Göttinger Unternehmer macht Luftaufnahmen mit der fliegenden Kamera

Burgfotos: Die Burg Plesse bei Eddigehausen wird dank Mehles Fotos dreidimensional rekonstruiert. Foto: nh

Göttingen. Sie ist weithin sichtbar, hoch über Eddigehausen – und sie ist steinalt: Die Burg Plesse wird 2015 genau 1000 Jahre alt. Das große Jubiläum wirft seine Schatten voraus, und die Vorarbeiten laufen längst.

Dazu gehörte auch, dass „Eva“ über der Burganlage schwebte, Eva die fliegende Kamera. Pilot Michael Mehle von „PHT Airpicture“ aus Göttingen machte Aufnahmen, die für eine aufwändige dreidimensionale Präsentation verwendet werden. Das ist nur ein außergewöhnliches Projekt für Mehle, den Piloten, der immer am Boden bleibt.

Dass er einmal mit einer fliegenden Kamera im Auftrag von Kunden Fotos, Videofilme oder 360-Panoramen aufnehmen würde, hätte Mehle noch vor Jahren nicht geglaubt, der seine Wurzeln in der Papier- und Metallverarbeitung hat, im Haus aber schon begeistert den Mini-Helikopter herumschwirren ließ.

Vor zwei Jahren entschloss sich der technik-affine Mann, ein mehrere zehntausend Euro teures Fluggerät zu kaufen und einen neuen Geschäftszweig für das in Nordrhein-Westfalen ansässige Unternehmen „PHT-Airpicture“ im Länderviereck um Göttingen aufzubauen.

Monitor zeigt den Bildausschnitt: Pilot-Fotograf Mehle beim Einsatz in Kassel. Archivfoto: nh

Und Mehles Projekt nahm zügig Tempo auf, nicht nur, weil er der erste Anbieter vor Ort war, sondern auch weil der Pilot am Boden oft in Sachen Eigenwerbung unterwegs war. Zudem liefert er außergewöhnliche Produkte: Die Aufnahmen – nach vorheriger behördlicher Genehmigung – sind anders als das bisher Dagewesene, liefern neue Perspektiven, weil Helikopter, Gyrokopter und Flugzeuge nicht so tief oder soar in Gebäude und wieder hinausfliegen können. „Fast alles ist möglich, das ist spannend für mich als Piloten und für die Kunden“. Kunden, das sind Privatleute, die Hochzeitsgesellschaften von oben aufnehmen lassen. Das sind Geschäftsleute aus Industrie, Gewerbe, Tourismus, der Immobilienbranche oder von Eventorganisatoren – und die Freunde der Burg Plesse, wie Philipp Matschoß, für den Mehles Eva ein Glücksgriff darstellt. Die Alternative wären teurere Hubschrauberflüge gewesen. „Die Drohne ist flexibler“ so Matschoß im Plesse-Vereinsmagazin.

Das Fliegen und die Aufnahmen mit der hochauflösenden Kamera ist für Michael Mehle nur ein Teil des Jobs. Danach kommt die Arbeit am PC, das Sichten der Aufnahmen, das Schneiden, das Bearbeiten.

Mit „Eva“ hat er eine Passion gefunden. Das Spiel mit der Technik, das Beherrschen des Fluggerätes, das Aufnehmen qualitativ hochwertiger Fotografien – all das liebt Mehle. „Und das aus der Luft alles so anders, so friedlich aussieht.“

Als Pilot wie Fotograf wird der Göttinger immer sicherer. Anfangs war er nervös, wenn sein Octocopter mit den acht Rotoren abhob, heute ist er es nur noch bei schwierigen Bedingungen, dem Fliegen in Hallen oder bei böigem Wind.

Mehle kommt herum mit seiner fliegenden Kamera, die er nicht so gerne Drohne nennt, weil das Wort negativ besetzt ist. Ein Produkt der Arbeit ist ein kleiner Bildband, den Touristen auf Norderney kaufen können. Mit Holger Michel hat er die Luftaufnahmen in Miniaturlandschaften dargestellt. „Mal schauen, ob das läuft“, sagt Mehle, der bodenständige Flieger. Und: Eine Version „Göttingen in Miniatour“ ist in Arbeit.

Von Thomas Kopietz

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