Urteil des Landgerichts Göttingen

Gewaltattacke nach gemeinsamer Nacht: Bewährungsstrafe für 29-jährigen Göttinger

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wurde der 29-Jährige verurteilt.
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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wurde der 29-Jährige verurteilt. (Archivfoto)

Das Landgericht Göttingen hat einen 29-Jährigen wegen einer Gewaltattacke gegen eine Frau in deren Göttinger Wohnung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Göttingen – Der Göttinger war ursprünglich auch wegen Vergewaltigung und Nötigung angeklagt gewesen. Die Kammer sah aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nur den Vorwurf der Körperverletzung als erwiesen an, ansonsten sei der Angeklagte freizusprechen. Als Bewährungsauflage soll der Angeklagte einen Anti-Gewalt-Kurs absolvieren und insgesamt 1200 Euro an die betroffene Frau zahlen.

Der Angeklagte hatte in dem Prozess eingeräumt, die zehn Jahre ältere Frau im September 2019 in deren Wohnung durch Schläge verletzt zu haben. Zuvor hatte er bei ihr die Nacht verbracht. Die genauen Abläufe in dieser Nacht habe man in der Verhandlung nicht klären können, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Koller.

Auch die Art ihrer Beziehung sei unklar geblieben. Beide hätten sich seit geraumer Zeit gekannt und regelmäßig getroffen, der Angeklagte sei wohl in sie verliebt gewesen. In jener Nacht hätten sie auch Geschlechtsverkehr gehabt. Ob dies gegen den Willen der Frau geschehen sei, wie von ihr behauptet, habe sich indes nicht feststellen lassen. Die Aussagen der Frau seien nicht konstant und auch nicht detailliert gewesen.

Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter hatte der Angeklagte angegeben, dass sie in der Nacht mehrere Flaschen Wein getrunken und gemeinsam Kokain konsumiert hätten. Am Morgen sei es dann zum Streit gekommen. In dessen Verlauf habe die Frau ihm eine Halskette abgerissen, die ihm einst seine Mutter geschenkt habe und die ihm deshalb viel bedeute. Daraufhin sei er ausgerastet.

Der 29-Jährige hatte am Abend nach dem Vorfall die Frau kontaktiert und sich für seinen Gewaltausbruch entschuldigt. Diese Reue sei ebenso wie das Geständnis zu seinen Gunsten zu werten, sagte der Vorsitzende Richter. Zu seinen Lasten sei allerdings zu werten, dass er mit erheblicher Wucht und Intensität zugeschlagen und auf die Frau eingeprügelt habe. Diese habe nicht nur erhebliche körperliche Blessuren erlitten, sondern leide auch unter den psychischen Folgen. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft sei und zur Tatzeit unter Bewährung gestanden habe, sagte Koller. Aus diesen Gründen sei man in dem Urteil über die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinausgegangen. Diese hatten eine geringere Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert. (Heidi Niemann)

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