Führung durch die Göttinger Unterwelt

Die Toilette der Mönche: Latrinen als Fundgruben

Ein kreuzgratgewölbter Keller mit romanischer Säule: Zeugen eines alten Kontors unterhalb der Roten Straße. Fotos: Jelinek
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Ein kreuzgratgewölbter Keller mit romanischer Säule: Zeugen eines alten Kontors unterhalb der Roten Straße. Fotos: Jelinek

Göttingen. Verborgene Tunnelsysteme, jahrhundertealte Latrinen und unterirdische Gefängniszellen: Göttingens Unterwelt hat einiges zu bieten.

Regelmäßig führt Stadtführerin Monika Dräger von der Göttinger Tourist-Info kleine Gruppen durch die historischen Kelleranlagen der ehemaligen Hansestadt.

So auch vor wenigen Tagen: Los ging die zweistündige Tour im Alten Rathaus. Unter dem ehemaligen Ratssitzungssaal, dem heutigen „Hochzeitsszimmer“, befindet sich ein Keller mit historischer Heißlufttechnik. Diese „gotische Heizung“ wurde um 1360 bei der Erweiterung des Rathauses eingebaut und diente als Fußboden- und Warmluftheizung. Das ursprüngliche Rathaus wurde zwischen 1260 und 1270 gebaut, erklärt Monika Dräger.

Ungewöhnlich dabei: Das Baumaterial. „Nicht umsonst heißt es, jemand sei steinreich“, klärt Dräger auf. Denn nur sehr wohlhabene Ortschaften, wie zum Beispiel Göttingen, konnten sich steinerne Gebäude leisten. Bereits im 13.

Gefängniszelle unterhalb des Alten Rathauses: Der Inschrift nach saß hier ein Göttinger namens Hans Hacken, der gegen die Hygienevorschriften der Stadt verstoßen und in die Wasserversorgungsquelle der Stadt gepinkelt hatte. Fotos: Jelinek

Jahrhundert soll die Stadt an die 6000 Einwohner gehabt haben. Auch wenn inzwischen nur noch wenige oberirdische Zeitzeugen aus dieser Epoche existieren, so geben doch die vielen steinernden Gewölbekeller legen Zeugnis ab über die Entwicklung Göttingens und deren Stadt-, Universitäts- und Baugeschichte.

Auch das älteste noch vorhandene Steinhaus Göttingens in der Rote Straße weist einen ganz besonderen Keller auf: Ein kreuzgratgewölbter Keller im romanischen Saalgeschossbau samt Säule ist ein Indiz für eine wohlhabene Bevölkerung. Kein Wunder, schließlich war die Rote Straße Teil einer Salzstraße, eines Kauf- und Handelsweges und das Haus im Besitz von Kaufleuten, erklärt Dräger.

Die Toilette der Mönche 

Ein besonderes Highlight der Tour befindet sich unterhalb des Wilhelmsplatzes, wo sich früher ein kleines aber vollständiges Franziskanerkloster befand: Eine über einem mehrere Meter hohen Gewölbe und von den Mönchen des Barfüßer-Ordens über Jahrhunderte hinweg genutzte Latrine.

Im Grunde etwas ganz Profanes, doch für die Archäologen im wahrsten Sinne des Wortes eine wahre Fundgrube. Der Geruch, der dort geherrscht haben muss, ist übrigens inzwischen verweht, sodass Forscher bis in tiefere Schichten vordringen konnten und einiges über die Speisegewohnheiten der Göttinger Mönche und das Toilettenpapier des Mittelalters herausfinden konnten.

Neben vielen weiteren kleinen Kelleranlagen - unter anderem im früheren Wohn-haus des Physikers Georg Christian Lichtenbergs - führt die Tour zurück unter das Alte Rathaus. Nachdem Anfang des 15. Jahrhunderts eine neue Heizungsanlage dort gebaut worden war, wurde der Heizungskeller als Arrestzelle genutzt. Noch heute erinnern eingravierte Inschriften auf dem Sandstein der Türrahmen an die Gefängnisinsassen.

Die Göttinger Unterwelt - eine Führung

Die Göttinger Unterwelt - eine Führung
Die Göttinger Unterwelt - eine Führung © Triesch
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Die Göttinger Unterwelt - eine Führung
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Die Göttinger Unterwelt - eine Führung © Triesch
Die Göttinger Unterwelt - eine Führung
Die Göttinger Unterwelt - eine Führung © Triesch

Eine interessante Führung, bei der so manch Teilnehmer gern zum Kellerkind wurde.

Hintergrund

Göttingens Kellerlandschaft 

Göttingens Stadtarchäologie hat rund 340 Keller in einem Kataster dokumentiert. Bei der größten Zahl der Göttinger Gewölbekeller handelt es sich um einfache Tonnengewölbekeller aus dem lokal anstehenden, in Lehm gesetzten Kalkbruchstein. Neben den schlichten Tonnenkellern weisen aufwändigere Kelleranlagen mehrjochige Kreuzratgewölbe auf.

Neben den vielen zu besichtigenden Gewölbekellern in denen heute viele Gaststätten sind, gibt es zusätzliche Kellerobjekte im Wall. (mel)

Weitere Informationen unter www.goettingen-tourismus.de

Von Melanie Triesch

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