Grund ist mögliche Befangenheit

Prozess um Transplantations-Skandal: Gericht beruft einen Schöffen ab

Göttingen. Überraschung im Prozess um den Transplantationsskandal am Göttinger Universitätsklinikum: Das Landgericht Göttingen hat einen der beiden Hauptschöffen wegen Besorgnis der Befangenheit abberufen.

Die Schwurgerichtskammer habe damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen, teilte eine Gerichtssprecherin am Dienstag mit. Die Verhandlung werde mit einer Ersatzschöffin fortgesetzt, die bereits seit Prozessbeginn an allen Verhandlungen teilgenommen hatte.

Anlass für die Abberufung seien zwei Gespräche zwischen dem Schöffen und dem angeklagten Transplantationschirurgen, in denen es um eine Handverletzung ging, die sich der Schöffe vor einiger Zeit bei einem Treppensturz im Landgericht zugezogen hatte.

Lesen Sie auch

- Prozess um Göttinger Transplantations-Skandal: Gericht stützt Gutachter

Der Schöffe sei darüber in einer Sitzungspause im Fahrstuhl mit dem Angeklagten ins Gespräch gekommen, als beide auf dem Weg in die Kantine waren. In einem späteren Telefonat habe sich der Schöffe einen Spezialisten für Handchirurgie benennen lassen, der auch einmal den Angeklagten behandelt hatte.

Der frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie muss sich seit August 2013 wegen versuchten Totschlages in elf Fällen sowie vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten. Er soll veranlasst haben, dass Patienten fälschlicherweise gegenüber der Stiftung Eurotransplant als dialysepflichtig gemeldet wurden, um ihnen so schneller zu einer Spenderleber zu verhelfen.

Außerdem soll er drei Patienten eine Leber eingepflanzt haben, obwohl eine Transplantation medizinisch nicht angezeigt gewesen sei. Diese waren später an Komplikationen verstorben.

Ein Ende des Prozesses ist noch nicht absehbar. Die Kammer hat inzwischen Verhandlungstermine bis Mitte Oktober anberaumt. (pid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.