Etwa 40 Teilnehmer

Gedenken an den verstorbenen Thomas Oppermann: SPD verlor wichtige „Führungsfigur“

Gedenkt auf dem Göttinger Stadtfriedhof des ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten: Bundestagsabgeordneter Dr. Andreas Philippi.
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Gedenkt auf dem Göttinger Stadtfriedhof des ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten: Bundestagsabgeordneter Dr. Andreas Philippi.

Der Trompeter spielte einen Choral und ein Tiroler Freiheitslied. Politische Weggefährten legten Kränze nieder. Minutenlang haben am Montagmorgen 40 Menschen schweigend am Grab des ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann (SPD) auf dem Göttinger Stadtfriedhof gestanden. Sie gedachten dessen Todestag.

Göttingen – „Vor einem Jahr bereitete sich Oppermann auf einen abendlichen Fernsehauftritt vor, um dort über die Reform des Bundestagswahlrecht zu sprechen“, sagte Dr. Andreas Philippi, der Oppermanns Nachfolge als Göttinger Bundestagsabgeordneter angetreten hat. Doch plötzlich brach der 66-jährige Jurist zusammen. Ärzte konnten dem Vater von vier Kindern, der wenige Monate zuvor seinen Rückzug aus der Bundespolitik angekündigt hatte, nicht mehr helfen. „Völlig unerwartet“ sei der Tod des „leidenschaftlichen Fußballers und Wanderers“ gekommen, erklärte Philippi.

Die Sozialdemokraten hätten mit Oppermann eine ihrer „wichtigsten politischen Führungsfiguren“ verloren, so der Bundestagsabgeordnete. Mehr als 30 Jahre lang habe der Politiker an der Spitze des SPD-Unterbezirks Göttingen gestanden. Er habe als Landespolitiker und Landesminister, dann als SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und später als Vizepräsident für seinen Wahlkreis „viele Projekte an Land gezogen“. Philippi: „Mit der Kraft eines Löwen kämpfe er für Dinge, von deren Richtigkeit er überzeugt war.“

Der Bundestagsabgeordnete würdigte aber auch Oppermanns Engagement im Stillen. „Er hat sich für verfolgte Politiker weltweit eingesetzt, etwa für den 2016 inhaftierten türkischen Parlamentarier Selahattin Demirtas“, ergänzte Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Der Sozialdemokrat habe sich für Minderheiten wie die kurdische Glaubensgemeinschaft der Jesiden stark gemacht. „Vielen Menschen“ der kurdischen Provinz Afrin in Syrien habe er geholfen, seit diese im März 2018 von der Türkei besetzt worden sei. Das Erdogan-Regime mache dort „mit islamistischen Milizen gemeinsame Sache“ und verletze „systematisch“ Menschenrechte.

Unter den Teilnehmenden war Göttingens ehemaliger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Auch Göttingens scheidender Landrat Bernhard Reuter (SPD), der Oppermann aus der gemeinsamen Studienzeit kennt, nahm Abschied. Er habe einen Freund verloren“, erklärte Reuter. Seit der Grenzöffnung seien sie jedes Jahr auf den Brocken gewandert. Dieses Jahr habe Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Gedenken an den Bundestagsvizepräsidenten zu einer solchen Wanderung auf den höchsten Berg des Landes eingeladen.

Von Michael Caspar

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