Göttinger-Gruppe-Überbleibsel wird abgerissen

„Glaspalast“ der Securenta in Göttingen zerbricht: Mega-Projekt geplant

Einstiges Prestigeprojekt der Göttinger Gruppe, Securenta AG
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Einstiges Prestigeprojekt der Göttinger Gruppe, Securenta AG: Die insolvente Gesellschaft hat als sichtbaren Nachlass einen Glasplalast im Industriegebiet Siekhöhe nahe der A 7 in Göttingen hinterlassen.

Im Industriegebiet auf der Siekhöhe nahe der A 7 in Göttingen haben die Abrissarbeiten am „Glaspalast“ begonnen – das Gebäude steht symbolisch für den Untergang der „Göttinger Gruppe“ und „Securenta AG“, die in einen der größten Finanzskandale in Nachkriegsdeutschland verstrickt war.

Göttingen – Hunderttausende Anleger verloren ihr Geld, insgesamt mehr als eine Milliarde Euro. Im Juni 2007 meldete die Göttinger Gruppe Insolvenz an. Das juristische Nachspiel läuft noch immer, tausende Klagen sind nicht geklärt. An der Siekhöhe bauten die Verantwortlichen sich einen pompös-modernen Firmensitz. Es blieb beim Rohbau, fertig wurde das Gebäude nie – jetzt beginnen nach dem Kauf des Geländes durch die Göttinger Projektentwicklungsgesellschaft EBR die Abrissarbeiten.

Der Grundstein für die als „Glaspalast“ bekannt gewordene Bauruine war am 3. September 1999 gelegt worden. 30 Millionen D-Mark sollte das Gebäude für die Securenta AG, die Hauptgesellschaft der Göttinger Gruppe, einst kosten.

Die Projektentwicklungsgesellschaft EBR aus Göttingen hatte das Grundstück im September 2018 gekauft und möchte auf dem 32 000 Quadratmeter – das sind etwa vier Fußballfelder – großen Areal zwischen Herbert-Quandt-Straße und Anna-Vandenhoeck-Ring das „InnovationsQuartier Göttingen. Herbert-Quandt-Straße“ realisieren. Ziel sei es, einen „richtungsweisenden Technologie- und Wirtschaftscampus“ zu entwickeln, heißt es auf der Homepage der Gesellschaft. Man setze auf intelligente und flächeneffiziente Gebäudekonzepte in umweltfreundlicher und nachhaltiger Bauweise.

Neben sechs Labor- und Bürogebäuden sowie einem Materiallager und Parkhaus mit 16 000 Quadratmeter Grundfläche ist auch ein Quartiersplatz geplant. Leuchtturmprojekt ist der Bau eines sogenannten Bosco Verticale. Bei diesem „senkrechten Wald“ handelt es sich um ein begrüntes Gebäude mit bis zu 15 Etagen. Durch umfassende Balkonbewaldung aus Bäumen, Büschen und Pflanzen und der Fassade ist das Gebäude Sauerstoffproduzent, Schmutz- und Lärmfänger und Lebensraum für eine Vielzahl an Vogel- und Insektenarten. In Mailand stehen bereits zwei Hochhäuser nach demselben Entwurf.

In den Göttinger Verwaltungsgremien wurde im Oktober 2019 die maximale Anzahl der Vollgeschosse jedoch auf zunächst sieben vorgeschlagen – 15 sind demnach nicht möglich. Auch müsse EBR zunächst prüfen, ob die vorgesehene Hochhausbebauung rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar ist.

Von hinten wird abgerissen: Das nie fertiggestellte Prestige-Projekt und geplanter Verwaltungssitz der Göttinger Gruppe, Securenta AG, wird nach dem Kauf durch Projektentwickler EBR nun abgerissen. Das Unternehmen ist lange insolvent. Tausende Klagen von Anlegern, die Geld verloren, stehen noch an.

Die Realisierung des Projekts sei für EBR ohnehin zunächst ein umfassendes Forschungsprojekt, in dem die Voraussetzungen für den ersten Bosco Verticale in Deutschland nachgewiesen werden müssen, heißt es auf der Unternehmens-Homepage. Die EBR hat auch das Gelände am Groner Tor mit Hotel Freigeist und Sparkassen-Forum realisiert. Für Ärger sorgten groß angekündigte Pläne um die Bebauung des ehemaligen Geländes des Institutes für den wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnentstieg und der Teilweiterverkauf an einen anderen Investor. Dort tut sich seit dem Abriss vor einem Jahr nichts.

Eines steht aber fest: An der Siekhöhe tut sich etwas. Dort wo 20 Jahre der Rohbau der Securenta AG hinter einem Bauzahn quasi als Mahnmal stand, den sich die Natur Stück für Stück zurückgeholt hat. (ysr/tko)

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