Göttinger Forscher untersuchten Tumorzellen

Hoffnung im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Göttingen. Forscher der Uni-Medizin erkennen, warum Chemotherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht wirken.

Warum wirken Chemotherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium häufig nicht? Forscher der Universitätsmedizin Göttingen haben eine Antwort gefunden, und somit auch einen möglichen Ansatz zur Entwicklung neuer Therapien, die einem der schlimmsten Krebstumore den Schrecken nehmen könnten. Die Bauchspeicheldrüsen-Krebszellen bauen eine Art Schutzschild auf, das herkömmliche Chemotherapien abblocken und somit die Wirkung verhindern.

 Verantwortlich sind dafür spezialisierte Bindegewebszellen, die Tumorfibroblasten. Sie speichern die Chemotherapeutika, nehmen sie in sich auf. Folge: Die Wirkung der Medikamente auf die Tumorzellen verringert sich. Die Wissenschaftler habe auch erstmals die Verstoffwechselung und die Wirkung der Chemomedikamente auf Bauchspeicheldrüsen-Tumorzellen genauer untersucht.

Dr. Albrecht Neeße, Universitätsmedizin Göttingen

Die Ergebnisse der Göttinger Mediziner um Priv.Doz. Dr. Albrecht Neeße, Leiter der Max-Eder-Nachwuchsgruppe der UMG, nähren die Hoffnungen, neue Therapieansätze bei Bauchspeicheldrüsenkrebs zu finden. 

Schlüssel dafür wäre eine Manipulation der Fibroplasten, die genetisch wie pharmakologisch beeinflusst werden könnten. Dann könnte der Schutzschild eingerissen werden, und den Weg für die Wirkung der Medikamten zu ihrem Ziel Tumore frei machen. 

Die Hoffnung also ist, die bösartigen Bauchspeicheldrüsengeschwüre dann erfolgreich attackieren zu können. Die Max-Eder-Nachwuchsgruppe, der Klinik für Gastroenterologie und gastrointestinale Onkologie der UMG, wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert und beschäftigt sich seit drei Jahren mit Therapieresistenz bei Bauchspeichelkrebs.

 Die Vermutung, dass das Bindegewebe und deren Zellen einen Einfluss auf die Hemmung der Chemotherapiewirkung hat, hegten die UMG-Forscher schon länger, verstehen konnten sie die Vorgänge und Wirkungsmechanismen aber bislang nicht. Auch nicht, warum bestimmte Therapeutika eine schwache, und andere Medikamente eine starke Wirkung auf die Tumore hat. Hypothesen hatten die Wissenschaftler gestellt. 

Mit Forschern der englischen Cambridge University und dem schwedischen Karlinska Institut Stockholm wurde jetzt die Rolle der Tumorfibroplasten erstmals genauer untersucht und verstanden. (tko) 

Hintergrund

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Tumoren. In Deutschland erkranken durchschnittlich etwa 16.000 Patienten daran, mit schlechten Prognosen. Operationen helfen zwar größtenteils – oft aber kommen die Eingriffe zu spät, weil Bauchspeicheldrüsenkrebs häufig zu spät diagnostiziert werden kann und wird. Folge: Die Operation kann nur für einen kleinen Teil der Erkrankten angeboten werden. Die klinischen Beschwerden sind häufig unspezifisch, treten – wie gesagt – meistens erst im fortgeschrittenen Tumorstadium auf. Fazit: Die Behandlungsmöglichkeiten sind stark begrenzt. Im fortgeschrittenen Stadium kommt eine systematische Chemotherapie in Frage. Und mit begrenzten Erfolgsaussichten: die positive Folge ist häufig leider nur eine Lebensverlängerung um wenige Monate. Die Nebenwirkungen sind immens.

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