Gedenkfeier am Synagogen-Mahnmal

05-Fans auf den Spuren jüdischer Fußballer

Platz der Synagoge in der Göttinger Innenstadt: Das Mahnmal steht an dem Ort, wo in der Reichspogromnacht die Synagoge brannte. Das Mahnmal ist immer am 9. November Schauplatz der Gedenkfeier. Archivfoto: Kopietz

Göttingen. Die Gedenkstunde am Synagogen-Mahnmal am Sonntag, 9. November, wird in diesem Jahr von Fußballfans des SC Göttingen mitgestaltet. Was die Veranstalter geplant haben und wieso das Projekt erfolgreich ist, das Lesen Sie hier.

Die Zusammenarbeit erscheint fast zwingend, denn die Vereinsräume der „Supporters Crew 05“ liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Denkmal am Ort der ehemaligen Synagoge. Und: Jüdische Fußballer gab es auch in Göttingen.

Die Mitglieder des Fanklubs haben in Kooperation mit dem Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit das Thema „Ludolf Katz - ein Jude in Schwarz und Gelb“ gewählt, nachdem sie sich zuvor auf die Spurensuche eines jüdischen Fußballers begeben hatten.

Ludolf Katz steht sinnbildlich für fünf bekannte Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft von Göttingen 05, die Ludolf Katz selber in einem Brief benannte: Herr Stern, Herr Jacobi, Julius Löwenstein. Bernhard Katz und Ludolf Katz selber. Welche Rolle er im Verein Göttingen 05 spielte, wisse man noch nicht.

Kein Wunder also, dass die Suche bei Ludolf Katz ansetzte, der ein Kapitel Göttinger Fußballgeschichte mitgestaltet hat. Er war Mitglied einer Göttinger Händlerfamilie. Dokumente der Familie belegen die Deportation der Eltern und seine Flucht mit seiner Ehefrau in die USA.

Fast vergessen

Jüdische Fußballer in Göttingen waren lange Zeit fast vergessen, und so ist das Kapitel auch für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit neu. „Das Thema Juden und Sport war bei uns bisher nicht in der Diskussion“, sagte Vorstandsmitglied Heiner Willen, der froh ist, das die Supporters Crew auf ihn zugekommen ist und die Idee vorgeschlagen hat.

Gemeinsam wollen sie nun weiter forschen. Dirk Mederer sagt: „Dadurch, dass wir jetzt mit dem Fanraum an einem Ort sind, an dem sich früher das Portal der Synagoge befunden hat, ist es für uns eine ganz besondere Verantwortung und Verpflichtung, uns damit auseinander zu setzen.“

Alle Beteiligten hoffen nun auf weitere Erfolge. „Wir stehen mit Familienangehörigen anderer Vereinsmitglieder in Argentinien und Israel von in Kontakt“, sagt Mederer.

Unterstützt werden die Fans bei der Spurensuche auch von dem Göttinger Sportjournalisten Hardy Grüne, der die Biografien jüdischer Fußballer in Deutschland recherchierte. So fingen auch die Fans an, zu recherchieren. Die Vereinsgeschichte und die Jubiläumschroniken von 05 gaben zunächst wenig Aufschluss über jüdische Mitglieder, berichtet Dirk Mederer. Im Dunkeln blieb auch, was nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit ihnen geschah.

Durch Recherchen im Internet und auf Ahnenplattformen hangeln sich die Suchenden an Namen entlang und stoßen peu à peu in die Tiefe vor. Momentan sei das Projekt sehr erfolgreich, so viel verraten sie schon jetzt. (mtg/tko)

Gedenkstunde für Ludolf Katz und Lesung mit Dietrich Schulze-Marmeling

Die Gedenkstunde am Synagogen-Mahnmal in der Oberen Maschstraße in Göttingen beginnt am Sonntag, 9. November, um 18 Uhr. Die Veranstaltung steht im Zeichen von „Ludolf Katz - Ein Jude in Schwarz und Gelb“. Dabei wird die Geschichte von Katz ebenso behandelt wie die Situation der Juden im deutschen Fußball im allgemeinen. Im Anschluss, um 19.05 Uhr, ist im Saal über dem FanRaum der Dokumentarfilm über die Göttinger Familie Katz „Und plötzlich waren wir Feinde“ zu sehen.

Am Mittwoch, 10. Dezember, wird um 19.05 Uhr eine Gedenktafel für Katz an der Außenwand des FanRaums enthüllt. Zu diesem Anlass wird Fußball-Autor Dietrich Schulze-Marmeling aus seinem Buch „Davidstern und Lederball“ lesen. (mtg)

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