Göttingen kämpft gegen den Analphabetismus: Es gibt erste Erfolge

+
Aktion Lesen und Schreiben: Veranstaltung in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit Schirmherr Rainer Hald (Mitte) und den Klinikvorständen Dr. Martin Siess (Zweiter von links) und Prof. Dr. Michael Karaus (Weender Krankenhaus).

Göttingen. Die Zahlen sind erschreckend: 7,5 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren können nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen – sie sind funktionale Analphabeten. Programme, die Menschen helfen können sind umso wichtiger.

In Göttingen nimmt sich die Volkshochschule (VHS) der Bekämpfung des Analphabetismus an und der Menschen an. Kürzlich wurde das Projekt und die Ausstellung „Lesen und Schreiben – mein Schlüssel zur Welt“ vorgestellt. Sie ist in der Westhalle des Uni-Klinikums zu sehen.

Wie wichtig Aktionen und Programm sind, das betonten alle Redner im Klinikum: Als Schirmherr des Göttinger Bündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung betonte Sparkasse-Göttingen-Vorstandsvorsitzender Rainer Hald, dass das Tabu-Thema unbedingt angefasst werden müsse. Programm wie an der VHS in Göttingen seien wichtig und vielversprechend, so hätten im ersten Kurs von 16 Teilnehmerinnen bereits 14 einen Job gefunden. „Eine tolle Bilanz.“

Die Wichtigkeit, den Analphabetismus aus der Tabu-Ecke zu holen, unterstrichen auch die Chefs der größten Göttinger Kliniken. Vorstand Dr. Martin Siess begrüßte die Gäste für die Universitätsmedizin. Prof. Dr. Michael Karaus sagte, dass auch das Weender Krankenhaus sich des Problems annehmen und weiter Aktionen zur Alphabetisierung unterstützen werde. Ein ähnliches Signal sendete die Sozialdezernentin der Stadt, Dagmar Schlapeit-Beck, aus. Sie lobte ausdrücklich die Göttinger Initiative und die handelnden Akteure.

Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Anke Grotlüschen schließlich stellte schließlich Forschungsergebnisse der Uni Hamburg vor. Basierend auf Umfragen sind die Resultate fast unglaublich: 7,5 Millionen Analphabeten mit gravierenden Schwächen beim Lesen und Schreiben. Dazu kommen 13 Millionen Menschen in Deutschland, die große Probleme dabei haben. Das ist aber oft kaum zu bemerkten. „Die meisten haben Jobs, es gibt oft nur wenige Mitwisser, die um die Lese- und Schreibprobleme wissen.“ 80 Prozent der Analphabeten haben einen Schulabschluss, 57 Prozent einen festen Arbeitsplatz, 41 Prozent gar in Vollzeit. „Auch dabei fällt das Problem nur wenigen auf“, schilderte Anke Grotlüschen. Dennoch: Auch wenn nur zwei bis drei Menschen etwas vom Analphabetismus des Freunde wüssten, dann gäbe es schon mehr als 20 Millionen in Deutschland, die eingeweiht sind. Analphabetismus müsse deshalb heraus aus der Tabu-Zone. In Göttingen arbeitet das Bündnis daran. Das macht Mut. (tko)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.