Göttingen und ein Jahrhundert Händel

Das Musikgenie, das nie in Göttingen war - 100 Jahre Händel Festspiele im Städtischen Museum

Freude über eine ganz besondere Ausstellung: Im Städtischen Museum sind unter dem Titel „Händel_Göttingen_1920“ 100 Jahre Händelfestspiele zu sehen und hören. Maßgeblich beteiligt daran sind von links Kuratorin Andrea Rechenberg, Festspiele-Intendant Tobias Wolff sowie Museumsleiter und Historiker Dr. Ernst Böhme.
+
Freude über eine ganz besondere Ausstellung: Im Städtischen Museum sind unter dem Titel „Händel_Göttingen_1920“ 100 Jahre Händelfestspiele zu sehen und hören. Maßgeblich beteiligt daran sind von links Kuratorin Andrea Rechenberg, Festspiele-Intendant Tobias Wolff sowie Museumsleiter und Historiker Dr. Ernst Böhme.

Am 23. Februar startet die Ausstellung "Händel_Göttingen_1920" im Städtischen Museum. Was Göttingen mit dem Musikgenie Händel zu tun hat, wird dort beantwortet.

Göttingen – 15 Minuten sollte der Film lang werden. 15 Minuten für 100 Jahre Geschichte. 100 Jahre Händel-Festspiele Göttingen. Es wurden eine 40-minütige Zeitreise durch eine spannende Historie eines Festivals, das „nur hier in Göttingen so entstehen konnte“, wie Andrea Rechenberg sagt.

Sie hat die am Sonntag, 23. Februar, im Städtischen Museum startende und – so viel sei vorweg gesagt: hoch interessante – Ausstellung „Händel_Göttingen_1920“ kuratiert. 

Händel-Festspiele: „Was haben eigentlich die Händel-Festspiele mit Göttingen zu tun?“

Damit will das Museum nicht nur die vielen Händel-Fans erreichen, sondern vielmehr auch die Göttinger und Südniedersachsen, „die mit den Festspielen, dem Musikgenie Händel wenig anfangen können und sich laut Rechenberg fragen: „Was haben eigentlich die Händel-Festspiele mit Göttingen zu tun?“

Dass dieses Ziel erreicht wird, davon ist Rechenberg auch überzeugt, weil viele Menschen die Musik oder Stücke von Händel kennen – wie Feuerwerk- und Wassermusik sowie den Messias. „Irgendetwas davon haben alle schon einmal gehört.“

Händel-Festspiele: Händel selbst war nie in Göttingen

Nun ist die Beziehung der Göttinger zu Georg Friedrich Händel, der kurioserweise Zeit seines Lebens nie in Göttingen war, eine besondere. In Göttingen entstanden dank Oskar Hagen und engagierten Bürger Händel-Festspiele – mit der Aufführung von der durch Hagen stark bearbeiteten Oper „Rodelinde“ am 25. Juni 1920 im Deutschen Theater. Das Festival überstand Kriege und hielt sich bis heute: 100 Jahre später gilt es als ältestes Barockmusik-Festival Deutschlands.

Mehr noch: Göttingen ist auch Fixpunkt der Wiederentdeckung langer Zeit nicht beachteter Händel-Opern. In Fachkreisen wird dieses als „Göttinger Händel-Renaissance“ bezeichnet, eine Bewegung, die damals und heute getragen wurde von vielen Bürgern.

Aufbruchstimmung in Göttingen um 1920

„Diese Händel-Festspiele konnten sich so nur in Göttingen entwickeln“, sagt Andrea Rechenberg deshalb. Auch, weil es hier die Unterstützung vieler gab und des Universitätsbundes. Und, weil nach den Kriegswirren 1920 auch in Göttingen das kulturelle Leben erwachte, so etwas wie eine Aufbruchstimmung zu spüren war.

Das wird deutlich in der Ausstellung, wo auch neu entdeckte Exponate wie Schriftstücke und Tagebücher zu sehen sind, auf Stelen die Protagonisten der Festspiele in deutscher und englischer Sprache vorgestellt werden, Plakate sowie wunderbare Schwarz-Weiß- Fotos eindrucksvoll aus der jüngeren und älteren Historie erzählen.

Händel-Festspiele: 40-minütiger Film gibt Einblicke

100 Jahre Händel-Festspiele laufen dort in mehreren Räumen sowie via Film in 40 Minuten ab: „Vom lokalen Projekt zu einem internationalen Event“, lautet der Titel des Films, der auch nicht Händel-Experten, interessante Einblicke in das Innenleben und die Historie der Festspiele, aber auch in das städtische Leben. 

Sonderausstellung im Museum: Gezeigt wird bei „Händel_Göttingen_1920“ auch ein Film über 100 Jahre Händel-Festspiele. Kuratorin Andrea Rechenberg, die Filmemacher Oliver Bcker und Fabian Fess stellten ihn vor.

Fundierte Gesprächspartner sind dabei auch der Tobias Wolff, Andrea Rechenberg, Petra Vintrova vom Uni-Archiv, der begeisterte Festspiele-Unterstützer Reinalt Schlemm sowie der exzellente Stadtgeschichte-Kenner Ernst Böhme zu Wort kommen – und von Anekdoten wie auch den Verwicklungen unguter Zeiten wie nach 1933 berichten und von den auch höchst unterschiedlichen Epochen unter verschiedenen künstlerischen Leitern.

Händel_Göttingen_1920: Sehenswerte Ausstellung - natürlich mit Händel-Musik

Die professionellen Filmemacher Oliver Becker und Fabian Fess hat all das fasziniert, was in den Interviews zu spüren ist und in dem Film transportiert wird. Begeisternd sind die Schlussszenen, gedreht hinter den Kulissen der 2019er-Festspieloper-Aufführung „Rodrigo“. Sie macht Lust auf mehr, auf die Händel-Festspiele 2020. Und das ist auch ein Verdienst. Die Ausstellung liefert ein Übriges, sie ist sehens- und hörenswert, denn die wunderbare Musik Händels ist natürlich auch zu hören.

Städtisches Museum, Ritterplan 7-8, Sonderausstellung „Händel_Göttingen_1920“, 23. Februar bis 11. Dezember, Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa. und So. 11 bis 17 Uhr, während der Händel-Festspiele (20. Mai bis 1. Juni) täglich. Es gibt auch Zusatzveranstaltungen Informationen gibt es unter: museum.goettingen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.