Argumente für und gegen Banken-Hochzeit

Reaktionen auf geplatzte Sparkassen-Fusion in Duderstadt: Ein eindeutiges Votum

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Nach der Entscheidung im Duderstädter Rat ist jetzt klar: Die Sparkasse Hann. Münden wird zunächst weiter eigenständig bleiben.

Das Votum war mehr als deutlich: 29 Duderstädter Ratsmitglieder stimmten am Dienstag gegen die Fusion der Sparkassen Hann. Münden, Duderstadt, Osterode und Bad Sachsa. 

Nur drei waren dafür. Drei weitere Ratsmitglieder enthielten sich.

Schon in der Diskussion vor der Abstimmung war deutlich geworden, dass es Vorbehalte gegen die Fusion und Sympathien für die Selbstständigkeit der Sparkasse Duderstadt gibt: Das Institut habe bereits angemessene Maßnahmen für die Zukunft getroffen, und außerdem funktioniere die Fusion nicht, weil sie gegen die Sparkassen gemacht sei, so die Argumente.

Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte betont, dass auch die anderen regionalen Verantwortungsträger sich ihre Entscheidungen bislang nicht einfach gemacht hätten. „Es war und ist an allen Orten ein intensives Suchen des richtigen Weges“, kommentiert der Rathauschef die Situation. Die Abstimmungen der Räte in Bad Lauterberg (einstimmige Ablehnung), in Osterode (knappe Zustimmung) sowie im Verwaltungsrat Osterode (mehrheitliche Ablehnung) lassen dies aus Sicht von Nolte deutlich erkennen. „Auch die leidenschaftlichen Debatten in Hann. Münden sprechen für sich.“ Diese Ausgangslage galt laut Nolte auch für Duderstadt. „Auch wenn die Gesprächs- und Verwaltungsergebnisse mit den regionalen Partnern objektiv für Duderstadt als durchaus zufriedenstellend, ja sogar als gut bezeichnet werden können, gilt es trotzdem, die demokratisch legitimierte Entscheidung des Stadtrates zu respektieren.“

Thomas Scheffler, Chef der Sparkasse Hann. Münden, macht deutlich: „Die Aufgabe des Vorstandes ist es nun, die Sparkasse Münden eigenständig in eine gute Zukunft zu führen. Die betriebswirtschaftlichen Eckdaten lassen dies zu.“ Er ist „sehr zuversichtlich, dass unsere Kunden die besondere regionale Verbundenheit honorieren werden“, die sich in vielfältigen Kontakten und Begegnungen manifestiert. „Persönlich freue ich mich auf eine spannende Herausforderung in einem insgesamt für die Kreditwirtschaft nicht einfachen Umfeld.“

Duderstadts Sparkassen-Chef U we Hacke war von der Wucht der Abstimmung überrascht. Mit einer solch eindeutigen Entscheidung hatte er nicht gerechnet. Wir akzeptieren selbstverständlich die Entscheidung des Stadtrates. Wir wollen jetzt über die weiteren Schritte mit dem Verwaltungsrat beraten.“ Die Herausforderungen, die zu den Fusionsverhandlungen geführt haben, bleiben bestehen, sagte Hacke mit Blick auf die Niedrigzinsära, die regulatorischen Vorgaben für Banken und die Digitalisierung.

Gleichzeitig betont Hacke: „Die Sparkasse Duderstadt hat die Kraft, selbstständig zu bleiben.“ Im Stadtrat ist entschieden worden, dass wir eigenständig bleiben sollen. Deshalb denken wir momentan nicht über Fusionen nach. Letztlich entscheiden darüber immer die Träger.“

Moritz Braukmüller von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zeigt sich angesichts der Duderstädter Entscheidung sehr zufrieden. „Da ist uns ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt der Gewerkschafter, der eine Fusion sehr kritisch betrachtet. „Jetzt sollten sich Göttingens Oberbürgermeister Köhler und Landrat Reuter auf den Weg machen, eine zukunftsfähige Lösung für alle Sparkassen in Südniedersachsen zu finden.“

Bezeichnet das Votum des Duderstädter Rates als Fehlentscheidung: Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann (SPD).

Als „Fehlentscheidung“ bezeichnet Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann (SPD) das Votum des Duderstädter Rates: „Die kleinen Sparkassen werden auf Dauer nicht bestehen können und gehen in eine ungewisse Zukunft. Der geplante Verkauf der NordLB könnte sie schon innerhalb kurzer Zeit stark belasten.“ Und weiter: §Ob Duderstadt auch in Zukunft zu so günstigen Bedingungen fusionieren kann, ist sehr fraglich. Die Entscheidung des Rates ist auch eine schwere Niederlage für Bürgermeister Nolte, der die Verhandlungen für Duderstadt sehr erfolgreich geführt hatte. Selten hat ein Stadtrat einen Bürgermeister so im Regen stehen lassen."

Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen sieht derzeit keine Notwendigkeit, dass sich sein Institut an einer Fusion der Sparkassen in Südniedersachsen beteiligt, da „eine Fusion aus unserer Sicht derzeit keine Vorteile für uns erbringt“.

Das Oberzentrum Göttingen und seine angrenzenden Gemeinden bietet aus Sicht von Hald durch die „prognostizierte demographische Entwicklung auch künftig die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung“ der Sparkasse Göttingen. Vor diesem Hintergrund habe der Verwaltungsrat beschlossen, mit Michael Birlin die vakante Stelle eines Vorstandsmitgliedes neu zu besetzen.

Unterdessen meldeten sich Dr. Joachim Atzert (SPD), Ulrich Reichel (CDU) und Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener (Freie Wähler) als Mitglieder der Verhandlungskommission zu Wort: „Nach Gesprächen mit dem Oberbürgermeister Köhler und dem Landrat Reuter ist eine Fusion mit der Sparkasse Göttingen keine Option. Fakt ist, dass die Herausforderungen, die die Sparkasse Münden aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen zukünftig zu stemmen hat, gewaltig sind.“

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