Rittmarshausen

Hoher Ertrag, viele Insekten: Projekt „Finka“ fördert Biodiversität – auch in der Region Göttingen

Markus Gerhardy, Johannes Müller, Christoph Müller, Heinrich Klingelhöfer und Vera Kühlmann stehen auf einem Feld zwischen Ackerpflanzen vor einem landwirtschaftlichen Fahrzeug
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Arbeiten ökologisch (von links): Markus Gerhardy, Johannes Müller, Christoph Müller, Heinrich Klingelhöfer und Vera Kühlmann.

Die Biodiversität auf Ackerflächen fördern – das ist das Ziel des Projekts „Finka“, bei dem ökologische und konventionelle Höfe zusammenarbeiten, auch in der Region Göttingen.

Rittmarshausen – Wie können die positiven Auswirkungen, die Biohöfe auf die Biodiversität haben, auch von klassisch wirtschaftenden Betrieben erreicht werden in einer Art Hybrid-Landwirtschaft? Und was können Biobauern von ihren konventionellen Landwirtskollegenlernen?

Im Projekt FINKA (Förderung von Insektenvielfalt auf Ackerflächen) arbeiten niedersachsenweit 30 Betriebspaare aus ökologisch und konventionellen Höfen zusammen, um das herauszufinden. In der Region Göttingen sind es Heinrich Klingelhöfer (Groß Lengden)und sein Kollege Christoph Müller-Oelbke aus Etzenborn.

Projekt „Finka“ in der Region Göttingen: Chemischen Pflanzenschutz reduzieren

Im Kern geht es in dem Projekt darum, dass der chemische Pflanzenschutz weiter reduziert werden soll zum Schutz der Insektenvielfalt. Dazu bewirtschaften Klingelhöfer und Müller-Oelbke gemeinsam eine gut drei Hektar große Ackerfläche am Ortsrand von Rittmarshausen.

Ausgesät mit Weizen und gedüngt wurde sie im Herbst von Klingelhöfer, seit der Saat aber bewirtschaften beide Landwirte die Flächen je zur Hälfte separat in ihrer jeweiligen Wirtschaftsweise.

Während Klingelhöfer Insektizide und Herbizide eingesetzt hat, um die Schadinsekten sowie Unkräuter und Ungräser in Schach zu halten, hat Müller-Oelbke die Unkräuter in drei Durchgängen mit Striegel und Hacke mechanisch bekämpft.

Projekt „Finka“ in der Region Göttingen: Projekt läuft fünf Jahre

Nach der Ernte wird abgerechnet: Wie viel Weizen wurde auf jeder Teilfläche geerntet? Und welche Kosten sind bei der Bewirtschaftung angefallen? Ist am Ende gar ein geringerer Ertrag auf der ohne Chemie bewirtschafteten Fläche zu verkraften, weil im Gegenzug auch teure Pflanzenschutzmittel eingespart wurden?

Das Projekt, das zunächst auf fünf Jahre läuft und in Südniedersachsen von Vera Kühlmann (Netzwerk Ackerbau Niedersachsen) koordiniert wird, soll Öko- und konventionelle Betriebe zusammen bringen.

Getragen und gefördert wird es vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt, mitfinanziert vom Land Niedersachsen, um miteinander und voneinander zu lernen im Sinne eines besseren Insektenschutzes.

Projekt „Finka“ in der Region Göttingen: Nicht nur für Landwirte, auch für Natur

Am Ende sollen sich die Landwirte austauschen: Was hat gut funktioniert, was nicht? Welche technischen Lösungen gibt es? Wo kann künftig eventuell auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden?

Doch ausgewertet werden die Ergebnisse nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Natur. Über Kameras, Fallen und Nisthilfen werden die Insekten auf den Flächen bestimmt. Auch die Ackerbegleitflora wird erfasst, um herauszufinden, welche Auswirkung die geänderte Wirtschaftsweise auf die Insektenwelt hat.

Projekt „Finka“ in der Region Göttingen: Landvolk ist Verbundpartner

Achim Hübner, Geschäftsführer beim Landvolk Göttingen

Achim Hübner, Geschäftsführer beim Landvolk Göttingen, das als Verbundpartner mit im Boot sitzt, gibt jedoch zu Bedenken, dass für mehr Insektenschutz auch Aufklärungsarbeit und ein Umdenken in den Köpfen der Verpächter stattfinden müsste – vor allem bei denen, die früher selber Landwirtschaft betrieben hätten.

Viele wollten es akkurat und sauber auf den Feldern haben – Weizenfelder mit Klatschmohn und Kamille, die Insektenstiche seien, seien nicht im Auge eines jeden Betrachters schön. (Christian Mühlhausen)

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