Das Göttingen-Lied: Erinnerungen an Barbara

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Die französische Chanson-Sängerin und Komponistin Barbara: Ihren Durchbruch erzielte sie 1965 mit dem Album „Barbara chante Barbara“. Sie starb am 24.11.1997 in Neuilly sur Seine. Foto: dpa

Göttingen. Vor 50 Jahren texte die französische Sängerin Barbara ein berühmtes Lied über Göttingen. Es kennt heute jedes Schulkind im Nachbarland.

Kürzlich im Nachtzug nach Paris. Als das französische Ehepaar, mit dem wir das Abteil teilen, hört, wo wir herkommen, summt der Mann sofort eine Melodie, und seine Frau singt: „A Göttingen, à Göttingen…“ Es ist der Refrain eines Chansons, das in Frankreich heute jedes Schulkind kennt. Anfang Juli 1964 hat es die französische Sängerin Barbara in Göttingen geschrieben.

Zum 50. Jahrestag des Liedes, das Göttingen in ganz Frankreich bekannt gemacht hat, erinnern an diesem Wochenende mehrere Veranstaltungen in Göttingen an dieses Jubiläum. Wie wichtig der Göttinger Aufenthalt auch für Barbara selbst war, zeigt ihre unvollendete Autobiographie, die ein Jahr nach ihrem Tod erschien („Il était un piano noir…“, Librairie Arthème Fayard 1998). Darin schildert die Chansonniere, wie ihr anfänglicher Widerwille in Zuneigung umschlug und in ein Lied mündete, das später zur Hymne der französisch-deutschen Verständigung werden sollte.

Einladung in Uni-Stadt

Dass sie damals nach Göttingen gekommen ist, liegt an dem Intendanten des Jungen Theaters, Gunther Klein. Dieser taucht Anfang 1964 im Pariser Cabaret „Ecluse“ auf, wo Barbara immer gegen Mitternacht Chansons singt. Er lädt sie ein, in seinem Theater aufzutreten. Sie lehnt ab: „Pas question d‘aller chanter en Allemagne“. Während des Zweiten Weltkrieges hat sie sich jahrelang vor der Gestapo und dem mit Nazi-Deutschland kollaborierenden Vichy-Regime verstecken müssen - unmöglich, in Deutschland zu singen. Klein gibt nicht nach, erzählt von seinem Theater und den Göttinger Studenten. Barbara erbittet sich Bedenkzeit. Am nächsten Tag sagt sie zu unter der Bedingung, dass ihr für das Konzert ein Flügel zur Verfügung gestellt wird.

Als Barbara im Juli 1964 allein nach Göttingen reist, ist sie wütend darüber, dass sie zugesagt hat. Gunther Klein, der sie am Bahnhof abholt, ist dagegen voller Enthusiasmus. Er will ihr die Stadt zeigen, die um diese Jahreszeit so schön sei. Barbara will davon nichts sehen und so schnell wie möglich ins Junge Theater, das damals in der Geismarlandstraße untergebracht ist. Dort gibt sie ein Konzert, für das in letzter Sekunde noch ein Flügel auf die Bühne geschleppt wird. Es wird ein wunderbarer Abend, erinnert sich Barbara. Das ist untertrieben: Das Göttinger Publikum feiert sie enthusiastisch.

Letzter Auftritt

Am nächsten Tag - inzwischen hat Klein ihren Vertrag um eine Woche verlängert - führen die Studenten Barbara durch Göttingen und zeigen ihr auch, wo die Brüder Grimm gewohnt und gearbeitet haben. Das „Göttingen“-Lied, das sie am letzten Nachmittag ihres Aufenthalts im Garten des Jungen Theaters niederkritzelt, handelt denn auch von den Märchen, die in Göttingen entstanden sind, von blonden Kindern und den wunderschönen Rosen, die in Göttingen blühen. Sie trägt es abends bei ihrem letzten Auftritt vor. Später wird sie jedes ihrer Konzerte mit dem Chanson beenden. (pid)

Konzert und Matinee im Kino Lumière

Zur Erinnerung an die Sängerin Barbara gibt es an diesem Wochenende Veranstaltungen in Göttingen:

„Mathieu Rosaz chante Barbara“ ist ein Abend am Samstag, 28. Juni, um 20 Uhr im Kino Lumière überschrieben. Der Chansonier, Liedermacher und Schauspieler singt Lieder von Barbara. Schon früh entdeckte der 1975 in Paris geborene Rosaz seine Vorliebe für die Lieder der französischen Chanson-Legende. Der Eintritt kostet 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Reservierungen sind unter Tel. 0551/495015 möglich.

Zudem gibt es eine Matinee mit dem Titel „Erinnerungen an Barbara“. Beginn ist am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr im Kino Lumière. Der Eintritt für die Veranstaltung mit Bernard Serf und Martine Worms kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro. (bsc)

Von Heidi Niemann

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