Vorfälle in Göttingen

Rechtsextreme Botschaft: Drohbriefe an mehrere Parteien gesendet - Interview mit Politiker

In Göttingen haben drei Parteien Drohbriefe erhalten - darin war neben einer rechtsextremen Botschaft auch ein unbekanntes Pulver.
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In Göttingen haben drei Parteien Drohbriefe erhalten - darin war neben einer rechtsextremen Botschaft auch ein unbekanntes Pulver.

In Göttingen erhielten gleich drei Parteien einen Drohbrief mit einem unbekannten Pulver. In den Briefen stand eine rechtsextreme Botschaft. Nun äußert sich ein Politiker zu diesen Vorfällen.

  • In Göttingen erhielten drei Parteien Drohbriefe mit unbekannten Substanzen.
  • Von der Aktion waren die Grünen, die FDP und Die Linke betroffen.
  • Die Drohbriefe enthielt zudem eine rechtsextreme Botschaft.

Update vom Dienstag, 09.06.2020, 07.48 Uhr: Der Göttinger Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der FDP, Konstantin Kuhle äußerte sich nun im Interview zu den Drohbriefen an die Parteibüros in Göttingen (Niedersachsen), die am Donnerstag (04.06.2020) für Unruhe und Polizeieinsätze sorgten. Inhalt der Briefe: Drohungen und undefinierbares Pulver.

Göttingen: Feuerwehr muss wegen Drohbriefen mehrfach ausrücken

Erstmeldung vom Donnerstag, 04.06.2020, 16.17 Uhr: Göttingen -  Mindestens dreimal musste der Gefahrstoffzug der Berufsfeuerwehr Göttingen am Donnerstag (04.06.2020) ausrücken, weil Briefe mit einer unbekannten Substanz an drei Parteien geschickt wurden. Betroffen waren die Grünen, die FDP und Die Linke. 

Auch in Hameln ist offenbar mindestens ein verdächtiger Brief aufgetaucht. Der erste Einsatz ereignete sich gegen 10.10 Uhr in der Geschäftsstelle der Grünen an den Wendenstraße in der Innenstadt Göttingen.

Göttingen: Drohbriefe mit unbekanntem Pulver an Parteien

„Wir haben einen Brief bekommen, der an unsere Geschäftsführerin adressiert war“, sagte Gregor Kreuzer, Vorstandsprecher der Grünen in Göttingen. Der Absender sei nicht bekannt und ist eine scheinbar gefälschte Adresse.

„Schon beim Öffnen haben wir gemerkt, dass mehr als ein Schreiben in dem Brief war. Zunächst haben wir aber an Samen gedacht.“ Es handelte sich um ein geruchloses, krümeliges Pulver, so Kreuzer.

Göttingen: Drohbriefe an Parteien enthielten rechtsextreme Botschaft

Auf einem Zettel stand handgeschrieben, dass die Grünen die schlimmsten Juden in Göttingen seien und man sie vergasen solle. Weiterhin ist zu lesen, dass der ganze Corona-Wahnsinn nur genutzt werden, um noch mehr Kanacken ins Land zu holen. 

Das Schreiben endet mit einem Hakenkreuz und den Ziffern 18 und 88, bekannte Symbole in der rechtsradikalen Szene. „Wir lassen und nicht einschüchtern“, twittert Bundestagsmitglied Jürgen Trittin (Grüne) am Mittag. „Ein faschistischer Drohbrief mit weißem Pulver – darum bleibt mein Wahlkreisbüro und das ganz Grüne Zentrum Göttingen vorerst auf Bitten von Polizei und Feuerwehr geschlossen.“

Göttingen: Gebäude wurde wegen Drohbriefen evakuiert

Polizei und Feuerwehr evakuierten das Gebäude und stellten den Brief sicher. Später wurde auch das Landeskriminalamt (LKA) hinzugezogen, unter anderem um zu ermitteln, um was für einen Stoff es sich handelt.

Nach Auskunft von Gregor Kreuzer von den Grünen in Göttingen soll sich bereits der Innenausschuss des Landes Niedersachsen mit dem Thema beschäftigen. Denn der Einsatz bei den Grünen in Göttingen war am Donnerstag nicht der einzige Vorfall.

Göttingen: Erneut Drohbriefe an die Parteien FDP und Die Linke

Gegen 13.30 Uhr ereignete eine ähnliche Aktion bei der FDP an der Wilhelm-Weber-Straße. Dort war anstatt eines weißen Pulvers ein roter Stoff in dem Brief.

Um 14.15 Uhr gab es schließlich noch einen weiteren Fund in Göttingen: Betroffen war das Büro der Partei Die Linke an der Lange-Geismar-Straße. Auch in Hameln sollen Drohbriefe aufgetaucht sein. Das Innenministerium hat zu den Vorfällen eine Erklärung angekündigt.  

Von Stefan Rampfel und Bernd Schlegel

Drohbriefe mit unbekanntem Pulver* sind keine Seltenheit: Unbekannte haben Briefe mit weißem Pulver und arabischen Schriftzeichen an die Privatanschriften mehrerer Politiker gesandt. Unklar ist, wie sie an die Adressen gelangten.

Auch dieser Politiker wurde ebenfalls mit Drohbriefen bedroht: Erich Pipa wurde ungefähr zur gleichen Zeit wie Walter Lübcke massiv angefeindet. Offenbar von Leuten aus seiner Region.

Mutmaßlicher Nazi-Überfall: Stadt Göttingen* sperrt nun doch Daten von verletztem Fotografen.

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