Sexuelle und häusliche Gewalt

Beratungszentrum hilft Frauen in Not

Beratungszentrum
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Helfen Frauen in schwierigen Situationen: Das Team des Beratungs-und Fachzentrums sexuelle und häusliche Gewalt.

Göttingen. Gewalt hinterlässt Spuren. Direkt nach der Tat am Körper, später dann in der Seele. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um häusliche oder sexuelle Gewalt handelt. Für Betroffene ist es schwierig, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen. Sie fühlen sich schuldig, ihnen ist peinlich, was sie erfahren haben.

Damit sie trotzdem eine Möglichkeit haben, über Erlebtes zu reden, gibt es in Göttingen seit 25 Jahren einen Frauen-Notruf: das Beratungs- und Fachzentrum sexuelle und häusliche Gewalt.

„Die Frauen können anrufen, wenn sie Hilfe brauchen, auch anonym“, erklärt Maren Kolshorn, „wir vereinbaren aber auch persönliche Termine.“

Niemand muss alles erzählen

Kolshorn ist Diplom-Psychologin und seit Beginn des Notrufes dabei. Sie hat über die Jahre hinweg mitbekommen, wie schwierig es für die Frauen ist, sich zu öffnen und von Erlebtem zu erzählen. Deshalb fordern weder sie noch ihre sieben Kolleginnen, dass jemand alles offenlegen muss. „Die Frauen müssen nicht direkt über das reden, was ihnen passiert ist.“ Oftmals wird einfach nur darüber gesprochen, welche Probleme sich durch die Erfahrungen im Alltag ergeben oder wie die gesetzliche Lage aussieht.

Die Hilfe gibt es zudem schnell: „Innerhalb von ein, spätestens zwei Wochen bekommt jede Frau einen Termin“, sagt Kolshorn. Denn wenn sich eine Betroffene erst einmal durchgerungen haben, den Frauen-Notruf zu wählen, muss sofort gehandelt werden. „Nach zwei Monaten ist der Mut sonst wieder weg.“ Bis zu zehn persönliche Gespräche sind dann möglich, angerufen werden kann darüber hinaus weiterhin. „Unsere Hilfe wird dankbar angenommen“, sagt Kolshorn.  

Das sei zum einen dem geschulten Personal verbunden, zum anderen auch der Verschwiegenheit: „Wir unterliegen der Schweigepflicht.“ Zudem wird den Frauen keine Vorwürfe gemacht noch etwas vorgeschrieben.

„Natürlich ist es manchmal frustrierend, über wie viele Jahre hinweg manche Frauen häusliche Gewalt erleben“, sagt Kolshorn, „aber auch kleine Fortschritte bedeuten ein Vorwärtskommen, das sind unsere Lichtblicke.“

Schokolade als Soforthilfe

Kolshorn und ihre Kolleginnen haben sich ein dickes Fell angelegt, um mit den täglichen Schilderungen zurechtzukommen. Zudem sind die Räume alle in bunten Tönen eingerichtet, in jedem Zimmer steht für die Soforthilfe ein Teller mit Schokolade. „Das Thema ist düster genug, da tun freundlich eingerichte Zimmer sowohl den Frauen als auch uns gut“, sagt Kolshorn.

Finanziert wird der Frauen-Notruf durch die Stadt und den Landkreis Göttingen, durch das Land Niedersachsen und durch Spenden.

Hilfe für Kinder

Wird Frauen zuhause Gewalt angetan, leiden darunter auch die Kinder. Damit die mit diesen traumatischen Erfahrungen nicht alleine bleiben, bietet der Frauen-Notruf unter dem Titel „Phoenix“ seit sechs Jahre eine Kinder- und Jugendberatung an.

„Wir erklären, was gerade passiert,“ sagt Maren Kolshorn, Diplom-Psychologin, „was die Polizei macht, wie es der Mutter geht, vor allem aber auch, wie es dem Kind geht.“ Dabei wird nicht nur mit Mädchen, sondern auch mit Jungen zusammengearbeitet: „Dieses Projekt ist einzigartig in Deutschland.“

Geholfen wird zudem auch Kindern und Jugendlichen, die selbst Gewalt erfahren haben, ob sexuelle oder häusliche: „Jedes vierte Mädchen in Deutschland ist statistisch gesehen von sexuellem Missbrauch betroffen, bei den Jungen ist es jeder Zehnte.“ Vor allem für Jungen sei es schwierig, um Hilfe zu bitten.

Hilfe und Spenden

Der Frauen-Notruf ist montags, mittwochs und freitags von 9.15 bis 11.15 Uhr und donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr unter 0551 / 44 68 4 zu erreichen. Informationen unter www.Frauen-Notruf-Goettingen.de. Die persönlichen Beratungstermine sind kostenlos. Spendenkonto: 507 236, Sparkasse Göttingen, Bankleitzahl: 260 500 01.

Bundesweit gibt es ebenfalls ein rund um die Uhr erreichbares Hilfstelefon: 0 8000 116 016

Von Constanze Wüstefeld

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