Mindestens 400.000 Euro erbeutet

Hobby-Rapper brauchten Geld für ein Tonstudio: Bande plündert im großen Stil Privatkonten im Online-Banking

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Göttinger Beamte überführten die Betrüger: Die Bande soll Privatkonten beim Online-Banking geplündert haben, um davon ein Tonstudio zu finanzieren.

Sie brauchten Geld für ihr Tonstudio. Deshalb sollen zwei Hobby-Musiker zusammen mit Komplizen beim Online- und Telebanking mindestens 400.000 Euro von Privatkonten geplündert haben.

Update um 17.24 Uhr - Cybercrime-Ermittlern der Staatsanwaltschaft Göttingen und der Polizeiinspektion Braunschweig ist ein Schlag gegen eine international agierende Betrügerbande gelungen. Mit dem online erbeuteten Geld wurde offenbar ein professionelles Tonstudio finanziert. 

Die Polizei nahm bei Durchsuchungen in Langenhagen, Seelze, Goslar, Achim und Hamburg drei Männer wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betruges fest. Die mutmaßlichen Haupttäter – ein 30-jähriger Student aus Langenhagen, ein 28-jähriger Banklehrling aus Seelze und ein 29-Jähriger aus Goslar – wurden am Donnerstag dem Haftrichter des Amtsgerichts Göttingen vorgeführt und sitzen jetzt in Untersuchungshaft. 

Nach einem Mittäter wird noch gefahndet

Ein 29-Jähriger aus Achim wurde richterlich vernommen, nach einem weiteren bislang unbekannten Mittäter werde noch gefahndet, teilten die Ermittler am Freitag mit. Die Polizei hatte seit mehr als einem Jahr gegen die mutmaßlichen Cyberkriminellen ermittelt und im großen Stil Telefonanschlüsse und Online-Kommunikation überwacht. 

Polizei konnte rund 160.000 Euro sichern und zurückholen

Die Bande soll mit Hilfe betrügerisch erlangter Daten per Tele-Banking auf Konten von Bankkunden zugegriffen und insgesamt etwa 390.000 Euro ins Ausland transferiert haben. Die Polizei habe im Zuge ihrer Ermittlungen rund 160.000 Euro sichern und an die Geschädigten zurückgeben können, außerdem seien bei den Durchsuchungen weitere 100.000 Euro in bar beschlagnahmt worden, sagte der Göttinger Staatsanwalt Ehsan Kangarani. 

In Göttingen ist die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität angesiedelt

Die Staatsanwaltschaft Göttingen ist mit dem Fall befasst, weil dort die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität im Bezirk des Oberlandesgerichts Braunschweig angesiedelt ist. Der 30-jährige mutmaßliche Haupttäter soll mit dem ergaunerten Geld teure Geräte für ein professionelles Tonstudio angeschafft haben, das er im Keller seiner Wohnung in Langenhagen eingerichtet habe. 

Die beiden Haupttäter sind Hip-Hop- und Rap-Musiker 

Sowohl der 30-Jährige als auch der ursprünglich aus Goslar stammende 28-Jährige aus Seelze hätten sich als Hip-Hop- und Rap-Musiker betätigt, sagte Kangarani. Beide hätten bislang keine Angaben gegenüber den Ermittlern gemacht, die beiden anderen Tatverdächtigen hätten dagegen ausgesagt.

Der 29-Jährige aus Achim soll den beiden mutmaßlichen Haupttätern die persönlichen Daten von vermögenden Bankkunden zugespielt haben. Diese Daten inclusive PIN-Nummern habe er sich im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit für ein Dienstleistungsunternehmen verschafft, sagte Kangarani. Gegen ihn werde wegen Ausspähens von Daten sowie Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen ermittelt.

Erbeutete Geld wurde über Bitcoin-Konten ins Ausland transferiert

Das von der Bande erbeutete Geld wurde binnen Minuten auf Bitcoin-Konten in Litauen, Estland, den USA und Großbritannien transferiert, sagte Staatsanwalt Kangarani. Als ein Bankkunde den Verlust bemerkte, ließen sich noch 20.000 Euro zurückholen, 100.000 Euro seien dagegen „ins Nirwana verschwunden“ gewesen.

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