Zehn Jahre Heidkopftunnel: Bindeglied zwischen West und Ost

Reiffenhausen. Vor zehn Jahren wurde der Heidkopftunnel auf der Autobahn 38 für den Verkehr freigegeben. Seither ist die Autobahnmeisterei Göttingen für den Betrieb des Bauwerks bei Reiffenhausen zuständig.

Welche Bedeutung hat der Heikopftunnel? 

Der Heidkopftunnel ist ein zentrales Bindeglied im Ost-West-Fernverkehr und mit 1724 Meter der längste Straßentunnel Niedersachsens. Als Besonderheit liegt der Tunnel, der je Fahrtrichtung eine Röhre mit zwei Fahrspuren hat, auf der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Thüringen.

Was bedeutet die Lage in zwei Bundesländern praktisch? 

Der Neubau des Tunnels erfolgte durch den Freistaat Thüringen, der Betrieb seit 2006 durch das Land Niedersachsen. Zuständig für den Betrieb ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, vor Ort die Autobahnmeisterei Göttingen.

Was hat der Bau des Tunnels gekostet? Wie teuer ist die laufende Unterhaltung? 

Für den Bau hat der Bund 60 Millionen Euro damals aufgewandt. Für die jährliche Unterhaltung werden etwa 700.000 Euro benötigt, darin enthalten sind vier Arbeitsstellen bei der Göttinger Autobahnmeisterei.

Wie ist es um die Sicherheit bestellt? 

Seit der Verkehrsfreigabe zählt der Heidkopftunnel zu den sichersten Straßentunneln Deutschlands. Dies wurde beim ADAC-Tunneltest 2008 durch unabhängige Experten bestätigt. Beim damaligen Test war der Heidkopftunnel mit der Note „Sehr gut“ nicht nur der sicherste Tunnel in Deutschland sondern auch Nummer zwei in Europa.

Welche Einrichtungen gibt es zur Tunnelsicherheit? 

Alle 300 Meter gibt es Notausgänge, die zur anderen Tunnelröhre führen. Je Fahrtrichtung stehen zwei 60 Meter lange Pannenbuchten zur Verfügung. Alle 150 Meter sind Notruftelefone zu finden. Die Energieversorgung wird von zwei Stationen an beiden Enden des Tunnels sichergestellt. Jede Einheit kann das Bauwerk komplett mit Strom versorgen.

Wurde in die Sicherheit zusätzlich investiert? 

Ja, das passiert laut Autobahnmeisterei jedes Jahr. Einige dieser Maßnahmen sind für die Nutzer sichtbar, so zum Beispiel die zusätzlichen Kennzeichnungen der Notausgänge oder der neue hellere Fahrbahnbelag. Andere Maßnahmen finden im Verborgenen statt. So wurde der Digitalfunk für Feuerwehren, Polizei und Rettungsdienste nachgerüstet. Außerdem ist eine verbesserte Notstromversorgung in Betrieb.

Gibt es eine automatische Tempo-Kontrolle? 

Nein, aber die zuständige Autobahnpolizei aus Mengershausen bei Rosdorf kontrolliert regelmäßig das Tempolimit von 80 km/h.

Wie erfolgt die Überwachung des Tunnels? 

Die Kameras sind mit zwei Überwachungszentralen verbunden. In der Regel wird der Tunnel von einer zentralen Leitwarte in Hannover aus überwacht. Eine zweite Leitwarte ist in der Göttinger Autobahnmeisterei zu finden. Von dort aus können auch der Bovender Tunnel sowie der Butterbergtunnel bei Osterode überwacht werden.

Wie viele Vorfälle gibt es, bei denen ein Mitarbeiter der Leitwarte eingreifen muss? 

Etwa einen am Tag. Die meisten Vorfälle werden durch Fehlverhalten der Tunnelnutzer verursacht. Dazu gehören laut Autobahnmeisterin oftmals Lastwagen-Fahrer, die für ihre Pause anhalten. Viel seltener sind Verkehrsunfälle. Gebrannt hat es im Heidkopftunnel seit der Eröffnung vor zehn Jahren nur ein einziges Mal.

Interview: Martin Rohloff von der Autobahmeisterei Göttingen zum Heidkopftunnel

Seit der Eröffnung kümmert sich Martin Rohloff um den Betrieb des Heidkopftunnels. Wir sprachen mit dem Leiter der Autobahnmeisterei Göttingen.

Wie hat sich die Verkehrsbelastung im Tunnel seit der Eröffnung entwickelt. 

Martin Rohloff: Die Belastung ist stark angestiegen, weil die Autobahn 38 winzwischen durchgehend befahrbar und zu einer wichtigen Ost-West-Route geworden ist. Waren es anfangs noch fünf Millionen Fahrzeuge im Jahr, so sind es inzwischen etwa 9,5 Millionen. Das sind zwischen 25.000 und 35.000 Fahrzeuge täglich, bei einem Lkw-Anteil von 30 Prozent.

Warum ist der Verkehr in den vergangenen Jahren so angestiegen? 

Rohloff: Auf den klassischen Ost-West-Routen über die A2 (Dortmund-Hannover-Berlin) sowie die A4 (Bad Hersfeld-Erfurt-Dresden) gibt es immer mehr Staus. Mit der Lückenschließung der A38 östlich von Nordhausen im Jahr 2009 stieg die Belastung stetig an.

Rechnen Sie mit einem weiteren Anstieg? 

Rohloff: Ja, weil jetzt die Autobahn zwischen Dresden und Prag komplett durchgängig befahrbar ist. Das wird zusätzlichen Schwerlastverkehr auf die Autobahn 38 locken, weil diese Südharz-Route gegenüber der A2 (über Hannover-Berlin) und der A4 (über Erfurt) deutlich entspannter zu fahren ist.

An welchen Tagen in der Woche ist am meisten im Tunnel los? 

Rohloff: Insbesondere an jedem Freitag. Da läuft zusätzlich der Wochenend-Fernpendlerverkehr zwischen den alten und neuen Bundesländern durch den Heidkopftunnel.

Was sollten Autofahrer beim Notruf beachten, wenn sie einmal im Tunnel liegen bleiben? 

Rohloff: Wichtig ist, dass sich der Betroffene über ein Notrufruftelefon im Tunnel meldet. Nur dann kann der Mitarbeiter der Leitwarte optimal reagieren. Ein Notruf über Handy kann irgendwo landen, aber nicht bei der Tunnelüberwachung. Außerdem sollte, wenn möglich, die nächste Pannenbucht angefahren werden.

Wie schnell kommt Hilfe im Tunnel, wenn etwas passiert? 

Rohloff: Die Tunnelüberwachung kann sofort reagieren und den Tunnel notfalls sperren. Für alle weiteren Maßnahmen ist die Autobahnpolizei Mengershausen zuständig, die innerhalb von wenigen Minuten vor Ort sein kann. Außerdem werden bei Bränden die freiwilligen Feuerwehren der Umgebung alarmiert.

Zur Person

Martin Rohloff (48) ist Diplom-Ingenieur und seit 1998 Leiter der Autobahnmeisterei Göttingen. Er studierte in Oldenburg und engagiert sich in seiner Freizeit bei der Johanniter-Unfallhilfe (JUH). Er wohnt in Göttingen und ist ledig.

Rubriklistenbild: © dpa

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