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Krieg in der Ukraine: Im Grenzdurchgangslager Friedland rückt man jetzt zusammen

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Von: Bernd Schlegel

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Das Grenzdurchgangslager Friedland aus der Vogelperspektive: Dort richtet man sich auf Geflüchtete aus der Ukraine ein.
Das Grenzdurchgangslager Friedland aus der Vogelperspektive: Dort richtet man sich auf Geflüchtete aus der Ukraine ein. © Swen Pförtner/dpa

In der Ukraine herrscht Krieg. Viele Menschen verlassen daher ihre Heimat. Auch im Grenzdurchgangslager Friedland werden Flüchtlinge erwartet.

Friedland/Göttingen – Mehrere hunderttausend Menschen aus der Ukraine sind wegen des Krieges in ihrem Land inzwischen auf der Flucht – viele von ihnen kommen in die Europäische Union. Auch im Grenzdurchgangslager Friedland bereitet man sich jetzt auf viele ankommende Menschen vor.

Erste Flüchtlinge waren am Wochenende dort angekommen (wir berichteten). Um möglichst viele Geflüchtete unterbringen, rückt man jetzt im Lager Friedland zusammen. „Nur Polen trennt uns von der Ukraine. Das ist schon ganz dicht vor der Haustür“, sagt Lagerleiter Hörnschemeyer über die aktuelle Situation in einem Fernsehinterview.

„Wir versuchen, Kapazitäten zu schaffen“, so der scheidende Lagerleiter, der jetzt in den Ruhestand geht. So werde versucht, Bewohner aus dem Lager Friedland auf andere Kommunen zu verteilen, damit mehr freie Plätze vorhanden sind. Außerdem hält das Lager Ausschau nach zusätzlichen Möglichkeiten, um Geflüchtete unterzubringen. Dies habe man bereits im Jahr 2015 gemacht, als mehr als 3000 Flüchtlinge gleichzeitig in Friedland waren. Damals wurde beispielsweise eine Sporthalle in Groß Schneen genutzt.

Scheidender Lagerleiter: Heinrich Hörnschemeyer
Scheidender Lagerleiter: Heinrich Hörnschemeyer © Swen Pförtner/dpa

Vorbereitungen für Ukraine-Flüchtlinge: Zusätzliche Betten für die Zimmer

Um schnell Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, werden beispielsweise zusätzliche Betten in die Zimmer gestellt. „Die Leute werden Verständnis dafür haben“, ist sich Hörnschemeyer sicher. Außerdem könnten Unterrichtsräume im Lager zu Unterkunftsbereichen „umgewidmet“ werden. Denkbar ist auch, ähnlich wie 2015 Zelte und Container aufzustellen. Damals mussten einige Neuankömmlinge auch in den Fluren der Verwaltung übernachten. Dies soll laut Hörnschemeyer aber vermieden werden.

Unterdessen hat Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) angekündigt, dass die Stadt mehr Geflüchtete aufnehmen könne. „Wir haben signalisiert, dass wir bereit sind, auch über die Quote hinaus Menschen aus der Ukraine Obdach, Schutz und ein zumindest vorübergehendes zu Hause zu gewähren – in der Hoffnung, dass sich die Situation in der Ukraine bald entspannt und eine Rückkehr in die Heimat möglich ist.”

Die ersten Menschen seien inzwischen im Grenzdurchgangslager in Friedland angekommen. Ob und wann Ukrainer in Göttingen aufgenommen werden, ist aktuell noch offen. Broistedt hat bereits eine Projektgruppe in der Verwaltung damit beauftragt, sich darum zu kümmern, dass die Menschen eine Unterkunft haben, wenn sie in Südniedersachsen ankommen.

Grüne Kreistagsfraktion in Göttingen: Solidarität mit der Ukraine

„Wir verurteilen den Einmarsch Russlands in die Ukraine aufs Schärfste“, sagt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Göttingen. „Wir fordern das sofortige Einstellen jeglicher Kampfhandlung und den Abzug der russischen Truppen aus ukrainischem Staatsgebiet.“ Mit dem Angriff und dem Einmarsch in die Ukraine am 24.02.2022 habe der russische Präsident Putin einen eklatanten Völkerrechtsbruch begangen. „Wir werden uns dafür einsetzen, den Menschen, die sich auf der Flucht befinden, den größtmöglichen Beistand zukommen zu lassen – ob es um Unterbringung oder jegliche andere Art der Unterstützung geht.“ (bsc)

Friedland: Vorbereitungen für Ukraine-Flüchtlinge laufen – Spendenkonto eingerichtet

Wer Platz für Geflüchtete in der Uni-Stadt schaffen kann, sollte sich unter Tel. 0551/4002472 melden. Für Geflüchtete aus der Ukraine selbst steht eine Hotline unter der Rufnummer 0551/4005000 zur Verfügung.

Außerdem richtete die Verwaltung ein Spendenkonto ein. Wer die Menschen in der Ukraine unterstützen möchte, kann auf das Konto mit der IBAN DE56 2605 0001 0000 0000 42 mit dem Stichwort „Hilfe für die Ukraine“ bei der Sparkasse Göttingen überweisen.

Die Beträge sollen für humanitäre und medizinische Hilfen in den Kriegsgebieten verwendet werden. Oberbürgermeisterin Broistedt verspricht, dass „jeder Euro“ ankommt. (Bernd Schlegel)

Osteuropa-Sonntag mit Schwerpunkt Ukraine in Göttinger Corvinus-Gemeinde

Den diesjährigen Osteuropasonntag widmet das „Team Osteuropa“ noch einmal der Ukraine, weil wir diesem Land in seiner gegenwärtigen Bedrohung Respekt und Aufmerksamkeit erweisen möchten. Der Aktionstag beginnt am Sonntag, 6. März, um 10 Uhr der Göttinger Corvinuskirche, Grotefendstraße 36, mit einem Gottesdienst. Die Predigt hält Pastor i.R. Ludger Gaillard. Ab 11 Uhr gibt es ein Informationscafé. Dazu werden Charlotte Schwarz, eine ehemalige Sühnezeichenfreiwillige, die gerade im vergangenen Herbst von ihrer Tätigkeit in Kiew zurückgekehrt ist, sowie die Europa-Abgeordnete Viola von Cramon-Taubadel erwartet. (bsc)

Die erschütternden Bilder von verzweifelten Menschen am Flughafen Kabul gingen im August 2021 um die Welt. Nur wenige hatten das Glück, einen Platz in einer Militärmaschine zu bekommen und aus ihrer Heimat zu fliehen. Für 210 von ihnen begann der Weg in eine neue Heimat ebenfalls im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen.

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