Hilfe für Ausländer ohne Krankenversicherung

Geld droht auszugehen: Göttinger Medi-Netz für Migranten braucht Hilfe

Göttingen. Seit 20 Jahren werden Migranten ohne Krankenversicherung vom Göttinger Medi-Netz zu Ärzten vermittelt. Diese Arbeit steht möglicherweise vor dem Aus.

Derzeit werden etwa 80 bis 100 Betroffene, zumeist Frauen, betreut. „Sie sind immer in einer akuten Notlage und benötigen dringend Hilfe“, sagt Rainer Neef, einer der Organisatoren des Vereins.

Besonderes häufig muss sich Medi-Netz um schwangere Frauen aus Osteuropa kümmern, die sich ohne gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland aufhalten. „Einige von ihnen hatten große Schmerzen und mussten schnell behandelt werden“, sagt Neef. Auch die Finanzierung der Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Dienst der Hebammen nach der Geburt wurde bereits von Medi-Netz finanziert. Ein anderes Beispiel: Einem Mann aus Russland wurde mit einem gebrauchten Hörgerät geholfen. Außerdem springt Medi-Netz ein, wenn die Finanzierung einer Behandlung zwischen den Sozialbehörden noch unklar ist.

Probleme hatte auch eine Frau aus Mazedonien: Sie wollte heiraten und hatte dazu einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Doch während der mehrmonatigen Bearbeitung des Antrags mussten eine Gebärmutterzyste und ein massives Problem an den Zähnen behandelt werden. Auch in diesem Fall kam Hilfe von dem Göttinger Verein.

Das große Problem für das neue Jahr: Der Landkreis Göttingen hat seine finanzielle Unterstützung für 2018 komplett eingestellt. Damit fehlen 3500 Euro bei der Finanzierung von Behandlungen. Die Stadt Göttingen hatte bereits 2017 ihre jährliche Unterstützung von 7000 Euro gestrichen.

Rainer Neef

„Ich befürchte, dass uns im Frühjahr das Geld ausgeht und wir keine weiteren Behandlungen oder Medikamente finanzieren können“, sagt Neef. Er hofft, dass die Arbeit des Medi-Netz durch ein erhöhtes Spendenaufkommen weiterlaufen kann. „Bisher bekommen wir darüber etwa 10 000 Euro jährlich. Dieser Betrag müsste deutlich steigen“, macht Neef deutlich. Außerdem starten jetzt verschiedene Spendenaktionen der Aktiven.

Das Medi-Netz hat seine Sprechstunden jeweils donnerstags von 16 bis 18 Uhr im Migrationszentrum an der Weender Straße.

Wer den gemeinnützigen Verein unterstützen will, kann beim Sparkasse Göttingen unter der Konto-Nummer DE38 2605 0001 0000 1415 98 spenden. (bsc)

Kontakt: Verein Medi-Netz, c/o Migrationszentrum Göttingen, Weender Straße 42 (1. Stock), 37073 Göttingen, Tel. 0551/55766.

www.mfh-goe.org

Landkreis: Projekt „Anonymer Krankenschein“ springt ein

Der Landkreis Göttingen erklärte auf Anfrage, dass die Unterstützung gestrichen worden sei, weil für Betroffene ohne Krankenversicherung das Projekt „Anonymer Krankenschein“ einspringt.

Für die Regionen Hannover und Göttingen stehen dafür zusammen 500.000 Euro zur Verfügung. Aus Sicht von Rainer Neef vom Medi-Netz ist diese Regelung nicht ausreichend. Das Problem: Migranten aus EU-Staaten haben keinen Anspruch auf den „anonymen Krankenschein“ und fallen durchs Raster. Grundsätzlich gibt es für diese Gruppe die Notversorgung, die über das Sozialgesetzbuch geregelt ist. Neef: „In der Praxis werden die Betroffenen aber oft im Krankenhaus abgewiesen oder sollen selbst bezahlen, was viele nicht können.“

Rubriklistenbild: © dpa

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