnell einen neuen Job gefunden. Das Haus den Abrissbaggern zu überlassen, kam für ihn aber nicht in Frage.

Trotz der schwierigen Umstände begannen er und seine Mutter Karin den Kampf ums Überleben. Ein neues Konzept sah vor, ein Gourmet-Restaurant zu installieren und es zu einem Erfolg zu bringen. Insolvenzverwalter und Banken gaben nach zähen Verhandlungen ihren Segen, Karin Raub wurde offiziell neue Inhaberin und Daniel Raub, warf sich wieder in die Arbeit.

„Nach diesem Schritt mussten wir Geduld aufbringen“, erinnert er sich zurück. Fast zwei Jahre habe es gedauert, bis das in über 40 Jahren erworbene Ansehen wiederhergestellt war. Dann aber zeigte sich, dass das Konzept funktionierte.

Erster Stern

Die neue Genießer Stube entwickelte sich zur Adresse für Gourmets aus der Umgebung und erhielt 16 Gault-Millau-Punkte und 2,5 Feinschmecker F’s. Wer kein Sieben-Gänge-Menü wollte, dafür aber ein gutes Rinderfilet, kam ins zweite Restaurant des Hauses.

Zudem gingen große Catering-Aufträge ein, das Bankett-Geschäft zog an. Als die Genießer Stube dann 2014 (und somit genau nach Plan) erstmals den Michelin-Stern erhielt, war die Welt endgültig wieder in Ordnung. „Die Freude im Team war unbeschreiblich und für das Restaurant war das wie eine Lawine“, sagt der 39-Jährige, dessen Jugendliebe und zweite Ehefrau Anne seit 2014 den Service in der Genießer Stube leitet und somit maßgeblichen Anteil am Erfolg hat.

Einige der Michelin-Sterne der vergangenen Jahre auf einen Blick.

Sieben Jahre später und trotz einer langen Corona-bedingten Zwangspause blickt Daniel Raub zuversichtlich in die Zukunft. „Wir haben die letzten zwölf Monate dazu genutzt, unser Konzept zu überarbeiten und neue kreative Gerichte zu entwerfen“, sagt er. Ziel des nach eigener Einschätzung „zielstrebigen, ehrgeizigen und leidenschaftlichen, aber auch etwas wahnsinnigen und unberechenbaren“ Sternekochs sei es, immer noch ein bisschen besser zu werden.

Und so sollte es nicht verwundern, wenn am Eingang der Genießer Stube irgendwann mal zwei Michelin-Sterne leuchten würden. (Per Schröter)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.