Vier Teams, 167 Städte, 23.000 Probanden

Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit machte in Göttingen Halt

Alles im Fluss: Ärztin Laura Ivanovas überprüft mit dem Ultraschallgerät die Hauptschlagader von Studienteilnehmer Nico. Anhand von Dicke und Struktur der Gefäßwand soll die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter berechnet werden. Fotos: Paul

Göttingen. Für eine gesunde Zukunft war das Robert-Koch-Institut mit vier Medizinern im Göttinger Stadthaus zu Gast. Sie haben dort Kinder und Jugendliche unter die Lupe genommen.

Denn Gesundheit ist eines der wichtigsten Güter, die ein Mensch von Kindesbeinen an besitzen kann. Daher beschäftigt sich das Robert-Koch-Institut (RKI) mit ihrer umfassenden Erforschung - auch in Göttingen.

Vier Expertenteams erheben für die KiGGS-Studie bundesweit in 167 Städten Daten zur gesundheitlichen Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. „Wir wollen die Gesundheit junger Menschen möglichst repräsentativ darstellen“, berichtet Teamleiterin und Ärztin Laura Ivanovas, „daher werden alle Altersklassen und sozialen Schichten, verschiedene Kulturen und Volksgruppen einbezogen.“ Das führe auch dazu, dass nicht selten Probanden mit Migrationshintergrund teilnehmen. „Die Sprachbarrieren stellen uns immer wieder vor Herausforderungen, aber bislang konnten wir sie alle meistern“, so die Medizinerin.

Um umfassende und verlässliche Kenntnisse über die gesundheitliche Lage in Deutschland zu bekommen, dürfe für das Gesundheitsmonitoring kein Bundesland nur zu einer bestimmten Jahreszeit besucht werden. „Im Winter gibt es mehr Grippefälle, im späten Frühling vor allem Allergieschübe“, weiß Ivanovas. Wenn man zum Beispiel alle niedersächsischen Studienteilnehmer nur zur Pollenflugzeit untersuchen würde, verfälsche dies das Ergebnis. „Dann wären mehrere Jahre Forschung am Ende für die Katz.“ Denn KiGGS ist als Langzeit-Studie angelegt.

Los ging es mit der Basiserhebung, die von 2003 bis 2006 als Kombination von Untersuchungen und Befragungen statt fand. Welle 2, die bis Ende 2016 läuft, ist genauso aufgebaut. KiGGS Welle 1 hingegen fand als Telefonbefragung zwischen 2009 und 2012 statt. Insgesamt sollen 23 000 Personen an der Studie teilnehmen. „Wer 2003 bereits als Kleinkind dabei war, wird als junger Erwachsener wieder eingeladen“, erläutert Ivanovas.

Schwerpunkte der Studie sind der Einfluss von Lebensbedingungen auf die Gesundheit, Schutz- und Risikofaktoren für das persönliche Wohlbefinden sowie die Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems. „Aus all diesen Daten lässt sich auch herauslesen, worin die Stärken und Schwächen der aktuellen Gesundheitspolitik bestehen“, erklärt Ivanovas. Aber auch, in welche Bereiche mehr Geld fließen müsse und ob sich bestimmte Krankheiten ausbreiten.

Die Studie des RKIs wird von der Tilch-Gruppe unterstützt, die mit dem Stadthaus die Göttinger Lokalität zur Verfügung gestellt hat. „Dass wir an dieser Stelle eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums unterstützen konnten, hat uns Freude bereitet“, sagte Geschäftsführer Jens Betker. „Denn wir betrachten dies als Teil unseres sozialen Engagements für und in unserer Region.“ Für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen werde sich die Tilch-Gruppe immer einbringen, sei aber insgesamt „generationenübergreifend tätig, vom Mehrgenerationenhaus bis hin zum Pflegeheim.“

Von Jasmin Paul 

Hintergrund

Das Robert-Koch-Institut wacht über die Gesundheit 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) engagiert sich in Sachen Gesundheit, insbesondere durch so genanntes Gesundheitsmonitoring. Der Begriff bedeutet, dass das RKI durch Beobachtung und Wertung von gesundheitsrelevanten Ereignissen rechtzeitig für Risiken sensibilisieren kann. Außerdem macht es die Menschen darauf aufmerksam, wie wichtig gesundheitsbewusstes Handeln für Einzelpersonen und die Gesellschaft ist.

Auch bundesweit laufende wissenschaftliche Studien sind ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitsmonitorings. KiGGS bildet dabei zusammen mit der „Studie zur Gesundheit von Erwachsenen in Deutschland“ (DEGS) und „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) die drei wichtigsten Säulen der Forschung. Damit können Trends und Veränderungen der gesundheitlichen Lage herausgefunden werden.

Die Studien sind besonders aussagekräftig, da sie im Regelfall Befragungen mit medizinischen Untersuchungen, Tests und Laboranalysen verknüpfen - und das über einen Zeitraum von mehreren Jahren. (jap)

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